85-jähriger Deutscher stirbt in Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ICE
Berlin, 03. Juli 2026
Ser Amantio di Nicolao / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
Kurzfassung
Ein 85-jähriger deutscher Staatsbürger ist im texanischen Harlingen in der Obhut der US-Einwanderungsbehörde ICE gestorben. Das Auswärtige Amt bestätigte den Fall und verwies auf den Persönlichkeitsschutz; eine Obduktion wurde angeordnet.
Ein 85-jähriger deutscher Staatsbürger ist im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde ICE in Harlingen im US-Bundesstaat Texas gestorben, wie ICE am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte und das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag bestätigte.
Der Mann hatte nach Angaben von US-Behörden Ende August 2025 versucht, von Mexiko aus ohne gültige Dokumente in die USA einzureisen. „Den Angaben zufolge hatte der 85-Jährige Ende August 2025 versucht, von Mexiko aus ohne gültige Dokumente in die USA einzureisen." Da ihm die Einreise aufgrund fehlender gültiger Dokumente verweigert worden sei, sei er einen Tag später in ICE-Gewahrsam überstellt worden, hieß es weiter.
Vorgeschichte: Einreiseversuch an der texanischen Grenze
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den Umgang der US-Behörden mit hochbetagten und erkrankten Migranten in Abschiebehaft. Der Verstorbene litt nach Darstellung der Behörden an mehreren schweren Vorerkrankungen und wurde seit November stationär behandelt. „Dort sei er unter anderem wegen Demenz, Bluthochdrucks, kognitiver Beeinträchtigungen und Magengeschwüren behandelt worden."
Nach dem Krankenhausaufenthalt sei der Mann von der US-Behörde in einem Pflegeheim untergebracht worden, wie aus den Angaben hervorgeht. „Die Behörde habe ihn wiederum einen Monat später in einem Pflegeheim untergebracht." Ein Arzt habe am 24. Juni seinen Tod festgestellt.
Medizinische Vorgeschichte und Pflege
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP habe zunächst ein Verfahren eingeleitet und den Fall an ein Gericht des US-Justizministeriums verwiesen. „Die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP habe ein Verfahren eingeleitet und den Fall an ein Gericht des US-Justizministeriums verwiesen." Nach der Ablehnung an der Grenze sei der Mann in die Obhut von ICE gelangt, das ihn schließlich in die Klinik und das Pflegeheim in Harlingen brachte.
Die texanische Stadt Harlingen liegt unmittelbar an der Grenze zu Mexiko und gehört zu den Orten, an denen Migranten ohne gültige Einreisepapiere routinemäßig in Gewahrsam genommen werden. Harlingen und Laredo seien texanische Orte unmittelbar an der Grenze zum US-Nachbarland Mexiko. Über den weiteren Aufenthaltsort oder eine mögliche Abschiebung des Mannes vor seinem Tod machte die Behörde keine näheren Angaben.
Reaktion des Auswärtigen Amts
Für die Ermittlung der Todesursache sei eine Obduktion angeordnet worden, wie aus der ICE-Mitteilung hervorgeht. Die Behörde erklärte zudem, neben verschiedenen US-Behörden und dem deutschen Generalkonsulat seien auch Angehörige über den Tod des Mannes benachrichtigt worden. „Laut ICE-Angaben wurden neben verschiedenen US-Behörden und dem deutschen Generalkonsulat auch Angehörige über den Tod des Mannes benachrichtigt."
In Berlin äußerte sich das Auswärtige Amt am Freitag zurückhaltend. „Der Fall sei bekannt, bestätigte das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag." Der Mann sei zu Lebzeiten konsularisch betreut worden. „Weitere Einzelheiten gab das Ministerium mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht heraus."
UN-Menschenrechtskommissar Türk fordert Aufklärung
Der Tod ist kein Einzelfall: Die Vereinten Nationen hatten sich vergangene Woche angesichts der Zahl der Todesfälle im Gewahrsam der US-Einwanderungsbehörde alarmiert gezeigt. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, bezog sich auf offizielle Zahlen der US-Behörde, wonach in den ersten fünf Monaten des Jahres 18 Menschen im Gewahrsam der Behörde gestorben seien. „Im Vorjahr seien es insgesamt 33 gewesen", sagte Türk.
Türk forderte „unverzügliche, unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchungen zu allen Todesfällen in ICE-Gewahrsam". Zudem kritisierte er den Mangel an Transparenz zu den jeweiligen Umständen. „Verantwortliche müssten zur Rechenschaft gezogen werden."
Politischer Kontext und Proteste in den USA
In den USA haben die Einsätze der Migrationsbehörde in den vergangenen Monaten massive Proteste ausgelöst – „insbesondere nach den tödlichen Schüssen auf die US-Bürger Renee Good und Alex Pretti im Jänner". Die Vorgänge stehen nach Darstellung von Kritikern im Zusammenhang mit einer beispiellosen Abschiebekampagne unter US-Präsident Donald Trump: „Unter US-Präsident Donald Trump wurde eine beispiellose Kampagne zur Abschiebung von Millionen Migranten ohne gültige Aufenthaltstitel gestartet."
Zum konkreten Fall des 85-Jährigen in Harlingen wollte sich das Weiße Haus bislang nicht äußern. Auch über die Frage, ob und wann eine Abschiebung des Mannes nach Deutschland geplant war, wurden keine Angaben gemacht. Die deutsche Botschaft in Washington und das Generalkonsulat in Houston, das für Texas zuständig ist, halten sich mit Stellungnahmen zum Sachstand zurück, solange die Obduktion läuft.
Der Vorgang verdeutlicht die rechtliche und humanitäre Grauzone, in der sich Abschiebehaft in den USA seit der Verschärfung der Migrationspolitik befindet. Mehrere Bundesstaaten und Städte haben sich gerichtlich gegen bestimmte ICE-Praktiken gewehrt; konservative Kreise verweisen dagegen auf die Notwendigkeit einer strikten Einhaltung der Einwanderungsgesetze. Der Fall aus Harlingen könnte nun zusätzliche politische Aufmerksamkeit auf die medizinische Versorgung älterer Häftlinge lenken.
Ausblick: Obduktion und mögliche Folgen
In Deutschland verfolgen das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium die Entwicklung. Sollte die Obduktion Hinweise auf ein Fehlverhalten der US-Behörden liefern, wäre nach Angaben aus Regierungskreisen eine förmliche konsularische Intervention denkbar. Ein Sprecher betonte, man nehme „jeden Todesfall im Gewahrsam ausländischer Behörden sehr ernst".
Die Nachricht über den Tod des Mannes wurde am 03.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet und von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) verbreitet. Die US-Behörden setzen ihre Ermittlungen zur Todesursache fort; eine Veröffentlichung erster Ergebnisse wurde nicht angekündigt.
Fragen & Antworten
Wer ist der 85-jährige Deutsche, der in ICE-Gewahrsam starb?
Nach Angaben der US-Behörden handelt es sich um einen 85 Jahre alten deutschen Staatsbürger, der Ende August 2025 ohne gültige Dokumente von Mexiko aus in die USA einreisen wollte und daraufhin in Gewahrsam genommen wurde.
Wo und wann genau starb der Mann?
Der Mann starb in Harlingen im US-Bundesstaat Texas; ein Arzt stellte seinen Tod am 24. Juni fest, wie ICE am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.
Welche Forderungen hat die UN zur Aufklärung der Todesfälle in ICE-Gewahrsam erhoben?
Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, forderte „unverzügliche, unabhängige, unparteiische und wirksame Untersuchungen zu allen Todesfällen in ICE-Gewahrsam" und kritisierte den Mangel an Transparenz.
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