100 Tage Iran-Krieg: USA und Iran tauschen erneut Angriffe aus – Gespräche stocken
Berlin, 7. Juni 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Trotz einer nominell geltenden Waffenruhe haben die USA und der Iran in der Golfregion erneut militärisch aufeinander eingeschlagen. Indirekte Verhandlungen über ein Kriegsende kommen nicht voran, während die Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft unter Druck setzt.
Am 100. Tag des Iran-Krieges haben die USA und der Iran in der Golfregion trotz formaler Waffenruhe erneut militärisch aufeinander eingeschlagen, während indirekte Verhandlungen über ein Kriegsende ins Stocken geraten sind.
Angriffe trotz Waffenruhe
In der Nacht zum 7. Juni 2026 eskalierte die Lage am Golf erneut: In Bahrain und Kuwait wurde am frühen Morgen Raketenalarm ausgelöst, nachdem iranische ballistische Raketen auf die beiden mit den USA verbündeten Golfstaaten abgefeuert worden waren. Das US-Militär wehrte nach eigenen Angaben sechs vom Iran auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain abgefeuerte ballistische Raketen ab. Ein weiteres Geschoss habe sein Ziel verfehlt, teilte das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Die Luftabwehr habe drei Raketen und eine nicht näher benannte Anzahl von Drohnen abgefangen, teilten die Streitkräfte in Bahrain mit.
Die iranischen Angriffe erfolgten nach einer Serie vorheriger Zwischenfälle: Zuvor hatte das US-Militär nach eigenen Angaben bereits im Gebiet der Straße von Hormus mehrere iranische Drohnen abgewehrt. Zuvor habe man im Bereich der Straße von Hormus vier iranische Drohnen abgewehrt und sodann Radarstellungen auf der iranischen Insel Qeschm und in der Ortschaft Goruk attackiert. Die im Bereich der Straße von Hormus abgewehrten iranischen Kampfdrohnen hätten eine Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt, teilte Centcom etwa in der Nacht mit. Zudem meldete das US-Regionalkommando, am Samstagabend seien zwei iranische Kampfdrohnen in der Golfregion abgeschossen worden, die eine Bedrohung für die internationale Schifffahrt dargestellt hätten.
Scharfe Reaktionen aus Kuwait und Bahrain
Die iranischen Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – erklärten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, man habe im Gegenzug Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert. Die iranischen Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – teilten laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim kurz daraufhin mit, man habe als Reaktion auf die US-Angriffe Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert. Die Führung in Teheran spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für Angriffe des US-Militärs, die USA wiederum sprechen von Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des Irans. Die Angaben beider Kriegsparteien liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die Golfstaaten reagierten scharf: Kuwaits Luftabwehr war zuvor nach Armeeangaben gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Am Morgen wurde der Flugverkehr in Kuwait nach einer vorübergehenden Sperrung des Luftraums wieder aufgenommen, berichtete die Staatsagentur Kuna unter Berufung auf die Behörde für zivile Luftfahrt. Die Außenministerien der beiden Golfstaaten erklärten gleichermaßen, es handle sich um eine eklatante Verletzung ihrer Souveränität. Die «wiederholten, abscheulichen» iranischen Angriffe seien «unter keinem Vorwand zu rechtfertigen». Die Angriffe stellten eine «offenkundige Aggression» dar, die internationale Forderungen nach einem Ende solcher Handlungen ignoriere und die Sicherheit der Bevölkerung sowie die Stabilität der Region gefährde. Bahrain verurteilte die erneuten Angriffe auf sein Staatsgebiet und Kuwait scharf. Es handle sich um eine "eklatante" Verletzung der Souveränität beider Länder.
Bereits am Mittwoch derselben Woche hatte ein Angriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Kuwait, unweit einer US-Basis, eine Person getötet und mehr als 60 weitere verletzt. Kuwait machte Iran für den Flughafenangriff verantwortlich, was Teheran zurückwies. Der Iran hatte zuvor schon mehrfach Geschosse auf Kuwait, Bahrain und andere Staaten am Persischen Golf gefeuert. Dort unterhält das US-Militär Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt sind. AFP-Reporter berichteten von mehreren Explosionen in der Nähe des internationalen Flughafens von Kuwait und in Bahrain.
Hintergründe: Eskalation seit Februar
Die Hintergründe der aktuellen Eskalation reichen bis zum Kriegsbeginn am 28. Februar 2026 zurück, als Israel und die USA Angriffe auf iranisches Gebiet starteten. Die iranischen Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, was gegen internationales Recht verstößt. Die USA hatten im Gegenzug eine Seeblockade verhängt, um die Islamische Republik am Export von Öl zu hindern. Die USA hatten im Gegenzug eine Seeblockade verhängt, um die Islamische Republik am Export von Öl zu hindern. Im April verschärften die USA ihre Maßnahmen und griffen mehrere Schiffe an, die iranische Häfen ansteuerten.
Die strategische Bedeutung der Meerenge ist enorm: Vor Kriegsbeginn wurde rund ein Fünftel des weltweiten Rohölbedarfs durch die Meerenge verschifft. Die Straße von Hormus, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist, ist eine der wichtigsten Routen für globale Öl- und Gaslieferungen. Die Blockade der Straße von Hormus zu steigenden Benzinpreisen auch für amerikanische Autofahrer führt.
Verhandlungen im Streit um eingefrorene Milliarden
Parallel zu den Kampfhandlungen laufen indirekte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein mögliches Kriegsende. Die indirekten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus stocken jedoch. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, um den Krieg zu beenden. Über das iranische Atomprogramm – einen der Hauptstreitpunkte – soll später verhandelt werden. Trump hat wiederholt erklärt, seine oberste Priorität sei es, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Der Iran betont stets, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken.
Ein wesentlicher Streitpunkt in den Gesprächen sind im Ausland eingefrorene iranische Vermögenswerte. Laut Mohsen Resai, militärischer Berater des iranischen Obersten Führers Mojtaba Khamenei, sind die indirekten Verhandlungen mit den USA vor allem wegen eines Streits über eingefrorene iranische Vermögenswerte ins Stocken geraten. Resai sagte dem Sender CNN in einem am Freitag ausgestrahlten Interview, falls US-Präsident Donald Trump ein Abkommen mit Teheran wolle, seien "diese 24 Milliarden Dollar ein Test". Resai ergänzte: "Das ist unser eigenes Geld, nicht das der Vereinigten Staaten" – mit Blick auf die eingefrorenen iranischen Vermögenswerte. Iranische Medien schätzten den Wert der eingefrorenen Vermögenswerte zuletzt auf 100 bis 123 Milliarden US-Dollar (etwa 86 bis 106 Milliarden Euro). Die Vermögenswerte waren während der islamischen Revolution von 1979 eingefroren worden; Iran ist seit Jahrzehnten westlichen Sanktionen ausgesetzt, die Wirtschaft und Finanzsystem schwer belasten.
Die US-Regierung versucht unterdessen, ihre Verbündeten in der Region militärisch zu stärken: Das US-Außenministerium teilte mit, man habe den Verkauf entsprechender Rüstungsgüter im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) an Kuwait genehmigt. Es handelt sich um Verteidigungssysteme gegen Drohnenangriffe. Wann die Systeme geliefert werden sollen, blieb offen.
Trumps widersprüchliche Angaben zu Irans Arsenal
Die Frage nach den verbliebenen militärischen Kapazitäten des Iran wird unterdessen unterschiedlich beantwortet. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden, sagte US-Präsident Trump dem TV-Sender NBC News. Nach jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump – und entgegen früheren Statements des Republikaners – verfügt der Iran noch über große Teile seines ursprünglichen Raketenarsenals. Ohne anzugeben, worauf seine Schätzung beruht, bezifferte Trump diesen Anteil mit 21 bis 22 Prozent. "Prozentual würde ich sagen, vielleicht noch 21 bis 22 Prozent ihrer Raketen." Trump ergänzte: "Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen." Die "New York Times" etwa berichtete Mitte Mai, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent seines Raketenarsenals. Die "Washington Post" hatte ähnliche Zahlen genannt.
Ausblick: Krieg und US-Kongresswahlen
Auch in den USA hat der Krieg politische Folgen: Im November stimmt die Bevölkerung über alle Sitze im Repräsentantenhaus und einen Teil der Mandate im Senat ab. Sollte der Krieg bis dahin nicht beendet sein, dürfte dies die Erfolgsaussichten der Republikaner dämpfen. Das US-Militär wies iranische Behauptungen zurück, wonach in Bahrain das Hauptquartier der US-Marine im Nahen Osten beschädigt worden sei. Nach Angaben der US-Armee gab es keine US-Verluste durch die iranischen Raketenangriffe.
Trotz der aktuellen Eskalation betonen beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft. Es gilt eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wird. Eigentlich gilt im Krieg zwischen den USA und dem Iran eine Waffenruhe. Dennoch kommt es seit Wochen immer wieder zu Kampfhandlungen. Beide Kriegsparteien rechtfertigen ihre Angriffe in der Regel mit dem Hinweis, die jeweils andere Seite habe die Waffenruhe zuerst verletzt. Gespräche über eine Verlängerung der Waffenruhe oder eine Beendigung der Kämpfe haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Diese Nachricht wurde am 06.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Warum greifen die USA und der Iran einander an, obwohl eine Waffenruhe gilt?
Trotz der seit April geltenden Waffenruhe kommt es seit Wochen immer wieder zu gegenseitigen Angriffen. Beide Seiten rechtfertigen ihre Angriffe als Reaktion auf vermeintliche Verstöße der Gegenseite, ein Durchbruch in den Verhandlungen über ein Kriegsende ist bislang nicht in Sicht.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus in dem Konflikt?
Die Meerenge ist eine der wichtigsten Routen für globale Öl- und Gaslieferungen, vor dem Krieg wurden rund ein Fünftel des weltweiten Rohölbedarfs durch sie transportiert. Iran hatte die Meerenge kurz nach Kriegsbeginn weitgehend gesperrt, die USA reagierten mit einer Seeblockade, was die Weltwirtschaft und die Benzinpreise in den USA unter Druck setzt.
Worum geht es in den festgefahrenen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran?
Im Zentrum steht laut dem Berater des iranischen Obersten Führers ein Streit um iranische Vermögenswerte im Wert von schätzungsweise 100 bis 123 Milliarden US-Dollar, die seit der Revolution 1979 im Ausland eingefroren sind. Separat sollen später auch Gespräche über das iranische Atomprogramm stattfinden.
Iran-Krieg Tag 100: Neue Angriffe USA-Iran, Verhandlungen | nachrichten360