Beim WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium von East Rutherford (New Jersey) hat am Sonntag die erste Halbzeitshow der Fußballgeschichte stattgefunden und die Pause auf rund 27 Minuten verlängert.
Auftakt und Vorprogramm
Schon vor dem Anpfiff hatte es eine WM-Schlussfeier gegeben. Anschließend traten rund eineinhalb Stunden vor dem Spiel zunächst unter anderem der Sänger Post Malone und der YouTuber IShowSpeed auf. Kurz vor Spielbeginn gab es dann einen gemeinsamen Auftritt der Musiker Robbie Williams, Nicole Scherzinger und Laura Pausini, die vor den Flaggen der Gastgeberländer das offizielle WM-Lied sangen, darunter den Titel "Desiree".
Den Beginn des eigentlichen Programms markierte der Schauspieler Tom Cruise, der den Rasen betrat und eine kurze Ansprache hielt. Er rief dazu auf, das Turnier zu feiern, das die Welt zusammengeführt habe. Cruise sagte: "Lasst uns - jetzt wo wir uns für ein finales Kapitel treffen - dieses Turnier feiern, das die Welt zusammengebracht hat." Auch hier war der Gedanke einer Sprache ohne Worte zentral, den er später noch einmal als "language spoken without words" beschrieb.
Sängerin Post Malone war Teil der Vorunterhaltung, ebenso der Schauspieler Timothée Chalamet, der den Spielball an die Seite des Platzes brachte. Die US-Nationalhymne sang Grammy-Gewinnerin Jennifer Hudson kurz vor dem Anpfiff. Auf den Stadionleinwänden wurde Fußballlegende Pelé gezeigt, die das Leitmotto der Show prägte, ein Zitat aus seiner Abschiedsrede von 1977, in dem er "Love, love, love" als wichtigsten Wert beschwor.
Madonna eröffnet die Show
Bei der ersten Halbzeitshow der Fußballgeschichte eröffnete Madonna mit ihrer rhythmisch neu bearbeiteten Hymne "Music", die im Jahr 2000 veröffentlicht wurde und damit zum Zeitpunkt der Show 26 Jahre alt war. Gemeinsam mit den brasilianischen Fußballlegenden Ronaldo und Ronaldinho fuhr sie auf einem überdimensionierten Gokart in die Katakomben des Stadions. Ronaldinho saß auf dem Beifahrersitz, Ronaldo steuerte das Gefährt.
Anschließend präsentierte die südkoreanische Band BTS den Song "Dynamite", wobei die Mitglieder Trikots mit der Nummer 7 trugen - als Hommage an die sieben Bandmitglieder. Justin Bieber wurde wie ein Ersatzspieler eingewechselt, spielte Gitarre und sang minimalistisch seinen Song "Everything Hallelujah", bei dem er den Text zu "It's the World Cup - Hallelujah" änderte. Er trug dabei Kleidung seines eigenen Modelabels SKYLRK.
Bieber, Shakira und die Muppets
Schließlich sangen Shakira und Burna Boy umgeben von Tänzern ihren WM-Hit "Dai dai". Am Schlagzeug saß die Muppet-Figur Elmo, den Muppets sei Dank – mit absurder Komik trugen sie zur Auflockerung der Show bei. Der spanische Trainer Luis de Fuente merkte an, dass eine 30-minütige Halbzeitpause bei solchen Events in wenigen Jahren völlig normal sein könnte.
Den musikalischen Abschluss bildeten Chris Martin und Burna Boy zusammen mit einem großen Kinderchor und dem venezolanischen Dirigenten Gustavo Dudamel, der gemeinsam mit der Band Coldplay und einem New Yorker Grundschulchor auftrat. Coldplay präsentierte dabei auch den neuen Song "We Dance", der erst kurz vor dem offiziellen Release stand. Zum Abschluss kamen Ballons dazu und groß wurden in Woodstock-Hippie-Ästhetik die Buchstaben des Worts "Love" (Liebe) präsentiert.
Technik, Umbau und Kritik
Nach Ende der ersten Hälfte hatte zunächst eine Countdown-Uhr fünf Minuten bis zur Halbzeitshow herunterzuzählen begonnen. Helfer rollten über den Rasen eine regenbogenfarbene Plane mit einem großen bunten Fußball und Worten in verschiedenen Sprachen, darunter das Wort "Glauben". Die Plane wirkte dabei wie eine Graffiti aus den frühen 1980er Jahren. Über das Tempo der Umbauten während der Pause schrieb der Bericht, es erinnere an einen Boxenstopp in der Formel 1.
Die ursprünglich auf 15 Minuten angelegte Pause wurde durch die Show auf rund 27 Minuten fast verdoppelt. Das Orchester der Umbauten glich für den Autor einer kleinen Horror-Show, ein Eindruck, den er in einer Beschreibung wörtlich als "kleine Horror-Show" fasste. Im Netz sorgte die deutlich verlängerte Halbzeitpause für rege Diskussionen.
Prominente auf den Rängen
Auf den Rängen sah man zahlreiche prominente Gäste. Die Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour saß ebenso im Stadion wie der Basketballprofi Jalen Brunson, die Schauspieler Anya Taylor-Joy und Adrien Brody sowie die Schauspieler Javier Bardem und Matt Damon. Die Promi-Paare Timothée Chalamet mit Kylie Jenner und Rihanna mit A$AP Rocky verfolgten das Spiel Seite an Seite. Mick Jagger, dessen englische Mannschaft im Halbfinale ausgeschieden war, drückte offenbar neuen Sympathien die Daumen.
Der spanische König Felipe VI. hob nach dem Schlusspfiff den WM-Pokal in die Höhe. Der französisch wirkende Tennisprofi Carlos Alcaraz, spanischer Landsmann der siegreichen Mannschaft, gratulierte seinen Landsleuten persönlich auf dem Platz. Der Schauspieler Javier Bardem schloss sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff den soeben gekürten Weltmeistern auf dem Rasen an. Auch Victoria und David Beckham verfolgten das Geschehen aus einer VIP-Lounge.
Hintergründe und Kontext
Organisiert wurde die Halbzeitshow von Hugh Evans, der sie im Vorfeld als "die elf unterhaltsamsten Minuten der Geschichte" angekündigt hatte. Tatsächlich dauerten die musikalischen Auftritte rund elf Minuten, die gesamte Pause jedoch fast eine halbe Stunde. Kuratiert wurde die Halbzeitshow von Coldplay-Sänger Chris Martin - im Auftrag des Fußball-Weltverbands (FIFA) und der Hilfsbewegung Global Citizen, die die Show mitproduzierte.
Mit dem Spektakel soll auch Geld für die Unterstützung der Bildung von Kindern weltweit gesammelt werden. Die Show orientierte sich am Modell der Halbzeitshow des amerikanischen Super Bowls. Schon vor dem Turnier war die Halbzeitshow umstritten, und die FIFA hatte während des Wettbewerbs erhebliche Kritik einstecken müssen. Der Artikel, eine Bildergalerie mit 18 Aufnahmen, ist in Tagesspiegel Plus erschienen und stammt von Inga Barthels (APA, 20.7.2026).
Die finale Frage des Berichts richtete sich an die Leserinnen und Leser mit Blick auf einen Vergleich: "War das jetzt besser als der Bambini-Kick?" So verwies die Headline auf die Idee, dass eine derartige Show einen Vergleich mit einem Kinderfußballspiel provoziere. Insgesamt lieferte die Bildergalerie einen fotografischen Querschnitt durch die illustre Gästeliste eines außergewöhnlichen Fußballabends.
