Eine 30-jährige rumänische Staatsangehörige ist in Wien-Leopoldstadt festgenommen worden, weil sie einen 62-jährigen Wiener im Zuge eines mutmaßlichen Love-Scams um mehr als 790.000 Euro gebracht haben soll.

Festnahme in Wien-Leopoldstadt

Die Festnahme erfolgte am Donnerstagnachmittag, dem 9. Juli 2026, durch Beamte der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) im 2. Wiener Gemeindebezirk. Das geht aus Ermittlungen des Landeskriminalamts Wien, Außenstelle West, hervor, die nach umfangreichen und intensiven Untersuchungen zu der Tatverdächtigen geführt hatten.

Die Frau befindet sich mittlerweile in einer Justizanstalt. Die Ermittler werfen ihr vor, über das Internet Kontakt zu dem 62-Jährigen aufgenommen und ihm im Verlauf eine Liebesbeziehung vorgetäuscht zu haben. „Sie gab an, in ein Kosmetikstudio und in Wohnprojekt investieren zu wollen", erklärte eine Polizeisprecherin.

Im Zuge des Kontakts soll die 30-Jährige das Vertrauen des Mannes gezielt ausgenutzt und ihn so zu immer neuen Überweisungen bewegt haben. Erste Zahlungen seien bereits 2024 geflossen, wie aus den Ermittlungen hervorgeht. Über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren soll der Schaden so auf mehr als 790.000 Euro angewachsen sein.

Vorgetäuschte Liebe und hoher Schaden

Die Polizei stuft den Fall als besonders schweren Betrug ein. „Dem Opfer ist ein unglaublicher Schaden von mehr als 790.000 Euro entstanden", berichtet die Polizei. Die Ermittler der Außenstelle West sprachen nach der Festnahme von einem Ermittlungserfolg, der nur durch die intensive Zusammenarbeit mehrerer Einheiten möglich gewesen sei.

Bei Love-Scam handelt es sich um eine Form des Online-Betrugs, bei der Täter über Wochen oder Monate eine scheinbare romantische Beziehung zu ihren Opfern aufbauen. Ziel ist es, das Vertrauen der Betroffenen zu gewinnen und sie anschließend um Geld zu bitten – häufig mit erfundenen Geschichten über Notlagen, Investitionen oder gemeinsame Zukunftspläne.

Was Love-Scam bedeutet

Die Masche ist nicht neu, der konkrete Fall in Wien fällt jedoch durch die Höhe des Schadens auf. Mehr als 790.000 Euro, die ein einzelnes Opfer innerhalb von rund zwei Jahren überwiesen haben soll, liegen deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Fälle. Die Polizei macht keine Angaben dazu, ob das Geld zurückgeholt werden kann.

Die Ermittlungen gegen die 30-Jährige dauern an. Die Staatsanwaltschaft wird auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse über die weitere Vorgehensweise entscheiden. Die Frau ist nach ihrer Festnahme in eine Justizanstalt überstellt worden, ein Termin für eine allfällige Hauptverhandlung steht noch nicht fest.

Warum Opfer so lange zahlen

Opfer von Love-Scam erstatten häufig erst dann Anzeige, wenn sie bereits hohe Summen überwiesen haben. Die Hemmschwelle ist laut Kriminalisten besonders hoch, weil die Betroffenen sich schämen und die Täuschung lange nicht wahrhaben wollen. Auch im aktuellen Wiener Fall hatte der 62-Jährige offenbar über einen längeren Zeitraum gezahlt, bevor die Ermittlungen ins Rollen kamen.

Die Wiener Polizei verweist in diesem Zusammenhang auf bestehende Beratungsangebote. Betroffene können sich unter anderem an die Kriminalpolizeiliche Beratung wenden, die kostenlos und anonym über Risiken im Internet und über mögliche erste Schritte nach einem Betrugsfall informiert. Auch die Abhilfestelle des Bundesministeriums für Inneres steht als Anlaufstelle zur Verfügung.

Die Festnahme in Wien-Leopoldstadt reiht sich in eine Reihe von Ermittlungserfolgen gegen mutmaßliche Online-Betrüger ein, die in den vergangenen Monaten in Österreich bekannt geworden sind. Die Behörden betonen, dass grenzüberschreitende Ermittlungen in solchen Fällen besonders aufwendig seien, weil Täter häufig aus dem Ausland agieren oder zumindest vorgeben, im Ausland zu leben.

Mögliche Strafen und Ermittlungen

Im aktuellen Fall handelt es sich bei der Verdächtigen um eine rumänische Staatsangehörige. Ob die Frau tatsächlich aus Rumänien heraus operierte oder von Österreich aus handelte, ist Teil der laufenden Ermittlungen. Die Polizei schließt nicht aus, dass weitere Geschädigte ermittelt werden.

Die Höhe des Schadens macht den Fall auch für die Justiz relevant. Bei einem Betrugsschaden von mehr als 790.000 Euro drohen der Beschuldigten im Falle einer Verurteilung empfindliche Strafen. Der Strafrahmen reicht – je nach Auslegung der besonders schweren Fälle – bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.

Für die Ermittler ist der Fall zudem ein Beispiel dafür, wie wichtig Hinweise aus dem Umfeld von Betroffenen sind. Angehörige und Freunde, die ungewöhnliche Überweisungen bemerken, sollten sich laut Empfehlung der Polizei direkt an die nächste Dienststelle wenden. Auch Banken sind angehalten, bei untypischen Transaktionen nachzufragen.

Tipps der Polizei zur Prävention

Die Wiener Polizei kündigte an, die Öffentlichkeit weiter über die Maschen von Love-Scammerinnen und Love-Scammern zu informieren. Prävention sei ein zentraler Baustein, um künftige Opfer zu schützen. Dazu gehöre auch, im Internet keine persönlichen Daten oder finanziellen Informationen an Unbekannte weiterzugeben.

Der Fall zeigt exemplarisch, wie professionell und geduldig Täter vorgehen. Über Monate hinweg wird eine emotionale Abhängigkeit aufgebaut, bevor finanzielle Forderungen gestellt werden. Die Polizei rät, bei Online-Bekanntschaften, die schnell sehr persönlich werden und bald Geldforderungen nach sich ziehen, besonders vorsichtig zu sein.

Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt für die 30-Jährige die Unschuldsvermutung. Die Behörden betonen, dass die Festnahme auf Grundlage umfangreicher Ermittlungen erfolgt sei und nun die weitere juristische Aufarbeitung des Falls bevorstehe.