Wiener Start-up Eustella bringt europäische KI-App als ChatGPT-Alternative auf den Markt
Wien, 25. Juni 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Das Wiener Start-up Eustella hat eine KI-App veröffentlicht, die als europäische Alternative zu ChatGPT, Gemini und Claude positioniert ist. Nach rund 5.000 Testnutzerinnen und -nutzern ist die Anwendung ab sofort in App-Stores verfügbar; das Unternehmen will bis Jahresende mindestens eine halbe Million Nutzerinnen und Nutzer erreichen.
Das Wiener Start-up Eustella hat am Donnerstag eine KI-App auf den Markt gebracht, die als europäische Alternative zu ChatGPT, Gemini und Claude positioniert ist und auf Servern in Europa unter deutscher Jurisdiktion läuft.
Die App wurde nach Angaben des Unternehmens bereits vor dem offiziellen Launch von rund 5.000 Nutzerinnen und Nutzern getestet und ist ab sofort für iPhone, Android und im Web verfügbar. CEO Matteo Rosoli sprach von einem "Erster Schritt zur Souveränität" und erklärte: "Wir warten nicht darauf, dass Europa digital unabhängig wird. eustella macht es heute möglich." Das Start-up hat seinen Hauptsitz am Hub der AI Factory Austria AI:AT in Wien.
Datenhoheit und technologische Kontrolle bleiben zu 100 % in Europa, wie Rosoli betonte. "Nutzerdaten werden niemals für das Training von KI-Modellen verwendet", heißt es in der Unternehmensmitteilung. Als Cloud-Infrastruktur dient IONOS CLOUD, das nach eigenen Angaben mit Hauptsitz in Deutschland alle Dienste unter deutscher Jurisdiktion betreibt. Server stehen unter anderem in Berlin und Frankfurt. Damit will Eustella verhindern, dass europäische Daten über den US CLOUD Act in US-Hoheit geraten, wie der Gründer ausführt.
Souveränität als Kernversprechen
Unter den Modellen, die in Wien weiterentwickelt und feinjustiert werden, finden sich Gemma 4 von Google, Qwen 3.5/3.7 von Alibaba, gpt-oss-120b von OpenAI, Mistral von Mistral AI sowie Flux von Black Forest Labs für die Bildgenerierung. Damit nutzt Eustella einerseits europäische Modelle, setzt aber auch auf offene Modelle, die in den USA oder China trainiert wurden. Rosoli räumte ein: "Aber wir haben derzeit noch nicht so große performante eigene Modelle." An ähnlichen Agenten-Lösungen arbeitet die Branche längst auch bei Meta und OpenAI.
Funktional reicht das Angebot von Internet-Recherchen über Reiseplanung, Nachrichten, Bildgenerierung und Präsentationen bis hin zu Projektmanagement, Gruppenchats und einer "Memory"-Funktion, die Vorlieben und Inhalte der Nutzerinnen und Nutzer speichert. Auch eigene KI-Agenten lassen sich erstellen. Mittelfristig plant Eustella, diese Agenten so zu erweitern, dass sie selbstständig Transaktionen ausführen können, etwa Flüge oder Hotels buchen oder Produkte in Online-Shops bestellen.
Datenpartner aus Österreich
Bei den Datenpartnern kooperiert Eustella mit dem österreichischen Krypto-Unternehmen Bitpanda, das Echtzeit-Bitcoin-Preise liefert, sowie mit der Preisvergleichsplattform Geizhals. "Mit Bitpanda als Datenquelle können Nutzerinnen und Nutzer über eustella aktuelle Krypto-Preise in Echtzeit abrufen", sagt Christian Trummer, Chief Scientist und Mitgründer von Bitpanda. Markus Nigl, Vorstand von Geizhals, sieht in der Kooperation den Auftakt für Agentic Commerce: "Unsere über viele Jahre gewachsene Preis- und Produktdatenbank macht aus jeder Empfehlung eine fundierte, nachvollziehbare Entscheidung."
Bei der Preisgestaltung positioniert sich Eustella deutlich unter den US-Wettbewerbern: Ein Abo startet bei 5,99 Euro pro Monat, eine kostenlose Basismitgliedschaft steht ebenfalls zur Verfügung. Zum Vergleich nennt das Unternehmen OpenAI ab 7,99 Euro und Anthropic ab 20 Euro monatlich. "Unsere Lösung soll besser und günstiger sein und sie soll auch mehr Spaß machen", so Rosoli. "Es gibt einen Markt für Souveränität und Datenschutz."
Preis und politischer Rückhalt
Politische Unterstützung erhielt das Projekt aus Wien von Alexander Pröll, österreichischer Staatssekretär für Digitalisierung: "Mit eustella zeigt sich, dass digitale Souveränität in Europa kein Schlagwort bleibt, sondern Realität wird." Markus Stöhr, Co-Lead der AI Factory Austria AI:AT, erklärte, eustella zeige "sehr konkret, wie aus europäischer KI-Kompetenz ein marktfähiges Produkt entsteht".
Geopolitischer Hintergrund
Hintergrund der Initiative ist auch die geopolitische Lage: Als der US-KI-Anbieter Anthropic vor zwei Wochen auf Geheiß der US-Regierung den Zugang zu seinen besten Modellen für Nicht-US-Nutzer sperren musste, habe dies die Abhängigkeit Europas drastisch verdeutlicht, heißt es in der Mitteilung. Laut den zitierten Marktdaten gibt es in Europa mehr als 130 Millionen KI-Nutzerinnen und -Nutzer, von denen zwei Drittel europäische Angebote bevorzugen würden.
Eustella gehört zum Unternehmen AI Newsrooms Technology, das auch das Tech- und Start-up-Medium Trending Topics betreibt und KI-Lösungen für Redaktionen anbietet. Zu den Eigentümern zählen die Compass Group, die Gründer sowie der österreichische Investor Hansi Hansmann. Rosoli sieht das Produkt international aufgestellt: "Wir haben Nutzerinnen und Nutzer von Zypern bis Portugal", die meisten davon kommen aktuell aus Österreich und Deutschland, getestet wurde auch in der Schweiz, in Skandinavien und Großbritannien.
Fragen & Antworten
Was unterscheidet Eustella von ChatGPT und anderen US-KI-Diensten?
Eustella verarbeitet Daten ausschließlich auf Servern des deutschen Anbieters IONOS CLOUD in Berlin, Frankfurt und weiteren europäischen Städten und nutzt Nutzerdaten nach eigenen Angaben niemals zum Training von KI-Modellen. CEO Matteo Rosoli spricht daher von einem ersten Schritt zu europäischer digitaler Souveränität.
Wer steht hinter dem Wiener Start-up Eustella?
Hinter Eustella steht das Unternehmen AI Newsrooms Technology, das auch das Online-Medium Trending Topics betreibt; zu den Eigentümern gehören die Compass Group, die Gründer sowie der österreichische Investor Hansi Hansmann. Geleitet wird das Start-up von CEO Matteo Rosoli.
Welche Ziele verfolgt Eustella bis Ende 2026?
Rosoli gibt das Ziel aus, bis Jahresende mindestens eine halbe Million Nutzerinnen und Nutzer zu erreichen, eine Million wäre das bessere Ergebnis. Mittelfristig sollen die KI-Agenten eigenständig Transaktionen wie Flug- oder Hotelbuchungen ausführen können.
Eustella: Wiener KI-Start-up startet europäische | nachrichten360