Ein junger Wal, der seit fast einem Monat in flachen Gewässern vor der Insel Poel bei Wismar strandet, könnte noch in dieser Woche gerettet und in tiefere Gewässer transportiert werden. Das Tier, von den Medien "Timmy" getauft, wurde erstmals am 3. März in der Ostsee gesichtet und hat seitdem mehr als die Hälfte der vergangenen 50 Tage in seichten Bereichen verbracht.
Rettungsaktion vorbereitet
Ein spezielles Team hat einen 100 Meter langen Kanal angelegt, um den Wal zu einer Transportschleuse zu führen. Die Schleuse soll den Wal aufnehmen, der anschließend von einem Schleppboot namens "Hans" in die Nordsee gebracht werden soll – eine Strecke von über 400 Kilometern.
Die Schleuse traf am Montag in Kiel ein und wird vor dem Einsatz noch in Wismar technisch vorbereitet. Der Transport könnte bereits am Dienstag beginnen, sofern der Wasserstand es zulässt. Der Wal, der auf vier bis sechs Jahre geschätzt wird, zeigt Anzeichen von Erschöpfung oder Krankheit, was seinen langen Aufenthalt im flachen Wasser erklären könnte.
Politische Unterstützung
Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, besuchte den Wal am Sonntag und äußerte sich zuversichtlich über die Rettungsaktion. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte Backhaus. Seine Anwesenheit unterstreicht die Bedeutung, die die Landesregierung der Rettung des Tieres beimisst.
Die geplante Aktion ist technisch anspruchsvoll und erfordert präzise Koordination zwischen den beteiligten Teams. Sollte der Transport wie geplant verlaufen, wäre dies einer der seltenen erfolgreichen Rettungsversuche eines gestrandeten Wals in der Region.
Hintergrund und Herausforderungen
Seit seiner ersten Sichtung im März hat Timmy immer wieder flache Küstengewässer aufgesucht, was Experten Sorgen bereitet. Wale dieser Art sind normalerweise in tieferen Gewässern anzutreffen. Der lange Aufenthalt in seichten Bereichen könnte auf gesundheitliche Probleme hindeuten, die jedoch nicht näher spezifiziert wurden.
Die Rettungsteams stehen vor der Herausforderung, das Tier sicher zu bergen, ohne es zusätzlich zu stressen. Die vorbereitete Rinne soll den Wal schonend in die Schleuse leiten, von wo aus der Transport in die Nordsee erfolgen soll. Die Nordsee bietet bessere Lebensbedingungen für den Wal, da sie tiefer und für seine Art besser geeignet ist.
Nächste Schritte
Sobald die technischen Vorbereitungen abgeschlossen sind und die Wetterbedingungen passen, soll der Transport beginnen. Die Schleuse wird von dem Schleppboot "Hans" begleitet, das für den sicheren Transport sorgt. Die genaue Route und weitere Details werden noch finalisiert.
Falls alles nach Plan verläuft, könnte Timmy bereits in den kommenden Tagen wieder in seinem natürlichen Lebensraum sein. Die Aktion wird von Tierschützern und Behörden gleichermaßen aufmerksam verfolgt, da sie als wichtiger Testfall für künftige Rettungsaktionen gelten könnte.

