W Social eröffnet öffentlichen Beta-Test als europäische Alternative zu X
Berlin, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Der Kurznachrichtendienst W Social hat am 17. Juni 2026 seinen öffentlichen Beta-Test gestartet und positioniert sich als europäische Alternative zu X. Das schwedische Start-up setzt auf Ausweis-Verifizierung, Datenspeicherung in der EU und ein Stimmrecht nur für Europäerinnen und Europäer.
Berlin, 17 Juni 2026
Der Kurznachrichtendienst W Social hat am 17. Juni 2026 seine öffentliche Beta-Phase eröffnet und tritt damit als europäische Alternative zum US-Dienst X an.
Das Projekt und seine Macherinnen
Hinter W Social steht nach Angaben des Unternehmens ein schwedisches Start-up, das bereits am 9. Mai in den geschlossenen Beta-Betrieb gestartet war. Geleitet wird das Projekt von der promovierten Juristin Anna Zeiter, selbst Schweizerin und früher bei der Händlerplattform eBay für Datenschutz zuständig. Zeiter erklärte dem Schweizer Nachrichtenportal Blick, dass man 18 Jahre alt sein müsse, um auf W Social zu posten. Gearbeitet wird inzwischen auch in Berlin und Paris; mit an Bord sind nach Unternehmensangaben ein schwedisches Medienunternehmen als größter Geldgeber sowie Leute aus dem Umfeld von Spotify und Ericsson, dazu frühere schwedische Minister.
Technisch setzt das Netzwerk auf dasselbe offene AT-Protokoll wie Bluesky – man kann also von Anfang an mit dessen rund 40 Millionen Nutzern kommunizieren. Allerdings handelt es sich bei W Social lediglich um einen sogenannten PDS, einen Personal Data Server, der die Daten der Nutzerinnen und Nutzer vorhält, nicht aber die Inhalte von Bluesky selbst. Anders als Bluesky, Eurosky und Mastodon ist W Social nicht Open Source.
Verifizierung und Datenschutz als Kernversprechen
Als großes Unterscheidungsmerkmal sieht das Unternehmen die Verifizierung aller Konten. Die Verifizierung erfolgt demnach über einen Pass und ein kurzes Video, konkret über den Chip im Ausweis. Entscheidend: Die Daten bleiben auf dem eigenen Gerät, W Social will sie gar nicht erst speichern. Auftreten kann man trotzdem anonym, mit Spitznamen statt Klarnamen. Die Server stehen ausnahmslos in Europa, bei einem finnischen Anbieter; es gilt also europäisches Recht und europäischer Datenschutz. Zum Einstieg sollen Leute mit dem Versprechen bewegt werden, dass die gespeicherten Daten in der EU liegen.
Politisch gibt sich das Start-up klar europäisch. "Europa muss unabhängiger werden", sagte Zeiter. Stimmrecht beim Investieren sollen nach bislang bekannten Informationen ausschließlich Europäerinnen und Europäer bekommen. So wolle man verhindern, dass am Ende doch ein US- oder China-Konzern die Plattform aufkauft. Der Buchstabe W im Namen steht laut Gründerin für "We" und ist grafisch aus zwei V zusammengesetzt, die für "Values" und "Verified" stehen. Dass das W im Alphabet direkt vor X steht, ist laut Zeiter ebenfalls kein Zufall.
Politische Ausrichtung und Werbung um Konservative
Vorgestellt wurde das privat finanzierte Start-up bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto "Made in Europe for the World". Vor dem öffentlichen Start gab es nach eigenen Angaben Anfragen aus mehr als 180 Ländern; den Start des öffentlichen Beta-Tests bewarb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Zeiter spricht demnach gezielt konservative Medien und Politiker an, um sie zu einer Anmeldung zu bewegen – ohne die würde W Social "genauso langweilig wie Bluesky".
Die Plattform verfolgt klare Moderationsregeln: Pornografie soll tabu sein, die genauen Regeln will man gemeinsam mit der Community erarbeiten, unterstützt von KI-Filtern. "Blocklisten, mit denen sich Bluesky-Nutzer ganze politische Lager wegfiltern, werde es nicht geben", kündigte das Unternehmen an. Mit W Social soll anfangs kein Geld verdient werden, ab 2027 sollen Werbung ohne Auswertung sensibler Daten und Mikrozahlungen für Nachrichtenartikel hinter einer Paywall Einnahmen generieren.
Abgrenzung zu Bluesky, Mastodon und Eurosky
Hintergrund des Vorstoßes ist die Unzufriedenheit vieler Nutzerinnen und Nutzer mit X. Seit Elon Musk Twitter gekauft und in X umgetauft hat, kehren viele Menschen dem Dienst den Rücken – auch viele Politiker. Als Musk öffentlich gegen die EU wetterte, zog das Team seinen Zeitplan vor. W Social versteht sich ausdrücklich als Konkurrenz zu X und ist nicht zu verwechseln mit Eurosky, einem ähnlichen Projekt, das von einer gemeinnützigen Organisation aus den Niederlanden entwickelt wird und auf Bluesky-Technologie basiert.
Eurosky ist inzwischen der zweitgrößte an Bluesky angeschlossene Personal Data Server, übertroffen nur noch vom Brückendienst zum Fediverse, zu dem auch Mastodon gehört. Insgesamt wurden inzwischen fast 20.000 Konten auf Eurosky angelegt oder von Bluesky umgezogen. Eurosky bietet mit regelmäßigen Updates und einem inzwischen über Bluesky hinausgehenden Funktionsumfang ebenfalls eine Alternative zu den großen Tech-Firmen und hat erst vor wenigen Tagen eine eigene Social-Media-App namens mu vorgestellt, die für eine deutlichere Abgrenzung zu Bluesky sorgen soll.
Kritik und offene Fragen
W Social kommt zum Ende der geschlossenen Beta auf deutlich weniger Konten als Eurosky. Für Ärger sorgte W Social zudem mit einer Grafik, die die großen sozialen Netzwerke auf einer Weltkarte zeigen soll und auf der Europa leer ist. Zwischenzeitlich fehlte sogar das Impressum auf der Website. Auch wurde in der Berichterstattung darauf hingewiesen, dass es mit Mastodon bereits einen etablierten Dienst aus Deutschland gibt, der Teil des viel größeren Netzwerks Fediverse ist.
Das hartnäckige Gerücht, W Social bekomme 500 Millionen Euro von der EU, stimmt übrigens nicht – die Gründerin nennt es selbst Desinformation. Nach dem Umzug auf W Social liegen alle Beiträge, Einstellungen und persönlichen Daten auf dem Server des Dienstes. Die Teilnahme an der öffentlichen Beta ist ab Mittwoch um 16 Uhr möglich.
Damit positioniert sich W Social in einem wachsenden Feld europäischer Alternativen zu den dominierenden US-Plattformen. Während Bluesky, Mastodon und Eurosky auf Open-Source-Software und föderierte Strukturen setzen, versucht W Social, mit strenger Verifizierung, europäischer Datenhoheit und einem klar politisch-europäischen Profil zu punkten – und muss dabei nun zeigen, ob das Geschäftsmodell ab 2027 mit Werbung und Mikrozahlungen trägt.
Fragen & Antworten
Wer ist Anna Zeiter?
Anna Zeiter ist die Geschäftsführerin des schwedischen Start-ups W Social. Die promovierte Juristin aus der Schweiz war zuvor bei eBay für Datenschutz zuständig.
Was unterscheidet W Social von Bluesky und Mastodon?
W Social setzt im Gegensatz zu Bluesky, Mastodon und Eurosky auf eine Ausweis-Verifizierung aller Konten und ist nicht Open Source. Die Daten werden ausschließlich auf europäischen Servern eines finnischen Anbieters gespeichert.
Wie will sich W Social finanzieren?
Zunächst nimmt das Start-up kein Geld ein; ab 2027 sollen Werbung ohne Auswertung sensibler Daten sowie Mikrozahlungen für einzelne Nachrichtenartikel hinter einer Paywall Einnahmen generieren.
W Social: Europäische X-Alternative startet Beta | nachrichten360