Villacher Kirchtag: Stadt präsentiert neues Sicherheitskonzept für 81. Auflage
Villach, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Stadt Villach hat zwei Wochen vor dem 81. Villacher Kirchtag ein umfassend überarbeitetes Sicherheitskonzept vorgestellt. Es sieht eine dauerhaft besetzte Einsatzzentrale, Videoüberwachung zur Steuerung der Besucherströme und strengere Brandschutzvorgaben vor.
Die Stadt Villach hat am Freitag zwei Wochen vor dem 81. Villacher Kirchtag ein neues, umfassend überarbeitetes Sicherheitskonzept für das Brauchtumsfest vorgestellt, das unter anderem eine dauerhaft besetzte Einsatzzentrale, Videoüberwachung und verschärfte Brandschutzmaßnahmen umfasst.
Vom alten Konzept zum neuen Sicherheitsrahmen
Das Sicherheitskonzept, das bisher aus dem Jahr 2015 stammte, wurde nach Angaben der Veranstalter in einem mehrmonatigen Prozess an den aktuellen Stand der Technik angepasst. Wie die Stadt Villach am Freitag bei einer Pressekonferenz mitteilte, wurden dafür 220.000 Euro bewilligt. Vizebürgermeisterin und Kirchtagsobfrau Gerda Sandriesser (SPÖ) sprach von einem modernen, vorausschauenden Konzept, das eng mit Einsatzorganisationen abgestimmt sei: „Der Villacher Kirchtag steht für Tradition, Lebensfreude und Begegnung. Damit sich alle Besucher wohl und sicher fühlen, investieren wir in ein Sicherheitskonzept, das modern, vorausschauend und eng mit Einsatzorganisationen abgestimmt ist. Uns ist wichtig: Sicherheit soll präsent sein, ohne die Stimmung zu beeinträchtigen. Klare Abläufe, gute Information und ein starkes Team im Hintergrund sind dafür entscheidend."
Mit der Ausarbeitung des Konzepts wurde der Sicherheitsexperte Herbert Wagner beauftragt, der bereits das Sicherheitskonzept für den Eurovision Song Contest und das Donauinselfest in Wien entwickelt hat. Wagner erklärte die Grundidee des Konzepts: „Sicherheit bei Großveranstaltungen heißt: Risiken früh erkennen, Besucherströme aktiv managen und im Ereignisfall in Sekunden klar entscheiden. Der Villacher Kirchtag bekommt dafür eine Struktur, die Prävention und rasche Einsatzführung optimal verbindet. Ein dauerhaft besetzter Einsatz-Stab, die gezielte Lagebeobachtung und klare Regeln – etwa beim Fahrzeugverkehr und bei Fluchtwegen – sind zentrale Bausteine, um ein Fest dieser Größe sicher und gleichzeitig angenehm erlebbar zu machen."
Einsatzzentrale und Videoüberwachung
Kern des Konzepts ist ein ständig besetzter Einsatz-Stab am Hans-Gasser-Platz, in dem Blaulichtorganisationen und Behörden eng zusammenarbeiten. Von dort aus soll die Lage am Festgelände laufend beobachtet und im Notfall rasch reagiert werden können. Wagner betonte zugleich die Grenzen solcher Planungen: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber wir wollen für die bestmögliche Sicherheit sorgen."
Zur Steuerung der Besucherströme wird während des Kirchtags eine Live-Videoüberwachung eingesetzt. „Man sieht von der Zentrale aus Stauungen oder enge Räume und kann dann sofort Sicherheitspersonal hinschicken, um das zu entschärfen“, erläuterte Wagner. Die Videoüberwachung ergänze das laufende Lagebild am Gelände und ermögliche es, Sicherheitskräfte gezielt dorthin zu lenken, wo sie benötigt werden.
Beleuchtung, Fahrverbot und AT-Alert
Zusätzlich zu diesen organisatorischen Maßnahmen wurden bauliche und technische Vorkehrungen getroffen. So ist eine flächendeckende Sicherheitsbeleuchtung vorgesehen, die im Falle eines Stromausfalls von einer netzunabhängigen Stromversorgung aufrechterhalten werden kann. Damit soll die Orientierung auf dem Festgelände auch bei technischen Störungen gewährleistet bleiben.
Auf dem Veranstaltungsgelände gilt zudem – ähnlich wie im Vorjahr – ein striktes Fahrverbot ab 16 Uhr, um potenzielle Gefährdungen durch Kraftfahrzeuge zu minimieren. Mit AT-Alert steht überdies ein zusätzliches Instrument zur Verfügung, um bei Unwetter- oder Hagelwarnungen rasch und flächendeckend am Gelände zu informieren. Die Warnungen sollen die bisherigen Durchsagen vor Ort ergänzen.
Brandschutz im Fokus
Großen Raum nimmt im neuen Konzept der Brandschutz ein. Wagner verwies auf die Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Schweiz, bei der 41 Menschen ums Leben kamen, und sagte: „Wenn etwas passiert, sind wir natürlich hellwach. Grundsätzlich gibt es ja jetzt keine neuen gesetzlichen Bestimmungen zum Brandschutz, aber es achtet nun jeder ganz genau auf die bestehenden Regelungen und darauf, dass diese auch umfassend kontrolliert werden." Konkret werde konsequent auf die Vermeidung von Lagerungen geachtet – etwa von Paletten, Kartons oder ähnlichen Materialien.
In den Festzelten werden Flucht- und Verkehrswege, Notausgänge sowie Fluchtwegs-Kennzeichnungen konsequent kontrolliert. Dekorationsmaterialien müssen zur Risikominimierung definierte Eigenschaften erfüllen, insbesondere schwer brennbar, schwach rauchend und nicht tropfend sein. Auch die beliebten „Kirchtagsherzen", die für das Fest aufgehängt werden, sind nach Angaben der Organisatoren als schwer entflammbar zertifiziert.
Polizeiliche Präsenz aus ganz Kärnten
Für die polizeiliche Absicherung sind an stark frequentierten Wochenenden bis zu 100 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, teils uniformiert, teils in Zivil. Die Kräfte werden nach Bedarf aus ganz Kärnten zusammengezogen. Damit soll die sichtbare Präsenz ebenso gewährleistet sein wie die verdeckte Beobachtung.
Sandriesser betonte, dass die bewilligten Mittel nicht nur für den aktuellen Kirchtag verwendet werden: „Wie viel davon benötigt wird, werden wir sehen. Aber mit diesem Geld werden auch Anschaffungen getätigt, die in den kommenden Jahren zum Einsatz kommen." Die Stadt investiere damit langfristig in die Sicherheit des Brauchtumsfestes.
Investitionen mit Langfristwirkung
Die Veranstalter bezeichnen den Villacher Kirchtag als eines der größten Brauchtumsfeste Österreichs. „Für die 81. Auflage eines der größten Brauchtumsfeste Österreichs" sei das überarbeitete Konzept entwickelt worden, hieß es. Mit dem umfassenden Maßnahmenpaket wolle man den Erwartungen der Besucherinnen und Besucher an ein sicheres, zugleich stimmungsvolles Fest gerecht werden.
Wagner unterstrich, dass das neue Konzept auf einer umfassenden Risikoanalyse basiere und in Zusammenarbeit mit Behörden und Einsatzorganisationen entstanden sei. Es verbinde präventive Maßnahmen mit klaren Abläufen für den Ereignisfall. Ziel sei es, Risiken frühzeitig zu erkennen und im Ernstfall innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen treffen zu können.
Qualitätszone und Besuchererlebnis
Auch im Bereich des Glasverbots gibt es im Vergleich zu den Vorjahren keine grundlegende Änderung: In der sogenannten Qualitätszone rund um den Hauptplatz, den Rathausplatz, den Standesamtsplatz sowie den Oberen und Unteren Kirchenplatz bleibt die Verwendung von Glasbehältnissen erlaubt. Damit sollen die gastronomische Vielfalt und die Aufenthaltsqualität in diesem Bereich erhalten bleiben, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen.
Insgesamt soll das Konzept nach dem Willen der Veranstalter Sicherheit sichtbar machen, ohne den Charakter des Festes zu verändern. Die Stadt setze dabei auf klare Regeln, gute Information der Besucherinnen und Besucher und ein starkes Team im Hintergrund, so Sandriesser.
Der 81. Villacher Kirchtag ist die jüngste Auflage des traditionsreichen Brauchtumsfestes, das alljährlich zehntausende Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt von Villach zieht. Mit dem überarbeiteten Sicherheitskonzept reagiert die Stadt zugleich auf veränderte Sicherheitslagen bei Großveranstaltungen in Europa und auf die Erfahrungen aus vergleichbaren Großereignissen, an denen Wagner in der Vergangenheit mitgewirkt hat.
Fragen & Antworten
Wer ist Herbert Wagner und welche Rolle spielt er beim Villacher Kirchtag?
Herbert Wagner ist Sicherheitsexperte und wurde mit der Überarbeitung des Sicherheitskonzepts für den 81. Villacher Kirchtag beauftragt. Er hat bereits Sicherheitskonzepte für den Eurovision Song Contest und das Donauinselfest in Wien entwickelt.
Welche neuen Maßnahmen umfasst das Sicherheitskonzept 2025/2026?
Das Konzept sieht eine dauerhaft besetzte Einsatzzentrale am Hans-Gasser-Platz, Live-Videoüberwachung zur Steuerung der Besucherströme, eine flächendeckende Sicherheitsbeleuchtung mit Notstromversorgung sowie verschärfte Brandschutzvorgaben vor.
Wie viel Geld investiert die Stadt Villach in die neue Sicherheitsarchitektur?
Für die Entwicklung des Sicherheitskonzepts und damit verbundene Maßnahmen wurden nach Angaben von Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser 220.000 Euro bewilligt, die auch Anschaffungen für die kommenden Jahre umfassen.