Vierjährige in Sachsen-Anhalt von American Staffordshire Terrier getötet – Obduktion und Ermittlungen
Osternienburger Land, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Ein vierjähriges Mädchen ist in Drosa im Osternienburger Land in Sachsen-Anhalt von einem American Staffordshire Terrier tödlich verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt gegen die 32-jährige Mutter und einen 30-jährigen Bekannten wegen fahrlässiger Tötung; das Kind soll am Tag der Berichterstattung in Halle obduziert werden.
Ein vierjähriges Mädchen ist am Mittwochnachmittag im Osternienburger Land in Sachsen-Anhalt beim Spielen von einem American Staffordshire Terrier mehrfach gebissen und so schwer verletzt worden, dass jede Hilfe zu spät kam.
Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Ermittler in der Ortschaft Drosa. Mehrere Personen hatten versucht, Hund und Kind zu trennen, jedoch vergeblich. „Die Vierjährige war nach Ermittlerangaben am Mittwochnachmittag von dem American Staffordshire Terrier beim Spielen angegriffen und mehrfach gebissen worden", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Für das Kind kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Kind in Sachsen-Anhalt von Hund getötet – Ermittlungen | nachrichten360
Nach dem Angriff hatten Polizei und die Staatsanwaltschaft in Dessau-Roßlau die Ermittlungen aufgenommen. Gegen die 32-jährige Mutter und einen 30 Jahre alten Bekannten der Familie wird demnach wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Einem 30 Jahre alten Bekannten der Familie wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Einzelheiten zur Rolle der Beschuldigten im Tatzeitraum nannten die Behörden zunächst nicht.
Ermittlungen und Beschuldigte
Das getötete Kind soll am Tag der Berichterstattung in Halle obduziert werden, um die genaue Todesursache festzustellen. Ein Sprecher der Polizei bestätigte entsprechende Pläne. Der Hund wurde nach dem Vorfall in die Tierpension Staßfurt gebracht, wie eine Sprecherin der Ordnungsbehörde Osternienburger Land mitteilte. Wie weiter mit dem Hund verfahren werde, sei abhängig von den polizeilichen Ermittlungen.
In Sachsen-Anhalt gilt der American Staffordshire Terrier nach dem Hundegesetz als gefährliche Rasse. Dort zählen unter anderem Pitbull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bull Terrier sowie Kreuzungen dieser Rassen zu den sogenannten Listenhunden. Für Halter gelten besondere Pflichten: Die Tiere müssen mit einem Mikrochip oder Transponder gekennzeichnet und im zentralen Hundegister des Landes registriert sein. Zudem ist eine Hundehaftpflichtversicherung abzuschließen, und innerhalb von sechs Monaten nach Erwerb ist ein amtlich anerkannter Wesenstest zu absolvieren.
Rechtliche Lage in Sachsen-Anhalt
Unabhängig von einem bestandenen Wesenstest gilt in Sachsen-Anhalt ein Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot für alle Listenhunde. Wird ein Hund von den Behörden als gefährlich eingestuft, drohen zusätzliche Auflagen wie eine Haltungsgenehmigung, Leinen- und Maulkorbzwang. Seit 2016 ist die Gefährlichkeit eines Hundes in Sachsen-Anhalt nur noch dann amtlich festzustellen, wenn er ohne Provokation gebissen und dabei mehr als geringfügige Verletzungen verursacht hat oder wenn er einen anderen Hund trotz dessen deutlich unterwürfigem Verhalten gebissen und ebenfalls mehr als geringfügig verletzt hat.
Der Deutsche Tierschutzbund betont, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe, dass bestimmte Hunderassen grundsätzlich gefährlich seien. Gleichzeitig verweist die Tierrechtsorganisation Peta auf den aktuellen Fall und fordert eine bundesweite Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins. Peter Höffken, Fachberater bei Peta, sagte: „Auf traurige Weise macht dieser Fall einmal mehr deutlich, wie wichtig fundiertes Wissen über einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Vierbeiner ist."
Forderungen nach einem Hundeführerschein
Hundetrainerin Karin Lammert aus Wasserleben sieht den Fall ebenfalls als Warnsignal. „Der größte Fehler sei, Hunde nicht als Hunde, sondern als Familienmitglied zu behandeln", sagte sie. Zudem betonte sie, dass Kinder niemals allein mit Hunden gelassen werden sollten. „Wenn der Hund bei dem Kind ist und zubeißt, habe ich keine Chance mehr. Null Chance."
In Sachsen-Anhalt gibt es bislang keinen allgemeinen Hundeführerschein. Eine bundesweite Regelung zur Haltung von Kampfhunden oder als gefährlich eingestuften Tieren gibt es nicht, stattdessen listen die einzelnen Bundesländer die betroffenen Rassen individuell. Das Innenministerium in Sachsen-Anhalt will den Vorfall nach eigenen Angaben „umfassend prüfen und auswerten". Auf eine MDR-Anfrage hatte das Ministerium zuvor die Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins für alle Rassen mit der Begründung abgelehnt, es gebe keine Belege dafür, dass dies Beißvorfälle reduzieren würde.
In den Beißstatistiken Sachsen-Anhalts tauchen neben American Staffordshire Terriern auch Rottweiler und andere kräftige Rassen regelmäßig auf. Schäferhunde und deren Kreuzungen sind besonders häufig vertreten. Die Zahl der registrierten Hundebisse gegen Menschen in Sachsen-Anhalt ist laut Statistik in den vergangenen Jahren weitgehend stabil und überwiegend auf niedrigem Niveau geblieben.
Statistiken und bundesweiter Vergleich
Nutzer von MDR SACHSEN-ANHALT fordern in den sozialen Netzwerken die generelle Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins in Deutschland. Das von Peta vorgeschlagene Modell sieht vor, dass angehende Halter vor der Anschaffung eines Hundes einen Theoriekurs zu artgerechter Haltung, Kommunikation und Hundebedürfnissen absolvieren und anschließend ein Praxisseminar in einer Hundeschule besuchen.
Fast alle Bundesländer verlangen von Haltern gefährlicher Hunde einen Sachkundenachweis sowie einen Wesenstest für die Tiere. Welche Rassen als gefährlich gelten, listen die einzelnen Bundesländer auf. Der Originalartikel wurde am 09.07.2026 von dpa und MDR (Daniel George, David Wünschel) veröffentlicht.
Die Behörden kündigten an, die Ermittlungen mit Blick auf mögliche Verstöße gegen das Hundegesetz Sachsen-Anhalt und das Tierschutzrecht fortzusetzen. Zugleich verwiesen sie darauf, dass das weitere Schicksal des Tieres vom Ausgang der polizeilichen Ermittlungen abhängt. Wann mit ersten Ermittlungsergebnissen zu rechnen ist, blieb zunächst offen.
Fragen & Antworten
Was ist im Osternienburger Land passiert?
Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft wurde ein vierjähriges Mädchen am Mittwochnachmittag in Drosa von einem American Staffordshire Terrier mehrfach gebissen; jede Hilfe kam zu spät, das Kind starb.
Gegen wen wird ermittelt?
Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt gegen die 32-jährige Mutter des Kindes und einen 30-jährigen Bekannten der Familie wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.
Wie ist die rechtliche Lage für Listenhunde in Sachsen-Anhalt?
Der American Staffordshire Terrier gilt dort als gefährliche Rasse; Halter müssen Chip, Registrierung, Haftpflicht und Wesenstest nachweisen, zudem gilt ein Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot für Listenhunde.