Vermisster Tiroler nach mehr als einem Jahr tot aufgefunden – Polizei geht von Unfall aus
Stumm, 16. Juli 2026
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Kurzfassung
Mehr als ein Jahr nach seinem Verschwinden ist ein 23-jähriger Tiroler im Zillertal tot aufgefunden worden. Eine Spaziergängerin entdeckte Knochen nahe der Märzenklamm; die Polizei geht von einem Unfall aus.
Die sterblichen Überreste eines seit Ende April 2025 vermissten 23-jährigen Tirolers sind am 23. Juni 2026 im Gemeindegebiet von Stumm im Zillertal von einer deutschen Spaziergängerin entdeckt worden, wie die Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach der APA bestätigte.
Was bislang bekannt ist
Der Fall hatte die Region über Monate beschäftigt. Der junge Mann galt seit dem 30. April vergangenen Jahres als abgängig. Nun habe man jedenfalls traurige "Gewissheit", sagte Engelbert Eberharter von der Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach am Donnerstag gegenüber der APA. Ein DNA-Abgleich brachte Gewissheit, dass es sich um den Mann handelte.
Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um sterbliche Überreste des abgängigen Österreichers. Nach Behördenangaben handelt es sich um den 23-jährigen Matthias H., einen Einheimischen der Region. Die sterblichen Überreste eines seit Ende April 2025 vermissten 23-jährigen Tirolers sind am 23. Juni diesen Jahres von einer deutschen Spaziergängerin, die gerade mit ihrem Hund unterwegs war, gefunden worden.
Der Fundort liegt rund 118 Meter unterhalb der Einmündung des Märzenbachs in den Ziller. Die Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach geht nach derzeitigem Stand der Ermittlungen von einem Unfallgeschehen aus: "Aufgrund bisheriger Erkenntnisse kann derzeit von einem Unfallgeschehen ausgegangen werden", teilt die Polizei mit.
Unfall als wahrscheinlichste Ursache
Damit wiederholte die Polizei ihre Feststellung, die bereits im Zuge der Suche nach dem Einheimischen getroffen worden war. Schon damals hatten die Ermittler bei einer Rekonstruktion der Geschehnisse in der Unglücksnacht Hinweise auf einen Unfall gefunden, ohne jedoch den Verbleib des Mannes klären zu können. "Aufgrund bisheriger Erkenntnisse könne man von einem Unfall ausgehen", hieß es damals.
Der 23-Jährige war in der Nacht gegen 2.45 Uhr im Bereich der Märzenklamm unterwegs gewesen. Sein Auto wurde später am Ausgangspunkt der Schlucht, an der Märzenklamm, abgestellt aufgefunden. In den Stunden nach seinem Verschwinden wurde die Region weiträumig abgesucht.
Umfangreiche Suchaktionen an den Folgetagen unter Beteiligung von Feuerwehr, Berg- und Wasserrettung sowie Polizei verliefen aber ohne Ergebnis. Auch Hubschrauber und Suchhunde kamen zum Einsatz, wie aus den Berichten hervorgeht. Die Klamm und ihre Umgebung galten als schwer zugängliches, teils schluchtartiges Gelände.
In den vergangenen mehr als zwölf Monaten sei immer wieder nach dem Vermissten gesucht worden – jedoch erfolglos. Die Einsatzkräfte durchkämmten die Schlucht mehrfach, befragten Anrainer und überprüften Hinweise aus der Bevölkerung. Der Fall geriet zwischenzeitlich etwas in den Hintergrund, ohne dass die Suche gänzlich eingestellt wurde.
Zufallsfund durch Spaziergängerin
Der Zufallsfund gelang nun ausgerechnet einer Spaziergängerin, die mit ihrem Hund im Bereich unterhalb der Einmündung des Märzenbachs in den Ziller unterwegs war. Das Tier blieb an einem Knochen stehen, die Frau verständigte die Polizei. Die Fundstelle liegt am Fuße der Märzenklamm, einem bekannten Wandergebiet im Zillertal.
Nach der Bergung wurde das Fundstück forensisch untersucht. Ein DNA-Abgleich mit Vergleichsmaterial aus dem engsten Umfeld des Vermissten bestätigte die Identität des 23-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck wurde eingebunden, ein Fremdverschulden gilt nach bisherigem Stand der Ermittlungen als unwahrscheinlich.
Engelbert Eberharter von der Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach sagte, die ganz genauen Umstände des Todes würden wohl nie mehr geklärt werden können. Weder der genaue Hergang des Sturzes noch der Zeitpunkt ließen sich nach so langer Zeit zweifelsfrei rekonstruieren. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann in der Dunkelheit in der Schlucht vom Weg abgekommen ist.
Reaktionen aus der Region
Die Nachricht vom Fund löste in der kleinen Gemeinde Stumm Betroffenheit aus. Matthias H. war Einheimischer und kannte die Märzenklamm gut. Vertreter der Region sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Die Familie hatte die Hoffnung auf ein Wiedersehen nie ganz aufgegeben, wie aus dem Umfeld berichtet wurde.
Aus polizeilicher Sicht ist der Fall nun weitgehend abgeschlossen. Ein Abschlussbericht werde erstellt, hieß es aus der Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach. Die Leiche wurde nach der Identifizierung den Angehörigen übergeben. Ein Begräbnis ist nach Angaben aus dem Umfeld in Planung.
Hintergrund: die Märzenklamm
Der Vorfall erinnert an die Gefahren, die auch bekannte Wander- und Schluchtabschnitte in den Alpen bergen können. Nasse Felsen, Dunkelheit und schlechte Wegmarkierungen hatten in der Vergangenheit immer wieder zu folgenschweren Unfällen geführt. Der Zillertaler Tourismusverband weist seit Jahren auf die Risiken von Nachtwanderungen hin.
Die Märzenklamm ist eine rund zwei Kilometer lange Schlucht bei Stumm, die von Touristen vor allem bei Tageslicht besucht wird. Sie gilt als landschaftlich reizvoll, aber auch als anspruchsvoll. Der Märzenbach, der sie durchfließt, mündet in den Ziller, einen Nebenfluss des Inns.
Polizei bedankt sich bei der Finderin
Die Polizei bedankte sich ausdrücklich bei der Spaziergängerin, die den Knochen gefunden und gemeldet hatte. Ihr besonnenes Handeln habe den Angehörigen Gewissheit gebracht und die Ermittlungen einen entscheidenden Schritt vorangebracht.
Der Fall Matthias H. reiht sich in eine Reihe tragischer Unglücke in Tiroler Schluchten ein. Erst im vergangenen Sommer war eine Urlauberin aus den Niederlanden in einer Klamm bei Reutte tödlich verunglückt. Die Sicherheitsbehörden prüfen seit Jahren, wie solche Gebiete besser abgesichert werden können.
Fragen & Antworten
Wer ist der vermisste Mann aus Tirol?
Bei dem Toten handelt es sich um Matthias H., einen 23-jährigen Einheimischen aus der Region Stumm im Tiroler Zillertal. Er galt seit dem 30. April 2025 als vermisst, bis seine sterblichen Überreste am 23. Juni 2026 gefunden wurden.
Wie wurden die Überreste gefunden?
Eine deutsche Spaziergängerin entdeckte die Knochen bei einem Spaziergang mit ihrem Hund im Gemeindegebiet von Stumm, rund 118 Meter unterhalb der Einmündung des Märzenbachs in den Ziller. Ein DNA-Abgleich bestätigte die Identität des Vermissten.
Was sagt die Polizei zur Todesursache?
Die Polizeiinspektion Ried-Kaltenbach geht aufgrund bisheriger Erkenntnisse von einem Unfallgeschehen aus. Engelbert Eberharter erklärte, die genauen Umstände des Todes würden wohl nie mehr geklärt werden können.
Vermisster Tiroler (23) tot: Knochenfund im Zillertal | nachrichten360