USA halten an Gesprächen mit Iran fest – Chamenei in Maschhad beigesetzt
Washington/Teheran, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA suchen nach eigenen Angaben weiter eine diplomatische Lösung im Konflikt mit Iran, obwohl die jüngsten Angriffe die Spannungen massiv verschärft haben. Zeitgleich wurde der getötete Ajatollah Ali Chamenei in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt. Regionale Vermittler wie Katar und Pakistan versuchen, die Verhandlungen über ein Atomabkommen wiederzubeleben.
Washington/Teheran, 10. Juli 2026
Die Vereinigten Staaten halten trotz der erneuten militärischen Eskalation mit Iran an Gesprächen fest, während der im Februar getötete Ajatollah Ali Chamenei mehr als vier Monate nach seinem Tod in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt worden ist.
Diplomatie unter Druck
Die Lage im Nahen und Mittleren Osten bleibt hochgradig instabil. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) setzen sich die Vereinigten Staaten weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter. Ein US-Regierungsvertreter bekräftigte gegenüber dpa, dass Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe. Damit signalisiert Washington die Bereitschaft zum Dialog, hält aber den militärischen Druck aufrecht.
Parallel dazu laufen diplomatische Vermittlungsbemühungen. Wie das US-Nachrichtenportal „Axios" berichtet, bemühen sich Katar, Pakistan und andere regionale Vermittler darum, die Spannungen abzubauen und die Verhandlungen über ein Atomabkommen wiederzubeleben. Nach Einschätzung der Vermittler hatten beide Konfliktparteien trotz der jüngsten Eskalation in früheren Gesprächsrunden Fortschritte in Richtung eines nuklearen Abkommens erzielt.
Die USA hatten in den vergangenen Tagen mehrere Angriffswellen gegen Ziele im Iran geflogen. Die Angriffe richteten sich nach Angaben des US-Militärs unter anderem gegen Stellungen, die für Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus verantwortlich gemacht wurden. Für diese Vorfälle macht Washington das Regime in Teheran verantwortlich. Der Iran reagierte mit eigenen Angriffen, wie dpa berichtet.
Militärische Eskalation in der Region
Bei den wechselseitigen Angriffen gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss. Die Vorfälle verdeutlichen das Risiko einer Ausweitung des Konflikts auf weitere regionale Akteure. Die Straße von Hormus ist eine der zentralen Schifffahrtsrouten für den globalen Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln.
Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist infolge der wieder aufflammenden Kämpfe deutlich zurückgegangen. Die Unterbrechungen haben die Ölpreise zuletzt spürbar beeinflusst. Wie aus Marktdaten hervorgeht, hat ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent zur Lieferung im August im frühen Handel zuletzt um 0,42 Prozent auf 76,62 Dollar zugelegt. Am Freitag stabilisierten sich die Preise zwischen 76 und 77 US-Dollar, da die Marktteilnehmer die Lage differenziert bewerteten.
Auswirkungen auf den Energiemarkt
Händler achten nun auf Fördermengen und Ausfuhren von Produzenten am Persischen Golf wie Saudi-Arabien, das in Kürze seine monatlichen Lieferzuteilungen an Kunden veröffentlichen will. Zudem rückt der am Freitag erwartete Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) in den Fokus. Warren Patterson, Rohstoffstratege bei der ING Groep in Singapur, sagte gegenüber Bloomberg, Berichte über anhaltende Gespräche zwischen Washington und Teheran würden zudem helfen, den Markt zu beruhigen, da die Diplomatie weiter als bevorzugter Weg gelte. Der Markt scheint die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran eher als Belastung für den Waffenstillstandsprozess denn als vollständigen Zusammenbruch zu sehen.
Beisetzung Chameneis in Maschhad
Mitten in diese fragile Phase fällt die Beisetzung des getöteten Ajatollah Ali Chamenei. Wie iranische Medien übereinstimmend berichten, wurde der frühere iranische Machthaber am Imam-Reza-Schrein in Maschhad im Nordosten Irans in einer privaten Zeremonie beigesetzt – mehr als vier Monate nach seiner Tötung. Trauerfeiern für Chamenei hatten bereits etwa eine Woche lang angedauert. Tausende Trauernde säumten die Straßen der Millionenmetropole, als der Trauerzug an einem Donnerstag stattfand.
Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag des Krieges, bei einem israelischen Luftangriff auf seine offizielle Residenz in Teheran getötet worden. Er hatte das Land jahrzehntelang mit eiserner Hand regiert. Der Krieg hatte Ende Februar mit gemeinsamen Luftschlägen der USA und Israels auf Iran begonnen. Begründet wurde die Militäroperation mit der Behauptung, das Regime in Teheran sei angeblich im Begriff, eine eigene Atombombe zu entwickeln.
Nach der Tötung Chameneis war sein Sohn Mojtaba Chamenei Anfang März zum neuen Obersten Führer ernannt worden. Er hat sich seit Kriegsbeginn nicht mehr öffentlich gezeigt. Nach Informationen von Insidern erlitt der 56-Jährige bei dem Angriff, der seinen Vater tötete, schwere Verletzungen, darunter ein entstelltes Gesicht und Verletzungen an einem oder beiden Beinen. Auch an der Beisetzung des Vaters trat Mojtaba Chamenei nicht öffentlich auf.
Waffenruhe auf der Kippe
Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Israel mit Iran dauerte nach der Tötung Chameneis mehr als fünf Wochen an, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Diese Waffenruhe steht nun erneut auf der Kippe. US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara: „Ich denke, es ist vorbei". Damit stellte er den Waffenstillstand und die Fortführung der Verhandlungen infrage. Trump sagte zugleich: „Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste des Irans".
Zugleich drohte Trump Iran mit noch härteren Angriffen, falls iranische Kräfte weiterhin Schiffe in der Straße von Hormus beschießen sollten. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte am Donnerstag bei einer Militärzeremonie gedroht, neue Angriffe auf Iran könnten mit „noch größerer Härte" als zuvor erfolgen. Israelische Medien hatten zudem berichtet, Israel habe die US-Regierung vor iranischen Plänen gewarnt, Präsident Trump zu ermorden. Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatten in einem Telefongespräch erneut über den Verlauf des Krieges beraten.
Laut einer Erklärung von Netanjahus Büro informierte Trump ihn am Donnerstagabend bei einem Telefongespräch „über das Vorgehen der USA in der Golfregion". Netanyahu hatte zuletzt eine deutlich härtere Linie gegenüber Teheran gefordert und war darüber mit Trump in Konflikt geraten. Die Differenzen zwischen beiden Verbündeten erschweren eine abgestimmte Strategie.
Rahmenabkommen und Kontrolle der Straße von Hormus
Die iranische Militärführung beharrt darauf, im Rahmen einer Vereinbarung die alleinige Verantwortung für die Kontrolle der Straße von Hormus zu tragen. Nach Einschätzung von Vermittlern wurden die jüngsten iranischen Angriffe in der Meerenge von Kräften innerhalb der iranischen Führung initiiert, die das Rahmenabkommen ablehnen und untergraben wollen. Ein US-Vertreter sagte gegenüber dpa, das Verhalten der iranischen Führung stelle einen Verstoß gegen das im Juni erzielte Rahmenabkommen in inakzeptablen Ausmaßes dar.
Das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen sollte eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg für eine dauerhafte Beilegung des Konflikts ebnen. Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus ist ein zentrales Element dieser Vereinbarung. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf der Plattform X, eine Kapitulation sei aus iranischer Sicht „keine realistische Option". Iranische Entscheidungsträger sehen nach seiner Einschätzung weiter Eskalationsmöglichkeiten, darunter die Möglichkeit, den Druck im Roten Meer und rund um die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu erhöhen.
Citrinowicz sieht die USA vor einer schwierigen strategischen Wahl: entweder den aktuellen Kurs fortsetzen und eine weitere Eskalation sowie Druck auf die globalen Energiemärkte riskieren, oder an den Verhandlungstisch zurückkehren und bestimmte Sicherheitsfragen in separaten diplomatischen Kanälen behandeln. Auf dem Rückflug vom NATO-Gipfel in Ankara nutzte Trump nicht die neue Air Force One, was Spekulationen über Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Geschenk des Golfemirats Katar Nahrung gab.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Kanäle halten oder ob die Lage endgültig kippt. Der IEA-Monatsbericht und die anstehenden Lieferzuteilungen Saudi-Arabiens gelten als nächste Stimmungsindikatoren für die Energiemärkte. Zugleich warten Vermittler in Katar und Pakistan auf ein Signal aus Washington und Teheran, ob die Gespräche fortgesetzt werden können.
Insgesamt bleibt die Situation von gegenseitigem Misstrauen, parallelen militärischen und diplomatischen Signalen sowie ungelösten Fragen zur Kontrolle der Straße von Hormus geprägt. Die Beisetzung Chameneis markiert das vorläufige Ende einer Ära, öffnet aber zugleich eine Phase neuer Unsicherheit über die künftige Führung Irans und den Kurs des Regimes in der laufenden Krise.
Fragen & Antworten
Warum ist die Straße von Hormus in dem Konflikt so umkämpft?
Die Meerenge ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln. Die iranische Militärführung beansprucht die alleinige Kontrolle über die Straße, ihre Wiedereröffnung ist ein zentrales Element des im Juni erzielten Rahmenabkommens.
USA-Iran: Gespräche laufen trotz Angriffen weiter | nachrichten360