Umfrage SB-Kassen: Kunden in Deutschland bevorzugen Personal | nachrichten360
Umfrage: Zwei Drittel der Kundinnen und Kunden bevorzugen weiterhin klassische Kassen mit Personal
Düsseldorf, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Eine Umfrage von Kantar zeigt, dass zwei Drittel der Befragten in Deutschland weiterhin klassische Kassen mit Personal und Bargeldzahlung bevorzugen. Zugleich wächst die Zahl der Selbstbedienungskassen in deutschen Einzelhandel stark an.
Düsseldorf, 16 Juni 2026
Eine Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar unter rund 1.000 Menschen in Deutschland zeigt, dass zwei Drittel der Kundinnen und Kunden weiterhin klassische Kassen mit Personal und Bargeldzahlung bevorzugen, während die Zahl der Selbstbedienungskassen im Einzelhandel gleichzeitig stark wächst.
Nach Angaben von Kantar entscheiden sich 67 Prozent der Befragten für eine herkömmliche Kasse mit Kassier-Personal, 33 Prozent geben SB-Kassen den Vorzug. Besonders ausgeprägt ist die Präferenz für bediente Kassen bei älteren Kundinnen und Kunden: 87 Prozent der über 55-Jährigen wollen lieber, dass eine Kassiererin ihre Waren scannt. Bei den 55- bis 64-Jährigen gaben 87 Prozent an, bediente Kassen zu bevorzugen, und nur 13 Prozent nutzen SB-Kassen. Stefanie Exel vom Meinungsforschungsinstitut Kantar sagte, dass bei noch Älteren der Anteil vermutlich noch höher sei. Eine breitere Nutzung werde sich „nicht automatisch einspielen“.
Bei jüngeren Menschen zwischen 16 und 44 Jahren sieht das anders aus. Die nutzen laut der Umfrage inzwischen immer mehr die SB-Kassen, vor allem wegen kürzerer Warteschlangen und weil sie ihr eigenes Tempo bestimmen könnten. Insgesamt nannten 51 Prozent der SB-Kassen-Fans kürzere Warteschlangen und Wartezeiten als Grund, 56 Prozent schätzten das eigene Tempo und den geringeren Zeitdruck, 38 Prozent sagten, das Scannen selbst mache ihnen mehr Spaß. 33 Prozent legten Wert darauf, dass Preise und Mengen korrekt erfasst werden.
Gründe für und gegen SB-Kassen
Wer klassische Kassen bevorzugt, nannte dafür mehrere Motive: 42 Prozent geben an, lieber mit Menschen als mit einer Maschine umzugehen, 40 Prozent führen Gewohnheit an, 39 Prozent möchten mit Bargeld bezahlen – was an den meisten SB-Kassen nicht möglich ist. 28 Prozent sagten, sie brauchen beim Selbstscannen länger als das Personal, 21 Prozent fürchten Bedienungsfehler, 16 Prozent fühlen sich überfordert. Vielen sei der Umgang mit Menschen lieber als mit einer Maschine, aber auch die Gewohnheit und die Bezahlung mit Bargeld gaben viele als Grund an, warum sie die SB-Kassen meiden.
Trotz der anhaltenden Vorbehalte wächst die Zahl der SB-Kassen im deutschen Einzelhandel rasant. Allein zwischen 2015 und 2025 sei die Zahl der SB-Kassen, unter anderem in Supermärkten, Drogerieläden und Baumärkten, um über 3.000 Prozent gestiegen. Von rund 710.000 Kassen im deutschen Einzelhandel sei damit inzwischen jede 18. eine Selbstbedienungskasse. Nach Schätzung des Handelsforschungsinstituts EHI gibt es in etwa 12.500 Geschäften in Deutschland rund 50.000 SB-Geräte. Zwei Drittel der Geräte finden sich im Lebensmittelhandel. EHI-Experte Frank Horst sagte, SB-Kassen in Deutschland würden täglich von 1,5 bis 2 Millionen Menschen genutzt.
Boom der Selbstbedienungskassen
Sowohl das Handelsforschungsinstituts EHI als auch Rüschen glauben, dass der exponentielle Anstieg an SB-Kassen erstmal so weitergehen wird. EHI sieht darin einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verbreitung SB-Kassen und dem gestiegenen Diebstahlrisiko. Ladendiebstähle haben laut EHI in den vergangenen Jahren branchenübergreifend zugenommen – sowohl, was die Menge der geklauten Sachen angeht, als auch deren Wert.
Düsseldorfer Handelsforscher Stephan Rüschen nannte drei Gründe für den rasanten Anstieg: Der Handel habe es immer schwerer, Mitarbeiter zu finden; eine SB-Kasse sei im Gegensatz zu Mitarbeitern die ganze Zeit während der Öffnungszeiten verfügbar; und es gebe immer mehr Kunden, die diese SB-Kassen nutzen, vor allem bei kleineren Einkäufen. In der Stadt werden solche SB-Kassen deutlich mehr genutzt, als wir es auf dem Land sehen, sagte Rüschen. In den Niederlanden und in England seien schon deutlich mehr SB-Kassen im Einzelhandel installiert als in Deutschland, sagt Professor Stephan Rüschen.
Risiken und Gegenmaßnahmen
Frank Horst sagte, es sei „gar nicht so einfach, alle Menschen für SB-Kassen zu begeistern. Insbesondere bei Älteren seien Vorbehalte mehr verbreitet“. Zugleich betonte er, dass SB-Kassen auch von Menschen ab 70 Jahren genutzt würden. Viele sehen darin sogar Vorteile, weil sie das Tempo bestimmen können und der Druck nicht so groß ist wie bei bedienten Kassen. Für größere Einkäufe mit 30, 40 oder mehr Artikeln seien sie allerdings weniger praktisch.
Viele Unternehmen würden aber mehr und mehr daran arbeiten, dieses Risiko zu minimieren, so EHI weiter. Unter anderem, indem sie Ausgangsschleusen, Kameraüberwachung und KI-Systeme zur Verhaltens- und Produkterkennung installieren. Manche SB-Kassen erkennen inzwischen, welches Produkt man auf ihnen platziert, wiegen es und rechnen den korrekten Preis ab. Diese Investitionen würden die Verbreitung von Self-Checkout-Möglichkeiten nicht hemmen, einen Rückbau dieser Systeme werde es wohl kaum geben, so EHI.
Internationaler Vergleich und Ausblick
Stefanie Exel erklärte, dass Hilfspersonal an den Terminals Sicherheit bieten könne, bis sich die Nutzer besser mit den Geräten auskennen. IKEA ist der erste große Einzelhändler in Deutschland, der inzwischen komplett auf klassische Kassen mit Personal verzichtet. Die Kantar-Umfrage wurde online vom 4. bis 8. Juni unter rund 1.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren durchgeführt und ließ Mehrfachantworten zu.
Auch wenn die Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar unter 1.000 Menschen ergeben hat, dass vor allem Kunden über 55 Jahren die SB-Kassen im Einzelhandel lieber meiden, sehen Branchenkenner die weitere Ausbreitung als unaufhaltsam. Die schwierige Personalsituation im Handel gilt als einer der Hauptauslöser dafür, dass Händler in Deutschland verstärkt auf Selbstbedienung setzen.
Der Bericht wurde am 16. Juni 2026 um 14:10 Uhr im WDR2-Mittagsmagazin gesendet.
Fragen & Antworten
Wer hat die Umfrage zu SB-Kassen durchgeführt?
Die Online-Umfrage wurde vom Marktforschungsinstitut Kantar vom 4. bis 8. Juni 2026 unter rund 1.000 Menschen im Alter von 16 bis 64 Jahren in Deutschland durchgeführt.
Wie viele SB-Kassen gibt es derzeit in Deutschland?
Nach Schätzung des Handelsforschungsinstituts EHI gibt es in etwa 12.500 Geschäften rund 50.000 SB-Geräte; insgesamt ist damit etwa jede 18. der rund 710.000 Kassen eine Selbstbedienungskasse.
Warum bevorzugen ältere Kundinnen und Kunden weiterhin bediente Kassen?
Laut Kantar nennen 42 Prozent den Umgang mit Menschen statt mit einer Maschine, 40 Prozent die Gewohnheit, 39 Prozent die Bargeldzahlung und 28 Prozent eine längere eigene Scan-Dauer als Gründe; bei den über 55-Jährigen bevorzugen 87 Prozent eine klassische Kasse.