Die Ukraine hat russische Behauptungen zurückgewiesen, wonach ihr Drohnenangriff sechs Zivilisten in der besetzten Region Luhansk getötet habe. Gleichzeitig schloss sich die Schweiz der EU bei der Verschärfung von Sanktionen gegen Moskau an.
Russische Besatzungsbehörden in Luhansk meldeten sechs Todesfälle durch einen angeblichen ukrainischen Drohnenangriff auf Wohngebiete. Der ukrainische Militärsprecher Andrij Jussow wies diese Vorwürfe kategorisch zurück und bezeichnete sie als "russische Propaganda, die eigene Angriffe auf ukrainische Zivilisten rechtfertigen soll".
Dieser Schlagabtausch erfolgt vor dem Hintergrund eskalierender grenzüberschreitender Drohnenangriffe. Russland gab an, 348 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben, während die Ukraine berichtete, 102 von 124 auf ihr Territorium abgefeuerten russischen Drohnen abgefangen zu haben. Diese Zahlen konnten unabhängig nicht verifiziert werden.
In einer separaten Entwicklung kündigte die Schweiz neue Sanktionen gegen 69 weitere russische und belarussische Personen und Entitäten an, die mit dem 20. EU-Sanktionspaket übereinstimmen. Die Maßnahmen umfassen Vermögenssperren und Einreiseverbote.
Ausweitung der Sanktionen
Ukrainische Streitkräfte bestätigten einen Angriff auf eine Öllagerstätte in Noworossijsk, dem größten russischen Schwarzmeerhafen, der schwere Brände verursachte. Dies unterstreicht die fortgesetzte ukrainische Strategie, russische Energieinfrastruktur zu treffen, die militärische Operationen unterstützt.
Die widersprüchlichen Darstellungen des Vorfalls in Luhansk verdeutlichen den Informationskrieg, der den militärischen Konflikt begleitet. Internationale Beobachter haben nur begrenzten Zugang zu russisch besetzten Gebieten, was die Überprüfung erschwert.
UN-Sprecher Stéphane Dujarric wiederholte die Forderung nach "sofortiger Deeskalation und Schutz von Zivilisten", äußerte sich jedoch nicht konkret zu den Vorwürfen in Luhansk. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bot an, Gefangenenaustausche zu vermitteln.
Internationale Reaktionen
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte auf dem Gipfeltreffen des Bündnisses in Washington weitere Unterstützung für die "legitime Selbstverteidigung" der Ukraine zu und forderte gleichzeitig diplomatische Lösungen. Der Gipfel billigte zusätzliche Luftverteidigungssysteme für Kiew.
Analysten verweisen auf die zunehmende Raffinesse des Drohnenkriegs, bei dem beide Seiten günstigere, schwerer zu ortende Modelle entwickeln. "Wir beobachten ein Innovationsrennen in der asymmetrischen Kriegsführung", sagte Militärtechnologie-Expertin Dr. Lisa Müller von der ETH Zürich.
Die Schweizer Sanktionserweiterung betrifft vor allem Finanzintermediäre und Technologielieferanten für die russische Verteidigungsindustrie. Wirtschaftsminister Guy Parmelin erklärte, damit würden "verbleibende Schlupflöcher" früherer Maßnahmen geschlossen.
Technologisches Wettrüsten
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird voraussichtlich später in der Woche virtuell den UN-Sicherheitsrat ansprechen, wo er Beweise für angebliche russische Kriegsverbrechen vorlegen und stärkere internationale Maßnahmen fordern wird.

