Strecke Hannover–Berlin gestört: DB vermutet Diebstahl | nachrichten360
Störung auf der Strecke Hannover–Berlin: DB vermutet Diebstahl an Oberleitung
Hannover, 04. Juni 2026
Elmschrat / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Auf der Bahnstrecke Hannover–Berlin ist es am Donnerstag zu massiven Behinderungen im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr gekommen. Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass unbekannte Täter Teile der Oberleitung, sogenannte Mastanker, gestohlen haben. Ein Gleis ist repariert, am zweiten wird unter Hochdruck gearbeitet.
Auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin ist es am Donnerstag zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen gekommen, weil im Bereich der Haltestelle Karl-Wiechert-Allee in Hannover eine Oberleitung auf rund 100 Metern Länge beschädigt wurde; die Deutsche Bahn vermutet einen Diebstahl von Mastankern als Ursache.
Die Schäden an der Oberleitung traten in den frühen Morgenstunden zwischen Hannover und Berlin auf und betrafen den Fernverkehr, den Regionalverkehr sowie die S-Bahn. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärte, sind seit dem Morgen zahlreiche Verbindungen auf der wichtigen Ost-West-Achse verspätet, teilweise komplett ausgefallen oder nur mit reduziertem Wagenmaterial gefahren. Betroffen waren unter anderem die Linien Aachen – Mönchengladbach – Köln/Düsseldorf – Hannover – Berlin, Flensburg – Hamburg – Frankfurt (Main) – Frankfurt (M) Flughafen Regionalbahnhof, Oberstdorf – Stuttgart – Mannheim – Mainz – Köln – Dortmund – Hannover – Magdeburg – Leipzig – Dresden, Norddeich Mole – Emden – Bremen – Hannover – Magdeburg – Leipzig – Dresden sowie Berlin – Hannover – Osnabrück – Bad Bentheim – Amsterdam.
Ausmaß der Störung im Fern- und Regionalverkehr
Ursache der Störung war nach Angaben der Deutschen Bahn eine Beschädigung der Oberleitung, die sich über etwa 100 Meter erstreckte. Nach derzeitigem Ermittlungsstand müsse man von einem Diebstahl von Mastankern ausgehen, sagte ein Bahnsprecher: „Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir von einem Diebstahl von Mastankern ausgehen." Demnach haben unbekannte Täter in der Nacht zu Donnerstag offenbar Metall aus einer Erdverankerung der Oberleitungsmasten entfernt. Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts auf besonders schweren Diebstahl und gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr.
Hintergrund: Diebstahl von Mastankern als vermutete Ursache
Die Bundespolizei bestätigte den Diebstahl gegenüber NDR Niedersachsen allerdings nicht in dieser Deutlichkeit. Ein Sprecher sprach lediglich von „Anhaltspunkten, die im Endeffekt nahelegen, dass Metall aus einer Erdverankerung gestohlen wurde". Damit blieb die Behörde bei der Beschreibung der Spurenlage vorsichtiger als die Deutsche Bahn, die sich ihrerseits auf den aktuellen Ermittlungsstand stützt.
Ermittlungen der Bundespolizei
In der Nacht zu Donnerstag war im betroffenen Streckenabschnitt an einem ICE der Stromabnehmer, die sogenannte Pantograph, abgerissen, weil die nötige Spannung und Aufhängung an der Oberleitung fehlte. Der ICE musste daraufhin auf der Strecke halten. Rund 200 Fahrgäste wurden nach Angaben der Deutschen Bahn aus dem Zug evakuiert und anschließend auf andere Verbindungen oder Ersatzverkehre verteilt.
Evakuierung des ICE und Folgen für die Fahrgäste
Im Laufe des Tages stabilisierte sich die Lage zumindest teilweise. Nach Angaben eines Bahnsprechers konnten einige Züge auf dem reparierten Gleis wieder regulär fahren: „Ein Teil der Züge könne wieder regulär fahren." Allerdings gelte dies bislang nur für eines der beiden Gleise. An dem zweiten Gleis werde unter Hochdruck weiter gearbeitet, um die Strecke vollständig freigeben zu können. Auf dem freien Gleis laufe der Verkehr seit dem Abschluss der Reparaturen wieder weitgehend nach Plan.
Lage am Nachmittag: ein Gleis repariert, Arbeiten am zweiten Gleis laufen
Auch an der Haltestelle Karl-Wiechert-Allee im Osten Hannovers, wo die beschädigte Anlage steht, gingen die Instandsetzungsarbeiten am Donnerstag weiter. Die Schadensstelle wurde von Technikern der DB Energie gesichert, bevor mit dem Austausch der entwendeten beziehungsweise beschädigten Bauteile begonnen werden konnte. Die Deutsche Bahn informierte fortlaufend über ihre Website und die App DB Navigator über den Stand der Reparaturen und aktualisierte die Fahrpläne, sobald einzelne Abschnitte wieder freigegeben werden konnten.
Fahrgäste mussten den gesamten Tag über mit erheblichen Einschränkungen rechnen. „Fahrgäste müssen jedoch weiterhin mit Verzögerungen rechnen", teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn mit. Reisende im Fern- und Regionalverkehr wurden gebeten, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren. Auch an den größeren Knotenbahnhöfen entlang der Strecke, etwa in Hannover, Wolfsburg, Stendal und Berlin, kam es zu Folgewirkungen im Nahverkehr, weil ICE- und IC-Züge verspätet eintrafen oder ganz ausfielen.
Bereits am Vormittag hatten sich die Auswirkungen auf das gesamte norddeutsche Schienennetz ausgeweitet. Da die Strecke Hannover–Berlin zu den am stärksten frequentierten Verbindungen Deutschlands gehört, wirkten sich Verspätungen und Umleitungen auf Anschlussverbindungen nach Hamburg, Bremen, in die Niederlande und nach Skandinavien aus. Mehrere Fernverkehrszüge wurden über alternative Routen umgeleitet, was die Reisezeit zusätzlich verlängerte.
Die Deutsche Bahn kündigte an, dass im Fernverkehr Sitzplatzreservierungen für die betroffenen Verbindungen kostenfrei storniert oder umgebucht werden könnten. Auch im Regionalverkehr galten Sonderregelungen: Fahrgäste mit Tickets, die auf den ausgefallenen Streckenabschnitt lauteten, konnten diese laut Bahn flexibel auf anderen Linien im Nahverkehr rund um Hannover nutzen.
Weitere Ermittlungen und Hinweise an die Polizei
Die Bundespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Geprüft wird unter anderem, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob es im Umfeld der Strecke weitere Vorfälle mit entwendetem Oberleitungsmaterial gegeben hat. „Anhaltspunkten, die im Endeffekt nahelegen, dass Metall aus einer Erdverankerung gestohlen wurde" – so beschrieb ein Polizeisprecher die bisherige Spurenlage. Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchungen am Schadensort werden frühestens in den kommenden Tagen erwartet.
Die Deutsche Bahn wies darauf hin, dass Diebstahl und Sabotage an der Bahninfrastruktur in den vergangenen Jahren wiederholt für teils erhebliche Störungen gesorgt haben. Hinweise auf mögliche Täter oder verdächtige Beobachtungen im Bereich der Haltestelle Karl-Wiechert-Allee in der Nacht zu Donnerstag nimmt die Bundespolizei entgegen.
Reisende, die am Donnerstag in Hannover oder Berlin auf ihre Züge warteten, erlebten einen ungewöhnlich unruhigen Betriebstag. Anzeigetafeln wurden mehrfach aktualisiert, einzelne Gleise in Hannover Hauptbahnhof waren zeitweise gesperrt, Durchsagen wiesen auf die Störung und auf alternative Reisemöglichkeiten hin. Viele Fahrgäste wichen auf andere Verkehrsmittel aus, was an Bushaltestellen und am Taxistand am Hauptbahnhof zu deutlich längeren Wartezeiten führte.
Am späten Donnerstagnachmittag teilte die Deutsche Bahn mit, dass die Reparaturen an einem Gleis abgeschlossen seien. „Auf einem Gleis sind die Reparaturen bereits beendet", sagte ein Bahnsprecher. Mit der vollständigen Freigabe der Strecke wurde im Laufe des Abends oder in der Nacht zum Freitag gerechnet, sofern die Arbeiten am zweiten Gleis planmäßig verliefen.
Bis dahin bat das Unternehmen die Fahrgäste weiterhin um Geduld und Vorsicht bei der Reiseplanung. Die Deutsche Bahn verwies auf ihre Internetseite und die Auskunftskanäle, über die aktuelle Verbindungsinformationen abgerufen werden können.
Die Vorfälle im Osten Hannovers reihten sich in eine Serie von Störungen entlang der Strecke Hannover–Berlin ein, die in den vergangenen Monaten wiederholt für Verspätungen und Ausfälle gesorgt hatten. Beobachter sehen in den jüngsten Fällen ein wachsendes Problem: gezielte Eingriffe an der Bahninfrastruktur, oft ausgelöst durch den Wert von Buntmetallen, die an Oberleitungen, Signalanlagen oder Erdankern verbaut sind.
Fragen & Antworten
Was ist auf der Strecke Hannover–Berlin passiert?
Im Bereich der Haltestelle Karl-Wiechert-Allee in Hannover wurde die Oberleitung auf etwa 100 Metern Länge beschädigt, wodurch es seit dem Morgen zu Verspätungen und Ausfällen im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr kam.
Wer ermittelt in dem Fall?
Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts auf besonders schweren Diebstahl und gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr, nachdem nach Angaben der Deutschen Bahn Metall aus einer Erdverankerung gestohlen worden sein soll.
Wie ist der aktuelle Stand der Reparaturen?
Nach Angaben der Deutschen Bahn sind die Reparaturen an einem Gleis bereits abgeschlossen, am zweiten Gleis werde unter Hochdruck gearbeitet, sodass noch mit Verspätungen zu rechnen ist.