Steinmeier wirbt in den Niederlanden für europäischen Zusammenhalt
Amsterdam, 10. Juni 2026
Press Service of the President of the Republic of Azerbaijan / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem dreitägigen Staatsbesuch in den Niederlanden zu europäischer Geschlossenheit angesichts des Ukraine-Kriegs und wachsender Spannungen mit den USA aufgerufen. In Amsterdam sprach er gemeinsam mit dem Königspaar Willem-Alexander und Máxima und besuchte das Holocaust-Museum.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Dienstag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in den Niederlanden eingetroffen und hat bei einem Staatsbankett in Amsterdam zu europäischer Einigkeit angesichts des Ukraine-Kriegs und einer wachsenden Entfremdung von den USA aufgerufen.
Empfang in Amsterdam und erste Programmpunkte
Am Dienstagabend traf Steinmeier in der niederländischen Hauptstadt ein, wo er am Royal Palace von König Willem-Alexander und Königin Máxima empfangen wurde. Im Anschluss nahm er gemeinsam mit Ministerpräsident Rob Jetten an einer Kranzniederlegung teil. Der Staatsbesuch ist auf drei Tage angelegt und umfasst nach Angaben aus dem Programm unter anderem einen Aufenthalt in der Hafenstadt Rotterdam.
Beim Staatsbankett am Abend hielt Steinmeier eine viel beachtete Rede, in der er die gegenwärtige Lage in Europa als historischen Wendepunkt beschrieb. Wörtlich sagte er: „Angesichts des Ukraine-Kriegs und einer Entfremdung von den USA müsse Europa ‚jetzt erst recht zusammenstehen‘, sagte Steinmeier am Dienstagabend." Damit verband der Bundespräsident die Aufforderung an die europäischen Staaten, in der Außen- und Sicherheitspolitik enger zu kooperieren.
Steinmeiers Rede beim Staatsbankett
In seiner Ansprache sprach Steinmeier von einem „doppelten Epochenbruch", der Europa vor besondere Herausforderungen stelle. Er formulierte: „Die Folgen dieses doppelten Epochenbruchs verlangen uns viel ab." Mit dieser Formulierung verwies er auf zwei Entwicklungen, die er als gleichermaßen einschneidend einstufte: den russischen Angriff auf die Ukraine und den Wandel im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten.
Den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bezeichnete Steinmeier als „brutalen Angriffskrieg". Mit dieser Wortwahl unterstrich er die Schwere der militärischen Auseinandersetzung und knüpfte an die in Deutschland und unter den europäischen Partnern gewachsene Linie an, Russland klar zu benennen. Die Bundesrepublik zählt zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine, sowohl militärisch als auch humanitär.
Gleichzeitig warnte Steinmeier vor einer wachsenden Distanz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Er sprach von einer „Entfremdung im transatlantischen Verhältnis, eine Abkehr der US-Regierung von genau den Werten, die die USA in ihrer 250-jährigen Geschichte so entscheidend geprägt haben". Mit dem Verweis auf das 250-jährige Bestehen der Vereinigten Staaten unterstrich er die historische Dimension des aktuellen Wandels.
Appell an die europäische Einheit
Der Bundespräsident bekräftigte in diesem Zusammenhang seine Überzeugung, dass Europa militärisch stärker werden müsse, allerdings nicht, um Kriege zu führen, sondern um sie zu verhindern. In den Worten Steinmeiers müsse Europa „jetzt erst recht zusammenstehen". Damit verband er die Forderung nach einer kohärenteren europäischen Sicherheitsarchitektur mit dem Bekenntnis zu Diplomatie und Abschreckung.
Bereits vor dem Staatsbankett hatte König Willem-Alexander Steinmeier am Royal Palace begrüßt. Königin Máxima war ebenfalls zugegen. Das protokollarische Programm folgte den üblichen Gepflogenheiten eines Staatsbesuchs und umfasste neben der Begrüßung auch die Kranzniederlegung mit Ministerpräsident Rob Jetten, der laut Bericht als Ministerpräsident der Niederlande vorgestellt wurde.
Gemeinsamer Besuch im Holocaust-Museum
Am Rande des Besuchs würdigte Steinmeier die deutsch-niederländischen Beziehungen, die sich über Jahrhunderte erstrecken und durch Handel, Kultur sowie durch die gemeinsame Geschichte geprägt sind. Die Niederlande gehören zu den engsten Partnern Deutschlands in der Europäischen Union und in der NATO. Beide Länder verbindet zudem die Erfahrung der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg, was die symbolische Bedeutung des Besuchs unterstrich.
Im weiteren Verlauf des Staatsbesuchs besuchte Steinmeier gemeinsam mit dem Königspaar Willem-Alexander und Königin Máxima das Holocaust-Museum in Amsterdam. Der Besuch der Gedenkstätte gilt als programmatischer Bestandteil des Besuchs und unterstreicht die gemeinsame Verantwortung beider Länder für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Opfer des Holocausts.
Das Museum, das 2024 eröffnet wurde, dokumentiert die Geschichte der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Mit dem Besuch setzten das niederländische Königspaar und der Bundespräsident ein Zeichen der Erinnerung und der gemeinsamen Verpflichtung gegenüber den Opfern. Für Deutschland hat der Ort eine besondere Bedeutung, da die Verbrechen des Nationalsozialismus von deutschem Boden ausgingen.
Weiteres Programm in Rotterdam
Für den dritten Tag des Staatsbesuchs ist nach den vorliegenden Programminformationen ein Aufenthalt in Rotterdam vorgesehen. Die Hafenstadt ist einer der wichtigsten logistischen Knotenpunkte Europas und Sitz zahlreicher internationaler Unternehmen. Welche konkreten Termine in Rotterdam geplant sind, wurde im Vorfeld nicht im Detail bekannt gegeben.
Die Reise Steinmeiers nach Amsterdam und in weitere Teile der Niederlande reiht sich in eine ganze Serie von Treffen und Konsultationen ein, die das deutsch-niederländische Verhältnis in den vergangenen Jahren vertieft haben. Beide Regierungen stimmen sich regelmäßig in Fragen der europäischen Wirtschaftspolitik, der Migration und der Sicherheit ab.
Mit Blick auf den Krieg in die Ukraine und das Verhältnis zu den USA kommt dem Besuch aus Sicht beider Seiten eine besondere Bedeutung zu. Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöht und sich aktiv an der Unterstützung der Ukraine beteiligt. Steinmeiers Aufruf zu europäischer Geschlossenheit traf in Amsterdam daher auf offene Ohren.
Bedeutung für die bilateralen Beziehungen
Die Berichterstattung über den Staatsbesuch wurde am 09.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet: „Diese Nachricht wurde am 09.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet." Damit fand die erste Phase des Besuchs ihren Niederschlag in den deutschen Medien, während die weiteren Programmpunkte in den folgenden Tagen erwartet werden.
Insgesamt zeigt der Staatsbesuch, dass Berlin und Den Haag ihre enge Partnerschaft in einer Phase vertiefen wollen, die Steinmeier selbst als Epochenbruch beschrieb. Die Kombination aus Gedenkstättenbesuch, protokollarischen Begegnungen und politischen Reden verdeutlicht den Anspruch, die bilateralen Beziehungen auf eine breite Grundlage zu stellen und gleichzeitig europäische Antworten auf die aktuellen Krisen zu formulieren.
Mit seiner Rede in Amsterdam hat Steinmeier zugleich den Ton für die kommenden Wochen gesetzt. In Berlin werden die Appelle des Bundespräsidenten in den Debatten über eine mögliche Stärkung der europäischen Säule in der NATO, über die künftige Ausrichtung der Ukraine-Hilfe und über die Gestaltung des Verhältnisses zu Washington eine Rolle spielen. Der Staatsbesuch bot dafür den passenden Rahmen.
Fragen & Antworten
Was ist das Ziel des Staatsbesuchs von Bundespräsident Steinmeier in den Niederlanden?
Der dreitägige Besuch dient der Würdigung der deutsch-niederländischen Beziehungen und der politischen Abstimmung, unter anderem mit einem Staatsbankett in Amsterdam, einem Besuch des Holocaust-Museums und einem Aufenthalt in Rotterdam.
Welche Kernaussage hat Steinmeier beim Staatsbankett in Amsterdam getroffen?
Steinmeier rief angesichts des Ukraine-Kriegs und einer wachsenden Entfremdung von den USA dazu auf, dass Europa jetzt erst recht zusammenstehen müsse, und bezeichnete die Lage als doppelten Epochenbruch.
Wer hat Steinmeier in den Niederlanden empfangen?
Steinmeier wurde am Royal Palace in Amsterdam von König Willem-Alexander und Königin Máxima empfangen; im weiteren Verlauf nahm er mit Ministerpräsident Rob Jetten an einer Kranzniederlegung teil.
Steinmeier Staatsbesuch Niederlande: Europa muss | nachrichten360