St. Pauli trennt sich von Blessin: Rapp als Nachfolger im | nachrichten360
St. Pauli trennt sich von Blessin: Rapp als Nachfolger im Gespräch
Hamburg, 04 Juni 2026
Lanthan2003 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Der FC St. Pauli hat sich 19 Tage nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga von Cheftrainer Alexander Blessin getrennt. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Marcel Rapp, ehemaliger Coach von Holstein Kiel, neuer Trainer der Hamburger werden. Die Vorbereitung auf die 2. Bundesliga beginnt am 26. Juni.
Hamburg, 04 Juni 2026
Der FC St. Pauli hat sich 19 Tage nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga von Cheftrainer Alexander Blessin (53) getrennt, obwohl dessen Vertrag noch bis Sommer 2027 lief.
Der Verein aus Hamburg bestätigte die Trennung am Donnerstag. Blessin war im Sommer 2024 von Union Saint-Gilloise aus Belgien nach Hamburg gekommen, um auf Fabian Hürzeler zu folgen, der in die englische Premier League gewechselt war. Mit dem belgischen Klub hatte Blessin zuvor den belgischen Pokal gewonnen. In seiner ersten Saison an der Seitenlinie des Kiezklubs erreichte Blessin mit einer starken Defensive und ausgeprägter Mannschaftsgeschlossenheit den Klassenverbleib.
Hintergrund: Vom Pokalsieger zum Tabellenletzten
Sportdirektor Andreas Bornemann würdigte die Arbeit des Trainers, zog aber einen klaren Schlussstrich. „Alex' Qualitäten als Trainer sind unbestritten; wir sind nach unserer Analyse aber zu dem Schluss gekommen, dass eine Trennung und ein frischer Start mit voller Überzeugung in diesem Sommer der richtige Weg sind“, erklärte Bornemann. Präsident Oke Göttlich und Bornemann hatten Blessin über weite Teile der abgelaufenen Saison gestützt, die Trennung fiel dennoch eindeutig.
Der sportliche Einbruch war unübersehbar. Nach einem starken Saisonstart mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen kassierte St. Pauli im weiteren Verlauf der Hinrunde neun Niederlagen in Serie. Blessin gelang es zwischenzeitlich, die Mannschaft zu stabilisieren, doch in den letzten zehn Saisonspielen holte das Team nur noch drei Punkte und gewann kein einziges Spiel. Das entscheidende Saisonfinale verlor St. Pauli mit 1:3 gegen den VfL Wolfsburg. Am Ende stand der Tabellenletzte der Bundesliga fest, dazu kam der harmloseste Angriff der gesamten Liga.
Sportlicher Einbruch mit klarem Muster
Blessin selbst hatte zunächst nicht ausgeschlossen, den Neuaufbau in der 2. Bundesliga mitzugestalten. „Daran zu arbeiten, das wiedergutzumachen, ist auf jeden Fall eine Option“, sagte er Mitte Mai im Beisein von Göttlich und Bornemann. Dass er bei diesem Medienauftritt in privater Kleidung erschien, wurde als ungewöhnlich wahrgenommen. In den folgenden Tagen wiederholte der Coach, der in Stuttgart geboren wurde, dass ihn der gescheiterte Abstiegskampf viel Energie gekostet habe. Eine endgültige Entscheidung traf er jedoch nicht.
Die Geduld der Vereinsführung war endlich, als Blessin sich fast drei Wochen nach dem Abstieg weiterhin nicht festlegen wollte. Parallel kursierten Berichte, wonach der Trainer Gespräche mit dem VfL Wolfsburg führte. Schließlich entschied sich Blessin trotz der noch laufenden Vertragsbindung und der Loyalitätszusage des Klubs zum Gang. Damit endete eine drei Wochen dauernde Phase der Ungewissheit über die Trainerfrage.
Drei Wochen Ungewissheit
Als Nachfolger ist nach übereinstimmenden Medienberichten Marcel Rapp (47) im Gespräch. Rapp war von 2021 bis Februar 2026 Cheftrainer von Holstein Kiel und führte die Störche 2024 in die Bundesliga. Kiel trennte sich allerdings von ihm, als ein weiterer Abstieg in die 3. Liga drohte. Auch unter Rapp war Kiel direkt aus der Bundesliga abgestiegen. Bornemann soll in Rapp bereits einen neuen Coach gefunden haben, eine offizielle Bestätigung steht aus.
Neben Rapp wird Horst Steffen, Ex-Coach von Werder Bremen, als möglicher Kandidat gehandelt. Die neue sportliche Leitung steht dabei vor einer doppelten Aufgabe: Zum einen muss der Kader für die 2. Bundesliga zusammengestellt werden, da mehrere Leistungsträger den Verein verlassen könnten. Zum anderen gilt es, die in der abgelaufenen Saison offenbarten Defizite in Offensive und Defensive zu beheben.
Marcel Rapp als designierter Nachfolger
Schlüsselspieler wie Hauke Wahl, Jackson Irvine und Eric Smith konnten aus unterschiedlichen Gründen nicht an die Form der Vorsaison anknüpfen. Auch Rekordtransfer Martijn Kaars erfüllte die Erwartungen nicht. Diese Ausfälle verstärkten den sportlichen Abwärtstrend, der letztlich nicht mehr aufzuhalten war. Bornemann und Rapp müssen daher in wenigen Wochen einen neuformierten Kader auf die neue Saison einschwören.
Der FC St. Pauli hatte unmittelbar nach dem feststehenden Abstieg angekündigt, die Trainerfrage innerhalb weniger Tage klären zu wollen. Diese Frist verstrich jedoch, während Blessin um seine Entscheidung rang. Nun, mit der Trennung am Donnerstag, beginnt für den Verein das Kapitel 2. Bundesliga. Am 26. Juni startet die Mannschaft in die Vorbereitung – dann, so hofft man an der Reeperbahn, mit einem klaren Plan an der Seitenlinie.
Offene Baustellen für die 2. Bundesliga
Blessin war 2024 mit dem Ruf eines Defensivspezialisten und Pokalsiegers von Union Saint-Gilloise nach St. Pauli gekommen. Sein Vorgänger Hürzeler hatte den Verein zuvor in die Bundesliga geführt. Blessin gelang in seinem ersten Jahr der Ligaverbleib, was angesichts der begrenzten finanziellen Mittel des Klubs als beachtliche Leistung galt. Doch im zweiten Jahr kippte die Bilanz: Die Defensive verlor ihre Stabilität, der Angriff blieb das harmloseste der Liga. Die Bilanz aus 34 Spieltagen war ernüchternd.
Mit der Entscheidung für einen Neuanfang im Sommer 2026 endet ein Kapitel, das mit großer Euphorie begonnen hatte. St. Pauli steht nun vor einer Zäsur, die nicht nur den Trainerposten, sondern auch die strategische Ausrichtung des Klubs betrifft. Die Verantwortlichen betonen, dass man mit voller Überzeugung in die neue Ära starten wolle. Die kommenden Wochen bis zum Trainingsstart am 26. Juni werden zeigen, ob der angekündigte frische Start gelingt.
Ausblick auf den Neuanfang
Die Trennung von Blessin fällt in eine Phase, in der mehrere Bundesligisten nach dem Saisonende ihre Trainerstäbe neu besetzt haben. St. Pauli reiht sich mit dem Schritt in diese Personalwechsel ein. Im Unterschied zu vielen anderen Klubs steht für den FC St. Pauli jedoch nicht der Verbleib in der Bundesliga, sondern der sofortige sportliche Wiederaufbau in der 2. Bundesliga im Mittelpunkt. Dazu kommen personelle Veränderungen, die den Verein in der neuen Liga konkurrenzfähig machen sollen.
Blessins Bilanz in Hamburg bleibt damit zwiespältig. Dem geglückten Erstliga-Start folgte der ungebremste Absturz im zweiten Jahr, der letztlich in der Trennung mündete. Die sportliche Verantwortung trägt er gemeinsam mit der Mannschaft, deren Schlüsselspieler hinter den Erwartungen blieben. Für Rapp, sofern er denn offiziell vorgestellt wird, beginnt die Arbeit am Kader unmittelbar nach seiner Verpflichtung.
Der Zeitdruck ist erheblich. Bis zum Start der Saisonvorbereitung am 26. Juni müssen sportliche Leitung, Trainer und Mannschaft eine gemeinsame Linie finden. Die Verantwortlichen um Bornemann und Göttlich haben betont, dass sie den Klassenverbleib in der 2. Bundesliga als Mindestziel ansehen. Ob St. Pauli den sofortigen Wiederaufstieg anstrebt, ist offen – klar ist, dass ein tiefgreifender Umbruch eingeleitet wurde.
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Blessin, und warum trennt sich der FC St. Pauli von ihm?
Alexander Blessin (53) war seit 2024 Cheftrainer des FC St. Pauli und hatte den Verein in seinem ersten Jahr vor dem Abstieg bewahrt. Nach dem sportlichen Einbruch in der zweiten Saison mit Tabellenletztem und harmlosester Offensive der Liga entschied sich der Klub 19 Tage nach dem Abstieg zu einer Trennung, obwohl der Vertrag noch bis Sommer 2027 lief.
Wer soll neuer Trainer des FC St. Pauli werden?
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll Marcel Rapp (47) neuer Cheftrainer werden. Rapp hatte Holstein Kiel von 2021 bis Februar 2026 trainiert und 2024 in die Bundesliga geführt, ehe er nach dem direkten Wiederabstieg freigestellt wurde.
Wie sieht das sportliche Programm für St. Pauli in der 2. Bundesliga aus?
Der FC St. Pauli beginnt am 26. Juni mit der Saisonvorbereitung. Zuvor muss die sportliche Leitung um Andreas Bornemann mit dem designierten Trainer Rapp den Kader neu formieren, da mehrere Leistungsträger den Verein verlassen könnten und die Offensive in der abgelaufenen Saison die schwächste der Liga war.