Hindu-Tempel Berlin-Neukölln: Eröffnung nach 20 Jahren | nachrichten360
Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in Berlin-Neukölln nach über 20 Jahren Planung eröffnet
Berlin, 03 Juni 2026
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Kurzfassung
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Planung und Bau ist der Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in Berlin-Neukölln feierlich eröffnet worden. Er ist nach Angaben des Trägervereins der größte Ganesha-Tempel in Europa und ein Ort der Begegnung für die indischstämmige Gemeinschaft der Hauptstadt.
Berlin, 03 Juni 2026
Nach mehr als 20 Jahren Planung und Bau ist am Mittwoch in Berlin-Neukölln der Sri-Ganesha-Hindu-Tempel an der Hasenheide feierlich eröffnet worden; die Einweihungsfeierlichkeiten dauern bis Sonntag.
Ein Tempel für Ganesha in Neukölln
Der Tempel ist dem elefantenköpfigen Hindu-Gott Ganesha gewidmet, der für Energie und Weisheit steht. Er befindet sich am Rand des Hasenheide-Parks zwischen Neukölln und Kreuzberg auf einem rund 5.000 Quadratmeter großen Grundstück, das der Bezirk Neukölln zur Verfügung gestellt hatte. Damaliger Bezirksbürgermeister war Heinz Buschkowsky. Das Tempelgebäude selbst umfasst etwa 850 Quadratmeter, der Turm misst 17 Meter.
Initiiert wurde das Projekt von Vilwanathan Krishnamurthy, der 1975 als Gastarbeiter mit seiner Frau nach Berlin kam. Der heute 73-Jährige arbeitete drei Jahre lang bei dem Elektrokonzern AEG für drei D-Mark pro Stunde, was nach heutiger Kaufkraft etwa 3,20 Euro entspricht. Gemeinsam mit weiteren Privatpersonen begann er 2004 mit den Planungen, 2005 wurde ein Trägerverein gegründet. 2007 folgte der Spatenstich, 2010 begann der eigentliche Bau.
Finanzierung durch Spenden
Die Baukosten beliefen sich nach Angaben Krishnamurthys auf insgesamt 1,1 Millionen Euro und wurden vollständig über Spenden und ehrenamtliches Engagement finanziert. „Die Gesamtkosten bezifferte er auf 1,1 Millionen Euro - finanziert durch Spenden und ehrenamtliches Engagement“, heißt es in Berichten über die Eröffnung. Am Anfang sei es schwieriger gewesen, Geld zu sammeln, weil damals nur etwa 5.000 bis 6.000 Hindus in Berlin lebten.
Mehrfach wurde der Bau unterbrochen, unter anderem durch die COVID-19-Pandemie und Genehmigungsprobleme. Auch ließen sich indische Bauarbeiter nur in der warmen Jahreszeit einsetzen, und auf die Lieferung des Granits für den Fußboden musste der Trägerverein viele Monate warten. Sämtliche Steinmaterialien, Götterfiguren und die traditionellen hinduistischen Tempelbauer, die sogenannten Stapathi, kamen aus Indien.
Wachsende hinduistische Community
Krishnamurthy schätzt, dass inzwischen bis zu 45.000 Hindus in Berlin leben. „Krishnamurthy schätzt, dass es bis zu 45.000 sind“, schreibt eine Quelle. „Ihre Zahl sei zuletzt stark gestiegen vor allem durch Studenten und IT-Fachleute aus Indien.“ Hintergrund ist ein deutsch-indisches Migrationsabkommen, das Ende 2022 unterzeichnet wurde. Der Tempel ist nach Angaben des Trägers der größte Ganesha-Tempel in Europa und der größte Hindu-Tempel in Deutschland.
Es ist der zweite Hindu-Tempel in Berlin nach dem 2013 in Britz eröffneten Sri-Mayurapathy-Murugan-Tempel, der vor allem Gläubige mit Wurzeln in Sri Lanka bedient. Hinter dem neuen Projekt steht laut Krishnamurthy die indischstämmige Gemeinschaft. „Dieser ist nach Angaben Krishnamurthys vor allem Anlaufpunkt für Gläubige mit Wurzeln in Sri Lanka, während hinter dem Projekt an der Hasenheide die indischstämmige Gemeinschaft stehe“, so eine Quelle. Der Tempel steht zudem Gläubigen aus Sri Lanka, Bhutan und Singapur offen.
Riten der fünf Eröffnungstage
Im Inneren des Gebäudes befinden sich fünf kleinere Tempel, vergleichbar mit Kapellen. Neben der zentralen Ganesha-Figur mit Elefantenkopf und Rüssel sind Statuen von Shiva, Parvati, einem Onkel und einem jüngeren Bruder Ganeshas aufgestellt. Die blaue Fassade ist mit Ornamenten und Götterfiguren verziert, der goldene Turm ein aufwendiges Gesamtkunstwerk indischer Handwerksmeister.
Das Eröffnungsprogramm läuft vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag. Am Freitag werden die zuvor abgeklebten Augen der Götterfiguren geöffnet; die Figuren werden gewaschen und an ihren neuen Standort „schlafen gelegt“. Am Sonnabend dürfen alle Gläubigen und Besucher die Tempel betreten und die neuen Götterfiguren mit Öl salben, bevor nur noch Priester Zutritt haben. Höhepunkt ist am Sonntag die Tempelweihe, bei der ein Priester nach altem Ritual mit einem Kran Wasser aus dem indischen Fluss Ganges und aus Berlin über die Turmspitze gießt.
Hoher politischer Besuch erwartet
An den Feierlichkeiten nehmen nach Angaben der Veranstalter am Freitag Mitglieder des Abgeordnetenhauses, des Bundestags, ein Senator der Landesregierung, der Neuköllner Bezirksbürgermeister sowie verschiedene Botschafter teil. Im Oktober werden Bundeskanzler Friedrich Merz und der indische Premierminister Narendra Modi anlässlich des 75. Jahrestags der deutsch-indischen diplomatischen Beziehungen am Tempel erwartet. Dann soll auch das hölzerne Tor des 19 Meter hohen Torbaus fertiggestellt und eingeweiht werden.
Bereits seit Jahren besuchen Schulklassen aus Berlin und Brandenburg regelmäßig den Tempel. 400 junge Menschen aus der indischen Community haben sich als Freiwillige für die Eröffnung gemeldet, 60 junge Frauen sind für Sauberkeit und Betrieb im Gebäude zuständig. Auch der angrenzende Barackenbau, der jahrzehntelang für Liturgie, Gebete, Opfergaben und Versammlungen genutzt wurde, bleibt erhalten und soll künftig für Gespräche mit Besuchergruppen und interreligiösen Austausch dienen.
Krishnamurthy sagte zur Eröffnung auf Deutsch: „Damit erfüllt sich für mich ein großer Traum“. An anderer Stelle ergänzte er: „Ich freue mich sehr. Ein großer Traum ist in Erfüllung gegangen.“ Die Fertigstellung fällt auf den Tag genau 51 Jahre nach seiner Ankunft in Berlin im Jahr 1975.
Für die rituelle Eröffnung reisten zehn hinduistische Priester nach Berlin. Auch Kokosnüsse spielen eine zentrale Rolle: Unter einer Kokosnuss wird ein kleines Feuer entzündet, der Rauch soll den Tempel weihen. Diksha Barve, die seit 2019 zum Organisationsteam gehört, erklärte: „Die Kokosnuss kann man gänzlich benutzen. Das Wasser, das Fruchtfleisch und auch die Schale. Sie steht für das Ganze.“ Krishnamurthy betonte zudem, dass alle Menschen im Tempel herzlich willkommen seien.
Fragen & Antworten
Wer ist Vilwanathan Krishnamurthy?
Vilwanathan Krishnamurthy kam 1975 als Gastarbeiter mit seiner Frau nach Berlin, arbeitete bei AEG und ist heute Vertreter des Trägervereins des neuen Sri-Ganesha-Hindu-Tempels. Er gilt als zentrale Triebkraft hinter dem mehr als 20-jährigen Bauprojekt.
Warum hat der Bau so lange gedauert?
Planungen begannen 2004, der Spatenstich folgte 2007, der Bau startete 2010. Genehmigungsprobleme, die COVID-19-Pandemie, die saisonale Verfügbarkeit indischer Bauarbeiter und Lieferengpässe bei Granit verzögerten die Fertigstellung immer wieder.
Was passiert bei der Tempelweihe am Sonntag?
Ein Priester gießt nach altem Ritual mit einem Kran Wasser aus dem Fluss Ganges und aus Berlin über die Turmspitze. Zuvor werden die Götterfiguren mit verschiedenen Ritualen in den Tempel gebracht und aufgestellt.