Russland und Ukraine beenden Feuerpause zum orthodoxen Osterfest mit gegenseitigen Vorwürfen Kiew/Moskau, 12. April 2026
Die von Russland und Ukraine vereinbarte 32-stündige Feuerpause zum orthodoxen Osterfest ist am Sonntag ohne Verlängerung geendet, nachdem beide Seiten sich gegenseitig tausende Verstöße vorgeworfen hatten.
Hohe Zahl an Verstößen
Die ukrainische Armee meldete fast 2.300 russische Verstöße gegen die Waffenruhe seit deren Inkrafttreten. Laut Angaben des Generalstabs in Kiew umfassten diese 28 direkte Angriffe, 479 Bombardierungen und rund 1.792 Drohnenangriffe. Die russischen Streitkräfte hätten die vereinbarte Feuerpause systematisch ignoriert, hieß es aus ukrainischen Militärkreisen.
Moskau konterte mit ähnlichen Vorwürfen. Die russische Regierung berichtete von knapp 2.000 ukrainischen Verstößen, bei denen verschiedene Munitionstypen 375 Mal zum Einsatz gekommen sein sollen, überwiegend durch Drohnen. Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte Kiew, die Waffenruhe für militärische Vorstöße genutzt zu haben.
Ablehnung einer Verlängerung
Der Kreml lehnte eine Verlängerung der Feuerpause ab. Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Tass: "Eine weitere Verlängerung ist unter den gegebenen Umständen nicht möglich." Die ukrainische Seite habe die Vereinbarung nicht eingehalten, was eine Fortsetzung unrealistisch mache.
Auch aus Donezk, einer der umkämpften Regionen, wurden Berichte über anhaltende Gefechte während der vereinbarten Ruhephase laut. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die Feuerpause als Deckmantel für militärische Aufrüstung genutzt zu haben.
Die gegenseitigen Anschuldigungen verdeutlichen die tiefe Vertrauenskrise zwischen den Konfliktparteien. Die kurzzeitige Waffenruhe hatte ohnehin nur symbolischen Charakter, da sie lediglich für die Dauer der orthodoxen Osterfeiertage vereinbart worden war. Experten zufolge zeigt der Abbruch, dass eine nachhaltige Friedenslösung derzeit nicht in Sicht ist.
Eskalation trotz symbolischer Geste
Die Feuerpause war als humanitäre Geste für das Osterfest initiiert worden, doch die tatsächliche Lage an der Front blieb angespannt. Die ukrainischen Streitkräfte betonten, dass die russischen Angriffe trotz der Vereinbarung unvermindert fortgesetzt worden seien. Insbesondere die hohe Zahl an Drohnenangriffen unterstreiche, dass Moskau nicht an einer Deeskalation interessiert sei.
Auf russischer Seite hieß es dagegen, die ukrainischen Truppen hätten die Pause genutzt, um ihre Stellungen zu verstärken. Die gegenseitigen Vorwürfe lassen wenig Raum für weitere diplomatische Initiativen. Beobachter befürchten, dass die Frontlinien in den kommenden Wochen erneut zum Schauplatz intensiverer Kampfhandlungen werden könnten.
Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, dass selbst kurzzeitige Waffenruhen in diesem Konflikt kaum noch durchsetzbar sind. Die strukturellen Gegensätze zwischen Russland und Ukraine scheinen derzeit unüberbrückbar, was die Hoffnungen auf eine baldige Beendigung des Krieges weiter schwinden lässt.
