Die rumänische Luftwaffe hat am Sonntagmorgen nahe der Stadt Sulina im Donaudelta eine weitere Drohne abgeschossen, womit sich die Zahl der Abschüsse durch eigene Kampfjets innerhalb von drei Tagen auf drei erhöht.
Wie das rumänische Verteidigungsministerium auf seiner Webseite mitteilte, fing ein Pilot einer F-16 den unbemannten Flugkörper 12 Kilometer nordöstlich von Sulina über rumänischen Hoheitsgewässern ab. Zuvor war bereits am Samstag in Sfantu Gheorghe am Schwarzen Meer eine fremde Drohne abgeschossen worden. Am Freitag hatte die rumänische Luftwaffe erstmals in ihrem eigenen Hoheitsgebiet eine Drohne mit einer Rakete eliminiert; der Einsatz erfolgte leicht im Landesinnern nahe Padina. Nach Darstellung des Ministeriums fanden alle drei Einsätze über unbewohntem Gebiet statt, sodass für die Bevölkerung am Boden keine Gefahr bestanden habe.
Hintergrund: Häufung der Vorfälle
Präsident Nicusor Dan erklärte auf der Plattform X, eine Untersuchung der Trümmer durch die rumänische Staatsanwaltschaft habe ergeben, dass es sich bei der am Freitag abgeschossenen Drohne um ein Modell vom Typ Shahed handelte. „Laut Dan ergab eine Untersuchung zu dem Vorfall vom Freitag, dass es sich um eine Drohne vom Typ Shahed handelte." Dan sprach von „unzulässigen und nicht tolerierbaren" Vorfällen. Die Untersuchungen zu den beiden weiteren abgeschossenen Drohnen seien noch im Gange, ergänzte er. „Woher die Drohnen kamen, ist in zwei Fällen noch unklar."
Dass der Drohnentyp in der Region bislang nur von Russland eingesetzt wird, hebt die Richtung der Ermittlungen hervor. „Erste Anzeichen deuten auf eine russische Herkunft der Flugobjekte hin." In der Vergangenheit waren bereits mehrere Dutzend russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen, ohne dass Bukarest sie abschoss. Die rechtliche Grundlage dafür schuf die rumänische Regierung erst im vergangenen Jahr. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 drangen wiederholt Drohnen beider Kriegsparteien in den Luftraum von Rumänien und anderen NATO-Staaten ein.
Politische Reaktionen in Bukarest
Ministerpräsident Ilie Bolojan machte Moskau für die Verletzungen des rumänischen Luftraums verantwortlich. „Seine Regierung verurteile diese aufs Schärfste, teilte er mit." Außenministerin Oana Toiu kündigte an, den russischen Botschafter in Bukarest einzubestellen. Rumänien grenzt auf rund 600 Kilometern an die von Russland angegriffene Ukraine, wodurch sich das Land in unmittelbarer Reichweite der Drohnenangriffe auf ukrainische Ziele befindet. Im Ukraine-Krieg setzen die Armeen beider Länder Drohnen ein.
Der Krieg in der Ukraine dauert inzwischen fast viereinhalb Jahre an. Auch wenn die rumänischen Behörden betonen, dass alle Einsätze über unbewohntem Gebiet erfolgten, markiert die Häufung von drei Abschüssen binnen 72 Stunden eine neue Qualität der Belastung für das östliche NATO-Mitglied. Die rumänische Staatsanwaltschaft und das Verteidigungsministerium kündigten an, die Herkunft der abgeschossenen Fluggeräte weiter aufzuklären.
Auswirkungen auf die NATO-Region
Die Vorfälle werfen zugleich die Frage auf, wie die NATO mit der zunehmenden Zahl russischer Luftraumverletzungen umgeht. Während einzelne Drohnen in der Vergangenheit abstürzten, ohne dass Bukarest militärisch reagierte, hat die rumänische Führung mit den jüngsten Abschüssen deutlich gemacht, dass weitere Eindringversuche nicht hingenommen werden. Offen ist, ob die diplomatische Reaktion über die Einbestellung des Botschafters hinausgeht und welche technischen oder operativen Konsequenzen die Allianz aus den Vorfällen zieht.
