Ungarn wählt mit Rekordbeteiligung – Orbán und Magyar im Kopf-an-Kopf-Rennen Budapest, 12. April 2026
Die ungarische Parlamentswahl hat am Sonntag mit einer historisch hohen Wahlbeteiligung begonnen, während sich die regierende Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán und die oppositionelle TISZA unter Péter Magyar ein enges Rennen liefern.
Bis 9:00 Uhr hatten bereits 17 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 10 Prozent zur gleichen Uhrzeit bei der letzten Wahl im Jahr 2022. Orbán äußerte sich nach seiner Stimmabgabe zuversichtlich: „hier, um zu gewinnen“, sagte er. Gleichzeitig betonte er, das Ergebnis zu akzeptieren und Magyar zu gratulieren, sollte TISZA die Wahl gewinnen.
Hohe Beteiligung als entscheidender Faktor
Die hohe Wahlbeteiligung könnte laut Orbán ein entscheidender Faktor sein. Er verwies darauf, dass eine starke Mobilisierung der Wähler in der Vergangenheit stets seiner Partei Fidesz genutzt habe. Doch diesmal sieht es anders aus: Unabhängige Umfragen zeigen seit Herbst 2024 eine Führung von TISZA, während Fidesz erstmals seit Jahren in den Rückstand geraten ist.
Péter Magyar, der früher selbst Fidesz unterstützte und bis 2023 mit der ehemaligen Justizministerin Judit Varga verheiratet war, warnte unterdessen vor möglichen Unregelmäßigkeiten. Seine Partei habe bereits 60 Hinweise auf potenziellen Wahlbetrug erhalten. „Ich werde das Ergebnis nur akzeptieren, wenn keine signifikanten Unregelmäßigkeiten das Ergebnis beeinflussen könnten“, sagte Magyar. Er rief die Bürger auf, Verdachtsfälle zu melden.
Magyars Pläne für Europa
Sollte TISZA die Wahl gewinnen, hat Magyar bereits klare Prioritäten gesetzt: Er will Ungarns Position in der EU und der NATO stärken sowie die eingefrorenen EU-Gelder zurückholen, die aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit blockiert wurden.
Seine erste Reise als designierter Ministerpräsident würde ihn nach Warschau führen, gefolgt von Besuchen in Wien und Brüssel. Dies unterstreicht seinen Fokus auf eine stärkere europäische Integration und die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen, die unter Orbáns Regierung angespannt waren.
Die Wahl markiert damit eine mögliche Zäsur in der ungarischen Politik. Sollte Magyar siegen, wäre es das erste Mal seit über einem Jahrzehnt, dass Fidesz die Macht abgeben müsste. Die hohe Beteiligung deutet darauf hin, dass viele Ungarn bereit sind, eine Veränderung herbeizuführen. Die endgültigen Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.
