Die Europäische Seuchenschutzbehörde ECDC meldet für 2024 Rekordwerte bei sexuell übertragbaren Infektionen in Europa, mit besonders starken Anstiegen bei Syphilis und Gonorrhö.

Update vom 21. Mai 2026: Neue Daten der ECDC zeigen einen weiteren Anstieg der Syphilis-Fälle in Europa auf 45.577 Fälle im Jahr 2024 – mehr als doppelt so viele wie 2015.

Laut dem aktuellen Bericht der Europäischen Seuchenschutzbehörde (ECDC) haben sich die Fälle von Gonorrhö seit 2015 um 303 Prozent erhöht und erreichten 2024 mit 106.331 Fällen den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung 2009.

Chlamydien bleiben mit 213.443 gemeldeten Fällen die häufigste sexuell übertragbare Infektion in Europa, gefolgt von Gonorrhö und Syphilis.

Besonders alarmierend ist die Verdopplung der von der Mutter auf das Kind übertragenen Syphilis-Fälle von 78 im Jahr 2023 auf 140 im Jahr 2024 in den 14 Ländern, die Daten dazu gemeldet haben.

Bruno Ciancio von der ECDC betont die einfachen Schutzmaßnahmen: "Verwenden Sie Kondome bei neuen oder mehreren Sexualpartnern und lassen Sie sich testen, wenn Symptome wie Schmerzen, Ausfluss oder Wunden auftreten."

Männer, die Sex mit Männern haben, sind laut ECDC die am stärksten betroffene Gruppe, insbesondere bei Gonorrhö und Syphilis.

Was ist neu seit dem letzten Bericht

Was ist neu seit dem letzten Bericht

Die aktuellen Daten zeigen einen weiteren Anstieg der Syphilis-Fälle um 8 Prozent gegenüber 2023 und eine Verdopplung gegenüber 2015.

Erstmals wurden auch detaillierte Zahlen zur Übertragung von Syphilis von der Mutter auf das Kind veröffentlicht, die eine besorgniserregende Entwicklung zeigen.

Benjamin Hampel, Arzt am Checkpoint Zürich, erklärt: Der «Hauptgrund» für den Anstieg sei nicht unbedingt eine gestiegene Verbreitung der Infektionen. Es werde vor allem mehr getestet.

Gründe für den Anstieg

Gründe für den Anstieg

Experten sehen mehrere Gründe für den Anstieg der gemeldeten STI-Fälle: erhöhte Testbereitschaft, sinkende Kondomnutzung und Antibiotikaresistenzen.

Hampel beobachtet ein Paradox: "Man möchte das volle Erlebnis, aber ohne Risiko, man will ‹de Foifer und s Weggli›". Gleichzeitig hätten junge Menschen in Europa weniger Sex als früher.

Folgen und Risiken

Folgen und Risiken

Unbehandelt können Chlamydien und Gonorrhö bei Frauen zu Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten führen.

Die ECDC warnt vor der zunehmenden Antibiotikaresistenz bei Gonorrhö, die die Behandlung erschwert.

Empfehlungen der Experten

Empfehlungen der Experten

Die ECDC fordert besseren Zugang zu Tests, schnellere Behandlungen und effektivere Partnerbenachrichtigung.

In der Schweiz und 12 weiteren europäischen Ländern müssen STI-Tests ohne Symptome privat bezahlt werden, was viele vom Testen abhält.

Hampel warnt vor Angst als Präventionsmittel: Das funktioniere nur bei «Leuten, die ohnehin schon ängstlich sind». Die abnehmende Angst vor Sex sieht er grundsätzlich positiv: "Dass dieses Trauma nun langsam endet, ist nichts Schlechtes".