Fall Fabian: Polizisten sagen zu Tatort und Leichenfund aus | nachrichten360
Prozess um Mord an Fabian: Polizisten schildern Auffindeszene am Teich bei Klein Upahl
Rostock, 02 Juni 2026
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Kurzfassung
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow haben am achten Verhandlungstag Polizisten und ein Schuhsohlen-Experten ihre Aussagen präzisiert. Vor dem Landgericht Rostock ging es unter anderem um das Verhalten der Angeklagten am Tag des Leichenfunds und um Spuren am Fundort.
Rostock, 02 Juni 2026
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow haben am Dienstag vor dem Landgericht Rostock Polizisten und ein Schuhsohlen-Sachverständiger ausgesagt und dabei den Fundort des Jungen nahe Klein Upahl in den Mittelpunkt gerückt.
Im Zentrum des achten Verhandlungstages stand die Frage, wie die Leiche des Jungen am 14. Oktober des Vorjahres an einem Teich unweit von Klein Upahl im Landkreis Rostock entdeckt wurde. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, zeigte ein Polizeibericht den Ort, der auch als „Wildschweinkuhle" bezeichnet wird. Über 150 Fotos wurden im Gerichtssaal gezeigt, von denen viele nach Angaben von Beteiligten schwer zu ertragen waren. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die rund 90 Zuschauerinnen und Zuschauer im Saal ausdrücklich vor den Bildern.
Fundort und 3D-Rekonstruktion
Ergänzend kam eine detaillierte 3D-Tatortrekonstruktion zum Einsatz, mit deren Hilfe Abstände am Fundort exakt bestimmt werden konnten. Eine Ortsbegehung am Teich war dadurch nicht mehr nötig. Als in der 3D-Darstellung der Leichnam des Jungen zu sehen war, habe die Angeklagte vorübergehend das Gesicht in den Händen vergraben, hieß es.
Die 30 Jahre alte Gina H. muss sich wegen heimtückischen Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, in der Nähe von Klein Upahl erstochen und die Leiche anschließend angezündet zu haben, um Spuren zu verwischen. Seit November vergangenen Jahres sitzt die Frau in Untersuchungshaft. Sie schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Verhalten der Angeklagten am Leichenfundtag
Einer der Polizeibeamten, die am Tag des Leichenfunds als Erste am Teich eintrafen, schilderte den Zustand der Angeklagten und ihrer Begleiterin. Demnach sei Gina H. zwar aufgeregt, aber nicht niedergeschlagen gewesen. Beide – Gina H. und die Begleiterin – seien „nicht tief betroffen" gewesen, was den Beamten überrascht habe. Das Originalzitat aus der polizeilichen Vernehmung lautet: „Beide wirkten nicht tief betroffen".
Zudem habe die Angeklagte unaufgefordert immer wieder betont, dass sie Spuren am Teich hinterlassen habe, weil sie das Kind dort gefunden habe. Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Verhalten als Indiz dafür, dass die Frau ihre Anwesenheit am Fundort begründen und zugleich von der eigentlichen Rolle im Geschehen ablenken wollte.
Schuhspuren am Teich
Ein zentrales Beweisstück sind Schuhabdrücke rund um den Teich. Forensiker sicherten Abdrücke zweier unterschiedlicher Schuhe, die dem Profiltyp der bei Gina H. sichergestellten Schuhe entsprechen. Ein Sachverständiger erläuterte jedoch, dass die Abdrücke im Erdreich zu unscharf gewesen seien, um individuelle Merkmale der Sohlen zweifelsfrei zu identifizieren. Ein konkreter Nachweis, dass es sich tatsächlich um die Schuhe der Angeklagten handelte, sei daher nicht möglich.
Sollten die Abdrücke dennoch von verschiedenen Schuhen der Angeklagten stammen, wäre sie dem Gutachter zufolge mindestens zweimal an der Stelle gewesen, an der die Leiche später entdeckt wurde. Nach Darstellung der Anklage war mindestens einer dieser Besuche am Tattag, dem 10. Oktober. Die Verteidigung wendet ein, dass sich aus den Abdrücken der „0815-Schuhe" kein konkreter Zeitrahmen ableiten lasse; bestritten wird allerdings nicht, dass ihre Mandantin überhaupt an dem Teich war.
Spuren an den Schuhen des Opfers
Auch Abdrücke, die zu Fabians Schuhen gehören könnten, wurden laut den Ermittlungen am Ufer gesichert. Da die Schuhe des Jungen bei der mutmaßlichen Brandlegung fast vollständig verbrannt waren, beschafften die Untersuchungsbehörden neue Exemplare desselben Modells und verglichen sie mit den Abdrücken am Teich. Die Staatsanwaltschaft zieht aus diesem Abgleich den Schluss, dass der Junge am Teich lebend umhergelaufen ist und nicht erst nach seinem Tod an den Fundort verbracht wurde.
Im Hintergrund steht nach Überzeugung der Ermittler ein Beziehungsdrama. Gina H. hatte demnach mit Fabians Vater eine On/Off-Beziehung geführt. Die beiden waren laut Anklage etwa vier Jahre lang ein Paar, bis sie sich im August 2025 trennten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte glaubte, der Junge stehe einer Wiederannäherung an den Vater im Weg. Diese Annahme sei ein wesentliches Motiv für die Tat gewesen.
Motiv: On/Off-Beziehung zum Vater
Die Beziehungsthematik schlägt sich auch in der Verhandlungsführung nieder. Im Schwurgerichtssaal 2.002 des Landgerichts Rostock werden zahlreiche Sprachnachrichten zwischen Gina H. und dem Vater des Opfers abgespielt. Die Angeklagte habe dabei häufig im Minuten- und teilweise im Sekundentakt Sprachnachrichten an den 35-Jährigen geschickt und ihn flehentlich gebeten, zu ihr zurückzukehren. Obwohl die Frau im Prozess selbst schweigt, ist ihre Stimme so im Gerichtssaal ständig präsent.
Die Verteidigung kündigte an, ein mögliches Schweigen ihrer Mandantin nicht durchhalten zu wollen. Man wolle die Aussage weiterer Zeugen abwarten, hieß es; es sei nicht ausgeschlossen, dass Gina H. im laufenden Monat doch noch aussagebereit sei. Konkrete Anhaltspunkte dafür, wann und in welchem Umfang sie reden könnte, nannte die Verteidigung nicht.
Streit um Obduktionsbericht und Öffentlichkeit
Bereits jetzt zeichnet sich am Landgericht Rostock ein Konflikt um den Umfang der Öffentlichkeit ab. Der Anwalt von Fabians Mutter hat beantragt, Zuschauer und Medien bei der Vorstellung des Obduktionsberichts durch den Rechtsmediziner am Donnerstag auszuschließen. Zur Begründung verwies er auf die nach seinem Verständnis auch über den Tod hinaus fortwirkenden Persönlichkeitsrechte des Jungen, die schwerer wiegen müssten als das öffentliche Interesse an den forensischen Details.
Das Gericht will am Donnerstag entscheiden, ob es dem Antrag stattgibt. Bis dahin bleibt offen, in welcher Form die rechtsmedizinischen Erkenntnisse zur Todesursache und zum Leichenfund öffentlich werden. Beobachter rechnen damit, dass die Schwurgerichtskammer den Antrag zumindest teilweise berücksichtigen könnte, um die Würde des Opfers zu schützen.
Weiterer Verfahrensgang
Der Prozess ist eng getaktet. Verhandlungstermine sind bis zum 10. April angesetzt. Am Donnerstag wird die Reihe der Sachverständigen mit der Vorstellung des Obduktionsberichts fortgesetzt. Im Anschluss werden voraussichtlich weitere forensische Gutachten folgen, darunter laut den Akten auch Spuren, die in einem Küchenrollen-Format im Auto der Angeklagten gesichert wurden und an denen Blut nachgewiesen worden sein soll.
Mit Spannung erwartet wird zudem die Frage, ob die Angeklagte tatsächlich aussagen wird. Sollte Gina H. im laufenden Monat ihr Schweigen brechen, wäre dies die erste inhaltliche Stellungnahme der 30-Jährigen zu den Vorwürfen. Bis dahin bleibt die Rekonstruktion des Geschehens allein auf die Aussagen der Polizeibeamten, der Sachverständigen und die Auswertung der Spuren gestützt.
Der Fall hatte über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt, weil er ein mutmaßliches Beziehungsmotiv mit dem gewaltsamen Tod eines Kindes verknüpft. Sollte die Schwurgerichtskammer am Ende zu einem Schuldspruch wegen heimtückischen Mordes gelangen, droht der Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bis zu einem Urteil bleibt es jedoch bei der Beweisführung der Anklage und der Einlassung der Verteidigung, dass ihre Mandantin allenfalls am Teich gewesen sei, ohne dass daraus ein konkreter Tatbeitrag abgeleitet werden könne.
Fragen & Antworten
Worum geht es im Prozess gegen Gina H.?
Die 30-Jährige ist wegen heimtückischen Mordes an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, erstochen und die Leiche angezündet zu haben.
Was haben die Polizisten am achten Verhandlungstag ausgesagt?
Ein Polizist schilderte, dass die Angeklagte und ihre Begleiterin am Leichenfundstag „nicht tief betroffen" gewirkt hätten. Zudem habe die Angeklagte unaufgefordert mehrfach betont, sie habe Spuren am Teich hinterlassen, weil sie das Kind dort gefunden habe.
Welche Bedeutung haben die Schuhabdrücke am Teich?
Forensiker sicherten Abdrücke zweier Schuhe, die zum Profil der bei Gina H. sichergestellten Schuhe passen, konnten aber nicht zweifelsfrei klären, ob es tatsächlich ihre Schuhe waren. Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen Hinweis darauf, dass die Angeklagte mindestens einmal am Tattag am Fundort war; die Verteidigung bestreitet einen konkreten Zeitrahmen.