Proteste in Venedig gegen US-Botschafter Fertitta und seine Luxusjacht
Venedig, 18. Juli 2026
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Kurzfassung
In Venedig haben am Freitagabend mehrere Hundert Menschen gegen die Ankunft des US-Botschafters Tilman Fertitta und seiner 117 Meter langen Luxusjacht "Boardwalk" protestiert. Die Polizei sicherte das Schiff mit Kräften zu Wasser und zu Lande ab, wobei es zu kurzen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Einsatzkräften kam.
Der US-Botschafter in Italien, Tilman Fertitta, hat mit seiner 117 Meter langen Luxusjacht "Boardwalk" in Venedig Proteste Hunderter Menschen ausgelöst, bei denen es am Freitagabend auch zu kurzen Zusammenstößen mit der Polizei kam.
Die Ankunft der "Boardwalk" in Venedig
Die "Boardwalk" des US-Botschafters hatte in der Lagunenstadt festgemacht und sorgte dort bereits am Vortag für Aufsehen. Am Freitagabend versammelten sich nach Angaben der Organisatoren mehrere Hundert Demonstrierende in der Nähe des Schiffes, um gegen die aus ihrer Sicht zur Schau gestellte Pracht des Botschafters zu protestieren. Hunderte Demonstrierende versammelten sich am Freitagabend in der Nähe des Schiffes und kritisierten den aus ihrer Sicht zur Schau gestellten Reichtum des Botschafters.
Die Demonstrierenden skandierten Slogans gegen den Botschafter, die Stadtverwaltung von Venedig und die Sicherheitskräfte. Sie warfen Fertitta vor, mit seiner Jacht unangemessenen Luxus und amerikanischen Einfluss in einer Stadt zu demonstrieren, die bereits stark vom internationalen Massentourismus geprägt sei. Vertreter der Protestbewegung erklärten, Venedig dürfe nicht zum Spielplatz für Milliardäre werden.
Die Polizei sperrte den Zugang zur Jacht mit Personal und Booten ab. Als einzelne Demonstrierende versuchten, sich dem Schiff zu nähern, kam es nach Angaben der Behörden zu kurzen Rangeleien. Auch maskierte Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz. Die "Boardwalk" wurde zudem von Polizeibooten und Jetskis eskortiert.
Hintergrund: Wer ist Tilman Fertitta?
Tilman Fertitta ist Eigentümer der "Boardwalk", die nach Angaben von Forbes mit einer Länge von 117 Metern zu den größten privaten Yachten der Welt gehört. Das Schiff verfügt unter anderem über zwei Pools, zwei Hubschrauberlandeplätze sowie einen Spa- und Fitnessbereich. Der US-Botschafter ist nach eigenen Angaben Milliardär und führt laut Forbes ein Vermögen von etwa 11,3 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 9,88 Milliarden Euro.
Neben dem Eigentum an der Jacht ist Fertitta auch Eigentümer des Basketballteams Houston Rockets und des Unternehmens Fertitta Entertainment. Er gilt als enger Vertrauter des US-Präsidenten Donald Trump. In seiner Eigenschaft als Botschafter ist er nach Angaben der US-Botschschaft in Rom derzeit auf einer Reise entlang der italienischen Küste unterwegs, die er selbst als "Küstendiplomatie" bezeichnet.
Den Anlass der Reise bildet nach Angaben Fertittas das 250-jährige Jubiläum der US-Unabhängigkeitserklärung. Nach Darstellung der US-Botschaft in Rom sollen dabei Anlaufpunkte in 13 Küstenregionen besucht werden, um die gemeinsame historische, wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zwischen den Vereinigten Staaten und Italien zu würdigen. Venedig war eine dieser Stationen, die nächste Station soll Triest sein.
Küstendiplomatie zum Unabhängigkeitsjubiläum
Der Besuch in Venedig fiel zeitlich mit dem traditionellen Redentore-Fest zusammen, das jeweils am dritten Juli-Wochenende stattfindet und zu den bekanntesten Veranstaltungen der Lagunenstadt gehört. Am Samstag ist ein großes Feuerwerk geplant. Fertitta nahm nach Informationen der Veranstalter an dem Fest teil.
Bereits an früheren Stationen der Italien-Tour hatte es Proteste gegeben. Auch im Vorjahr waren ähnliche Szenen in Venedig zu beobachten gewesen, als Amazon-Gründer Jeff Bezos in der Stadt seine Hochzeit mit Lauren Sánchez feierte. Gruppen, die damals gegen die Bezos-Hochzeit demonstriert hatten, beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter auch an den Protesten gegen den US-Botschafter.
Redentore-Fest und Proteste
Die Demonstrierenden richteten ihren Protest nach Angaben der Organisatoren auch gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump. Während der Kundgebung wurden zudem Slogans gegen die US-Politik im Iran und im Nahen Osten gerufen. Oppositionelle Abgeordnete im italienischen Parlament kritisierten die Kosten der Reise für die italienischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler und wiesen darauf hin, dass für die Sicherheit an jeder Station Marine, Küstenwache und Polizei eingesetzt werden müssten.
Die Lage rund um die "Boardwalk" blieb nach Behördenangaben unter Kontrolle. Größere Ausschreitungen blieben aus, auch wenn die Veranstalter von kleineren Krawallen während der Proteste in der Nähe der Jacht berichteten. Die Polizei sicherte den Bereich rund um den Markusplatz sowohl zu Wasser als auch zu Land ab.
Polizeieinsatz und Sicherheitsmaßnahmen
Die "Boardwalk" hatte Venedig einen Tag vor dem Bericht erreicht. Die Reise des Botschafters, die mehrere Anrainerstaaten des Mittelmeers einschließt, soll in den kommenden Tagen fortgesetzt werden. Beobachterinnen und Beobachter werteten die Proteste als Ausdruck einer wachsenden Sensibilität gegenüber der Präsenz ausländischer Milliardäre in der ohnehin vom Massentourismus belasteten Lagunenstadt.
Aus Sicht der Aktivistinnen und Aktivisten steht der Besuch Fertittas exemplarisch für eine Entwicklung, in der Venedig zunehmend zur Bühne für Wohlstandsinszenierungen werde. Sie forderten die Stadtverwaltung auf, künftig restriktiver mit der Genehmigung solcher Anläufe umzugehen. Die Stadt selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu den Protesten geäußert.
Internationale Medien berichteten am Rande über die Vorgänge in Venedig und stellten einen direkten Bezug zu den Protesten um die Bezos-Hochzeit im Vorjahr her. Beide Ereignisse hätten deutlich gemacht, wie schnell luxuriöse Inszenierungen in der Lagunenstadt auf gesellschaftlichen Widerstand stießen, hieß es in Kommentaren.
Reaktionen und politische Debatte
Der Vorfall wirft nach Ansicht von Beobachterinnen und Beobachtern auch ein Schlaglicht auf das Verhältnis zwischen diplomatischer Repräsentation und öffentlicher Wahrnehmung. Die demonstrative Ankunft mit einer Megayacht werfe Fragen nach der Angemessenheit des Auftretens von Botschafterinnen und Botschaftern auf, insbesondere in Städten mit sensibler sozialer und ökologischer Lage wie Venedig.
Die US-Botschaft in Rom wies darauf hin, dass die Reise der Würdigung gemeinsamer Werte diene. Die italienische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den Zwischenfällen am Rande des Besuchs. Die Polizei kündigte an, auch an den kommenden Stationen der Reise für Sicherheit zu sorgen.
Fragen & Antworten
Wer ist Tilman Fertitta?
Tilman Fertitta ist der US-Botschafter in Italien, Eigentümer der Firma Fertitta Entertainment und des Basketballteams Houston Rockets sowie nach eigenen Angaben Milliardär mit einem Vermögen von rund 11,3 Milliarden US-Dollar.
Warum protestierten Menschen gegen die Luxusjacht in Venedig?
Die Demonstrierenden warfen dem Botschafter vor, mit der 117 Meter langen "Boardwalk" unangemessenen Luxus und amerikanischen Einfluss in einer vom Massentourismus geprägten Stadt zu demonstrieren, und richteten ihren Protest zugleich gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump.
Wie ging die Polizei mit den Protesten um?
Die Polizei sperrte den Zugang zur Jacht zu Wasser und zu Lande ab und setzte auch maskierte Einsatzkräfte ein, wobei es beim Versuch einzelner Demonstrierender, sich dem Schiff zu nähern, zu kurzen Zusammenstößen kam.
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