Pistorius besucht Übung der Panzerbrigade 45 in Litauen und bekräftigt Einsatzbereitschaft bis Ende 2027
Vilnius/Pabradė, 21. Juni 2026
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Kurzfassung
Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am Montag die Übung "Freedom Shield" der Bundeswehr-Panzerbrigade 45 nahe der belarussischen Grenze besucht. Er bekräftigte das Ziel, die Brigade bis Ende 2027 vollständig einsatzbereit zu melden, und schloss notfalls Zwangsverpflichtungen nicht aus.
Vilnius/Pabradė, 21. Juni 2026
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am Montag die Übung "Freedom Shield" der deutschen Panzerbrigade 45 auf dem Truppenübungsplatz Pabradė nahe der Grenze zu Belarus besucht und die Einsatzbereitschaft des Verbands bis Ende 2027 bekräftigt.
Bei seinem Besuch in Litauen informierte sich Pistorius über den Stand des Aufbaus der Panzerbrigade 45, die als Kernelement der deutschen NATO-Verstärkung an der Ostflanke gilt. Die Übung nahe der belarussischen Grenze ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums die erste Großübung der Brigade vor Ort. Pistorius beobachtete das Manöver nach Angaben aus Vilnius aus einem gepanzerten Transportfahrzeug vom Typ Boxer.
Übung "Freedom Shield" mit rund 2.900 Soldaten
An der Übung "Freedom Shield" nehmen nach offiziellen Angaben rund 2.900 Soldatinnen und Soldaten teil, davon etwa 2.300 aus Deutschland. Eingesetzt werden konventionelle Waffensysteme wie Leopard-Kampfpanzer und Schützenpanzer Puma, ergänzt durch Drohnen und andere moderne Systeme. Insgesamt 350 Drohnen sowie 650 Lastkraftwagen für den Transport von Waffen, Munition und Personal kamen zum Einsatz. Niederländische und norwegische NATO-Einheiten übernahmen im Szenario die Rolle des Angreifers.
Bundesverteidigungsminister Pistorius ordnete das Manöver als realistische Vorbereitung auf mögliche künftige Konflikte ein. "Freedom Shield zeigt, wie der Landkrieg der Zukunft aussehen wird", sagte der SPD-Politiker. Ein Eurofighter-Kampfflugzeug sei direkt aus Deutschland eingeflogen und habe die übenden Truppen am Boden in nur 40 Metern Höhe überflogen. Übungen dieser Größenordnung sollen nach Worten des Ministers künftig mindestens zweimal jährlich stattfinden.
Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, unterstrich die zeitlichen Vorgaben. "Und wir werden Ende 2027 einsatzbereit sein. Punkt", sagte Freuding mit Blick auf die volle Gefechtsbereitschaft der Brigade. Deren Kommandeur, Brigadegeneral Christoph Huber, erklärte: "Die Panzerbrigade 45 ist bereit, heute Nacht zu kämpfen." Insgesamt verfügt der Verband für die Übung über 75 Kampfpanzer und 70 Schützenpanzer.
Aufbau der Brigade liegt im Zeitplan
Die Brigade soll nach derzeitiger Planung eine Gesamtstärke von rund 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erreichen. Davon sind nach Angaben des Ministeriums bislang etwa 2.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten dauerhaft in Litauen stationiert. Damit ist etwa die Hälfte des Personalziels erreicht. Die Stationierung erfolgt als Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch Russland und ist nach Regierungsangaben das größte militärische Infrastrukturprojekt in der Geschichte Litauens.
Hauptstandort der Brigade soll Rudninkai werden, etwa 35 Kilometer von Vilnius entfernt und unweit der Grenze zu Belarus. Der Truppenübungsplatz Pabradė, an dem die Übung stattfindet, liegt etwa 20 Kilometer von Belarus und in unmittelbarer Nähe zur russischen Exklave Kaliningrad. Der dortige Militärstandort war bereits im Mai 2022, kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, durch litauisches Sondergesetz zum Truppenübungsplatz erklärt worden. Die künftige Anlage wird in einem Waldgebiet errichtet, das rund 1,5 Kilometer vom Zentrum eines Dorfes mit etwa 500 Einwohnern entfernt liegt.
Die Brigade umfasst unter anderem das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen und das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach in Bayern, die noch in Deutschland stationiert sind. Ab dem kommenden Jahr soll der Verband mit Loitering Munition ausgestattet werden; das Training damit hat nach Angaben des Ministeriums bereits begonnen. Im Februar wurde die bisherige NATO-Battlegroup aus sieben weiteren Nationen der Panzerbrigade 45 unterstellt, die intern auch als "Litauen-Brigade" bezeichnet wird.
Freiwilligkeit, notfalls Verpflichtung
Bei der Frage der Personalgewinnung setzt die Bundeswehr nach Worten von Pistorius weiterhin grundsätzlich auf Freiwilligkeit. "Man setze weiterhin auf Freiwilligkeit und bemühe sich, den Familienangehörigen bestmögliche Bedingungen zu bieten", sagte der Minister. Er schloss jedoch nicht aus, notfalls auch Zwangsverpflichtungen auszusprechen: "Und im Zweifel wird dann auch eine Verpflichtung ausgesprochen." Die Bedingungen für den mehrjährigen Einsatz seien gesetzlich attraktiver gestaltet worden.
Pistorius verwies zudem auf gelegentliche Engpässe vor allem bei Spezialisten für IT und Logistik sowie in anderen Fachbereichen. "Alles scheint planmäßig zu verlaufen", sagte er zum Stand des Aufbaus. Generalinspekteur Carsten Breuer hat nach Berichten das Jahr 2029 als Zielmarke für die allgemeine Kriegstüchtigkeit der gesamten Bundeswehr ausgegeben. Westliche Geheimdienste gehen laut Verteidigungsministerium davon aus, dass Russland angesichts seiner massiven Waffenproduktion bis 2029 in der Lage sein könnte, ein NATO-Land anzugreifen.
Hohe Zustimmung in Litauen
In Litauen genießt die Stationierung der deutschen Brigade hohes Ansehen. Bei einer feierlichen Zeremonie im Mai 2025 auf dem Domplatz in Vilnius, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnahm, wurde der Verband offiziell aufgestellt. Die Veranstaltung wurde live im litauischen Fernsehen übertragen. Die Worte von Merz "Die Sicherheit Litauens ist auch unsere Sicherheit. Der Schutz von Vilnius ist der Schutz von Berlin." wurden im Dezember 2025 an der Wand des historischen Vilniusser Rathauses verewigt.
Litauens Verteidigungsminister Robertas Kaunas empfing Pistorius in Pabradė und sicherte zu, dass Litauen alles Erforderliche für die militärische und zivile Infrastruktur tun werde. Gegenüber der "Welt" erklärte Kaunas zudem, sein Land liege bei der ersten Bauphase der Brigade-Infrastruktur zehn Monate vor dem Zeitplan. Soldatinnen und Soldaten sowie ihre Familien siedeln bereits jetzt in litauische Standorte um; ihre Kinder sollen eine neue deutsche Schule in Vilnius besuchen. Die Stationierung der Brigade wird in einem litauischen Schulbuch für ihren Beitrag zur Sicherheit des Landes erwähnt.
Sabotageakte aus Russland nehmen zu
Parallel zum Aufbau meldet das Bundesverteidigungsministerium zunehmende russische Sabotageakte. So seien bereits Angriffe auf Bundeswehr-Satelliten verübt worden, die für die Kommunikation mit der Litauen-Brigade genutzt werden. Das Ministerium rechnet damit, dass solche Aktionen mit fortschreitendem Aufbau der Brigade weiter zunehmen werden. Belarus gilt dabei als enger Verbündeter Russlands.
Insgesamt sollen mit der dauerhaften Stationierung der Brigade rund 5.000 Bundeswehr-Angehörige mit ihren Familien nach Litauen verlegen. Mit der Panzerbrigade 45 wird erstmals ein großer Bundeswehr-Verband dauerhaft im Ausland stationiert; frühere Auslandseinsätze waren zeitlich befristet. Die Brigade soll nach derzeitiger Planung bis Ende des nächsten Jahres (2026) verlegebereit und bis Ende 2027 als Gefechtsverband voll einsatzbereit sein.
Pistorius betonte, dass die Bundeswehr den Personalbedarf der Brigade vorrangig mit Freiwilligen decken wolle und dafür auch Informationsreisen für Soldatinnen und Soldaten anbiete, um die Lebens- und Einsatzbedingungen an der NATO-Ostflanke kennenzulernen. Sollte die Zahl der Freiwilligen nicht ausreichen, würden zunächst Personalgespräche geführt und "im Zweifel" eine Verpflichtung ausgesprochen. Damit wäre eine gesetzliche Grundlage für eine Zwangsverlegung in den baltischen NATO-Staat gegeben.
Der Besuch Pistorius' am Pabradė-Übungsplatz fiel zeitlich mit dem ersten größeren Manöver der Panzerbrigade 45 zusammen. Die Übung schließt nach Angaben des Verteidigungsministeriums auch Schießübungen mit Leopard-Kampfpanzern und Puma-Schützenpanzern ein. Damit soll die Brigade unter realistischen Bedingungen auf ihren künftigen Auftrag an der NATO-Ostflanke vorbereitet werden. Litauens Bevölkerung, so zeigen Umfragen, blickt der Stationierung mit hoher Zustimmung und Sympathie entgegen.
Fragen & Antworten
Was ist die Panzerbrigade 45?
Die Panzerbrigade 45, auch "Litauen-Brigade" genannt, ist eine dauerhaft in Litauen stationierte Bundeswehr-Einheit mit geplanten 4.800 Soldatinnen und Soldaten sowie 200 zivilen Mitarbeitenden, die bis Ende 2027 einsatzbereit sein soll.
Was ist die Übung "Freedom Shield"?
"Freedom Shield" ist eine NATO-Übung nahe der litauisch-belarussischen Grenze mit rund 2.900 Teilnehmenden, davon etwa 2.300 deutsche Soldaten, bei der mit Kampfpanzern, Schützenpanzern und Drohnen die Verteidigung der Ostflanke trainiert wird.
Warum könnte die Bundeswehr Soldaten für Litauen verpflichten?
Verteidigungsminister Boris Pistorius schloss nicht aus, dass die geplante Personalstärke nicht allein mit Freiwilligen erreicht werden kann, und kündigte an, "im Zweifel" eine Verpflichtung auszusprechen, vor allem in Engpassbereichen wie IT, Logistik und NBC-Abwehr.
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