OpenAI plant ersten KI-Lautsprecher mit eigenen Akzenten trotz Apple-Klage
San Francisco, 15. Juli 2026
Alifalahati99 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
OpenAI entwickelt laut Bloomberg einen smarten Lautsprecher als erstes eigenes Hardware-Gerät und will ihn noch in diesem Jahr vorstellen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe von Apple zurück, die Entwicklung basiere auf gestohlenen Geschäftsgeheimnissen.
OpenAI bereitet nach Informationen von Bloomberg einen smarten Lautsprecher als erstes eigenes KI-Gerät vor und plant die Vorstellung noch in diesem Jahr, während Apple das Unternehmen wegen des Vorwurfs verklagt hat, Geschäftsgeheimnisse für die Hardware-Entwicklung genutzt zu haben.
Konzept: Ein Heimcomputer ohne Bildschirm
Das noch in Entwicklung befindliche Gerät soll nach Angaben von Bloomberg als menschenähnlicher Begleiter im Haushalt und als physische Verkörperung von ChatGPT dienen. OpenAIs erste KI-Hardware soll ein mobiler Smart Speaker sein, der als menschenähnlicher Begleiter im Haushalt und als physische Verkörperung von ChatGPT dient. Intern bezeichne OpenAI das Produkt demnach nicht als Lautsprecher, sondern als eine neue Art von Heimcomputer für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz.
Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit dem Projekt vertraute Personen. OpenAI strebt eine Vorstellung noch in diesem Jahr und einen Marktstart 2027 an. Die Hardware-Pläne könnten sich sowohl im Zuge der technischen Umsetzung als auch aufgrund des Rechtsstreits mit Apple noch ändern, schreibt Bloomberg.
Anders als viele bestehende Smart Speaker soll das OpenAI-Gerät mit einem Akku ausgestattet sein und sich so von Raum zu Raum tragen lassen, gleichzeitig aber auch dauerhaft am Strom bleiben können. Eine Kamera und zusätzliche Sensoren sollen die Umgebung und den jeweiligen Nutzungskontext erfassen. Das Gerät soll ohne Bildschirm auskommen und unter anderem Fragen beantworten, Medien abspielen, Smart-Home-Geräte steuern sowie auf weitere ChatGPT-Funktionen zugreifen.
Persönlichkeit als Kernfunktion
Als entscheidendes Merkmal betrachtet OpenAI jedoch nicht die einzelnen Funktionen, sondern die Persönlichkeit des Geräts und seine Fähigkeit, eine menschlich wirkende Verbindung zum Nutzer aufzubauen. Bewegliche mechanische Elemente sollen zusätzlich den Eindruck vermitteln, dass das Gerät lebendig ist und nicht bloß auf Befehle reagiert. So soll das Gerät Bedürfnisse antizipieren, selbstständig relevante Informationen bereitstellen und zu einer Art Experte für seinen Nutzer werden.
Der KI-Begleiter soll seinen Besitzer mit der Zeit immer besser kennenlernen, dafür auch persönliche Informationen wie E-Mails auswerten und zunehmend proaktiv handeln. Die Sprachsteuerung basiert dem Bericht zufolge auf GPT-Live, einer erst vergangene Woche vorgestellten Weiterentwicklung des ChatGPT-Sprachmodus, die Gespräche natürlicher wirken lassen und gleichzeitiges Zuhören und Sprechen ermöglichen soll.
Team mit zahlreichen früheren Apple-Mitarbeitern
Hinter den Hardware-Projekten steht ein Team mit zahlreichen früheren Apple-Mitarbeitern. Laut der Klageschrift beschäftigt OpenAI inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter. Zu den prägenden Köpfen hinter dem Smart Speaker und weiteren Hardwareprojekten gehören der ehemalige Apple-Designchef Jony Ive, Apples ehemalige Leiterin des Industriedesigns Evans Hankey, Tang Tan, der früher das iPhone-Produktdesign leitete, sowie Paul Meade, der bei Apple die Entwicklung der Vision Pro und künftiger Smart Glasses leitete. OpenAI hatte im vergangenen Jahr die Firma IO Products, die Ive mitgegründet hatte, für rund 6,5 Milliarden US-Dollar übernommen.
Insgesamt soll OpenAI an rund fünf Hardware-Produkten arbeiten, wobei der Smart Speaker den Anfang machen soll. Langfristig plane OpenAI zudem einen potenziellen Smartphone-Ersatz und prüfe weitere Produktkategorien, darunter einen Anhänger sowie Heimrobotik. Bloomberg hatte bereits im Februar über erste Details zu OpenAIs Smart Speaker berichtet.
Rechtsstreit mit Apple und mögliche Verzögerung
Parallel zu den Produktplänen ist ein Rechtsstreit mit Apple eskaliert. Apple hatte OpenAI vergangene Woche verklagt und dem Unternehmen vorgeworfen, Geschäftsgeheimnisse zu nutzen, um die Entwicklung eigener Geräte zu beschleunigen. Apples Vorwürfe richten sich dem Vernehmen nach vor allem gegen den Hardware-Chef von OpenAI, einen früheren Apple-Manager, dem vorgeworfen wird, vertrauliche Details zu unveröffentlichten Apple-Produkten und internen technischen Prozessen gesammelt zu haben.
OpenAI weist Apples Vorwürfe zurück. Laut Bloombergs Quellen unterscheidet sich der geplante Smart Speaker deutlich von Apples Produkten, weshalb das Unternehmen nicht von einer Verletzung von Geschäftsgeheimnissen ausgeht. OpenAI erklärte, kein Interesse an den Geschäftsgeheimissen anderer Unternehmen zu haben. Dem Unternehmen seien zudem keine Belege für die Vorwürfe bekannt, heißt es in einer Stellungnahme.
Apple will laut Bloomberg zudem eine einstweilige Verfügung gegen die Hardware-Pläne erwirken. Eine solche Verfügung könnte den Marktstart des OpenAI-Lautsprechers verzögern, selbst wenn die Entwicklung planmäßig verläuft. Nach dem Bekanntwerden der OpenAI-Pläne verloren die Aktien des Lautsprecher-Herstellers Sonos zeitweise mehr als zehn Prozent, erholten sich aber teilweise wieder; die Apple-Aktie gab nur leicht nach.
Das Vorhaben gilt in der Branche als Wettbewerbsversuch gegen etablierte Anbieter smarter Lautsprecher und Heimgeräte, auch wenn unklar ist, in welchem Umfang die bestehenden Lieferketten und Fertigungskapazitäten von OpenAI den geplanten Marktstart 2027 tatsächlich tragen können.
Unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits dürfte das Gerät nach Einschätzung von Bloomberg schon im Vorfeld der Markteinführung eine Debatte über den Umgang mit persönlichen Daten auslösen, da der Assistent unter anderem auf E-Mails zugreifen und zunehmend eigenständig handeln soll.
Fragen & Antworten
Was genau plant OpenAI als erstes eigenes KI-Gerät?
Nach Informationen von Bloomberg entwickelt OpenAI einen smarten Lautsprecher ohne Bildschirm, der als Begleiter im Haushalt dienen und als physische Verkörperung von ChatGPT fungieren soll. Das Unternehmen will das Gerät noch in diesem Jahr vorstellen und 2027 auf den Markt bringen.
Worum geht es in der Klage von Apple gegen OpenAI?
Apple wirft OpenAI vor, Geschäftsgeheimnisse genutzt zu haben, um die Entwicklung eigener Geräte zu beschleunigen. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und sieht nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine Verletzung von Geschäftsgeheimnissen.
Welche früheren Apple-Mitarbeiter sind an OpenAIs Hardware-Projekten beteiligt?
Zu den prägenden Köpfen gehören dem Bericht zufolge der frühere Apple-Designchef Jony Ive, die ehemalige Leiterin des Industriedesigns Evans Hankey, der frühere iPhone-Produktdesigner Tang Tan sowie Paul Meade, der bei Apple die Entwicklung der Vision Pro leitete.