Nur 313 Anträge auf Teilpension im ersten Halbjahr – Sozialministerium sieht Aufholbedarf
Wien, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
Im ersten Halbjahr 2026 haben in Österreich lediglich 313 Personen einen Antrag auf die neue Teilpension gestellt. Das Sozialministerium spricht von einem neuen Modell, das Zeit brauche, und kündigt gemeinsam mit den Sozialpartnern verstärkte Information an.
Im ersten Halbjahr 2026 haben in Österreich nach Daten der Pensionsversicherungsträger lediglich 313 Personen einen Antrag auf die Anfang des Vorjahres eingeführte Teilpension gestellt, womit die Erwartungen des Sozialministeriums von rund 10.000 Antragstellern pro Jahr deutlich verfehlt wurden.
Anträge nach Versicherungsträgern
Die Bilanz des ersten Halbjahres fällt damit weit hinter den Erwartungen zurück. Wie aus Daten der Pensionsversicherungsträger hervorgeht, die die Austria Presseagentur (APA) am Montag meldete, wurden in den ersten sechs Monaten lediglich 313 Anträge auf die neue Teilpension eingebracht. Das Sozialministerium war im vergangenen Jahr noch davon ausgegangen, dass sich rund 10.000 Menschen pro Jahr für die Teilpension entscheiden.
Den Löwenanteil der Anträge bearbeitete die Pensionsversicherungsanstalt (PVA): Dort gingen 289 Anträge ein. "Bei der Pensionsversicherung (PVA) wurden 289 Anträge gestellt", heißt es in der APA-Meldung. Weitere 19 Anträge verzeichnete die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS). Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) waren es 5 Anträge.
Starkes Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen
Auffällig ist das deutliche Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Insgesamt 227 Anträgen von Männern bei der PVA stehen nur 62 von Frauen gegenüber. Nahezu alle Frauen, die einen Antrag stellten, hatten bereits einen Anspruch auf eine reguläre Alterspension.
Langzeitversicherte dominieren unter den Antragstellern
Unter den Antragstellerinnen und Antragstellern dominierte eine bestimmte Gruppe: Jene mit Anspruch auf die Langzeitversichertenregelung, auch "Hacklerregelung" genannt. 104 Anträge kamen von ihnen. 89 Antragstellerinnen und Antragsteller waren reguläre Pensionsanwärter. 71 Anträge stellten Personen, die Anspruch auf eine Korridorpension haben. 25 Anträge betrafen Personen mit Anspruch auf eine Schwerarbeiterpension.
Genehmigungen und Voraussetzungen
Von den 289 bei der PVA eingegangenen Anträgen wurden bislang 118 bewilligt. "In 118 Fällen wurde die Teilpension zuerkannt", meldete die APA. Die Teilpension kann in Absprache mit dem Dienstgeber angetreten werden, sobald die Voraussetzungen für eine Alterspension erfüllt sind – sei es die reguläre Alterspension, die Korridorpension, die Langzeitversichertenregelung oder die Schwerarbeiterpension.
Verlauf der Antragszahlen im Halbjahr
Die geringe Nachfrage entwickelte sich über das Halbjahr betrachtet dynamisch. In den ersten beiden Kalendermonaten gingen 80 Anträge bei der PVA ein. Im März kamen weitere 81 Anträge hinzu. Im Mai wurden nur mehr 33 Anträge registriert, im Juni dann wieder 44 Anträge. Damit zeigte sich nach einem anfänglichen Anstieg eine schwankende, insgesamt aber verhaltene Inanspruchnahme.
Mit der Teilpaison sollen Beschäftigte länger im Erwerbsleben gehalten werden: Ältere Beschäftigte können einen Teil der Pension beziehen und gleichzeitig reduziert weiterarbeiten. Die Maßnahme ist Teil der österreichischen Pensionspolitik und wurde zu Jahresbeginn 2025 eingeführt.
Budgetäre Erwartungen deutlich verfehlt
Die budgetären Erwartungen an das neue Modell waren beträchtlich. Das Sozialministerium hatte Einsparungen in der Höhe von rund 200 Millionen Euro im Jahr 2026 und weitere 400 Millionen Euro für 2027 kalkuliert. Zu den budgetären Auswirkungen des deutlich unter den Erwartungen bleibenden Interesses an der Teilpension wollte das Sozialministerium unter Verweis auf die kurze Zeit, die die Regelung in Kraft ist, keine Einschätzung abgeben.
Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte lediglich: "Eine finanzielle Abschätzung ist nach so kurzer Zeit nicht seriös machbar". Gleichzeitig verwies das Ressort darauf, dass es sich um ein neues Modell handle. "Die Teilpension sei ein neues Modell und es brauche Zeit, bis es sich etabliere", hieß es aus dem Ministerium.
Ministerium kündigt Informationsoffensive an
Das Sozialministerium kündigte an, die Information über die Teilpension zu verstärken. "Gleichzeitig sehen wir, dass wir noch intensiver darüber informieren müssen", so das Sozialministerium, das werde man auch gemeinsam mit den Sozialpartnern tun. Das Ministerium will nun verstärkt über die Teilpension informieren.
Die unterschiedlichen Pensionsversicherungsträger verzeichneten dabei sehr unterschiedliche Antragszahlen, die in einem deutlichen Missverhältnis zur jeweiligen Größe der Versichertengruppen stehen. Während die PVA als größter Träger mit Abstand die meisten Anträge bearbeitete, blieben die Eingänge bei der SVS und der BVAEB im niedrigen einstelligen bzw. niedrigen zweistelligen Bereich.
Die Teilpension ist in das österreichische System mehrerer Alterspensionen eingebettet. Neben der regulären Alterspension stehen unter anderem die Korridorpension, die Schwerarbeiterpension sowie die Langzeitversichertenregelung zur Verfügung. Wer eine dieser Pensionen erreicht, kann in Absprache mit dem Arbeitgeber den gleitenden Übergang in den Ruhestand wählen und einen Teil der Pension beziehen, während das Arbeitsausmaß reduziert wird.
Die nun vorliegenden Halbjahreszahlen werden in Wien sowohl im Hinblick auf die Akzeptanz des Modells als auch auf die fiskalischen Erwartungen aufmerksam beobachtet. Sollte die Nachfrage auch in der zweiten Jahreshälfte deutlich hinter den ursprünglichen Annahmen zurückbleiben, wäre zumindest das vom Ministerium für 2026 angepeilte Einsparungsvolumen von rund 200 Millionen Euro gefährdet.
Für die kommenden Monate kündigte das Sozialministerium gemeinsam mit den Sozialpartnern eine Informationsoffensive an. Ziel sei es, die Bekanntheit der Teilpension bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie bei Arbeitgebern zu erhöhen. Wie viele zusätzliche Anträge dadurch ausgelöst werden könnten, ist offen – das Ministerium wollte auch dazu keine konkrete Prognose abgeben.
Fest steht, dass die bisherige Bilanz die anfängliche Erwartung von rund 10.000 Anträgen pro Jahr nicht annähernd erreicht. Bis Ende Juni 2026 wurde nicht einmal ein Drittel dieses Wertes auch nur in der ersten Hälfte erreicht, wobei die PVA mit 289 Anträgen den weitaus größten Teil der Eingänge verzeichnete. Das Ministerium wertet die Zahlen als Hinweis auf einen bislang unzureichenden Informationsstand und nicht als grundsätzliche Ablehnung des Modells.
Fragen & Antworten
Wie viele Personen haben im ersten Halbjahr 2026 einen Antrag auf Teilpension gestellt?
Nach Daten der Pensionsversicherungsträger haben im ersten Halbjahr 2026 lediglich 313 Personen einen Antrag auf die Teilpension gestellt – davon 289 bei der PVA, 19 bei der SVS und 5 bei der BVAEB.
Welche Einsparungen hatte das Sozialministerium für die Teilpension erwartet?
Das Sozialministerium hatte Einsparungen von rund 200 Millionen Euro für 2026 und etwa 400 Millionen Euro für 2027 kalkuliert. Zur tatsächlichen budgetären Entwicklung wollte das Ministerium wegen der kurzen Laufzeit der Regelung keine Einschätzung abgeben.
Wie will das Sozialministerium auf die geringe Nachfrage reagieren?
Das Sozialministerium erklärte, dass die Teilpension ein neues Modell sei und Zeit brauche, um sich zu etablieren. Es kündigte an, gemeinsam mit den Sozialpartnern verstärkt über die Teilpension zu informieren.
Teilpension 2026: Nur 313 Anträge im ersten Halbjahr | nachrichten360