Nordrhein-Westfalen ist laut einer am Montag (25. Mai 2026) veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) das Bundesland mit der besten kommunalen Daseinsvorsorge.

Für den „Gemeindecheck Daseinsvorsorge“ wertete das IW Daten aus 10.817 Kommunen aus und befragte zusätzlich rund 5.500 Menschen. Die Untersuchung wurde von der Tabakfirma Philip Morris in Auftrag gegeben.

Verglichen wurden die Gemeinden in fünf Kategorien: Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit), Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten und Krankenhäusern), Mobilität (ÖPNV-Anbindung, Brückenzustand), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen) und Bildung (Zugang zu Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen).

Hintergrund der Studie

Erstmals liefert eine IW-Studie so feingranulare Ergebnisse auf Gemeindeebene; zuvor lagen Daten nur für Landkreise vor. Studienautor Matthias Diermeier erklärte, die Arbeit solle Politikern mehr Informationen für künftige Entscheidungen über die öffentliche Daseinsvorsorge geben, etwa bei der Gesundheitsversorgung.

Diermeier betonte zudem, dass die Zufriedenheit der Menschen nicht nur aus guter Erreichbarkeit stamme, sondern auch aus der Qualität der angebotenen Leistungen.

Hinter dem Projekt steht der Tabakkonzern Philip Morris als Auftraggeber. Warum das Unternehmen die Studie finanzierte, wurde nicht näher erläutert.

Nordrhein-Westfalen erreicht im Bundesländervergleich den Spitzenplatz: 86 Prozent der Kommunen erhalten mindestens die Note „gut“, mehr als die Hälfte fällt in die Kategorie „sehr gut“. Lediglich einzelne Gebiete wie der Kreis Düren und der Hochsauerlandkreis schneiden schlecht ab.

Regionale Unterschiede

Am Ende der Tabelle liegt Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist mehr als jede zweite Gemeinde „sehr schlecht“ versorgt. Die Menschen müssen weitere Strecken zu Ärzten oder Schulen zurücklegen und haben oft mangelhaften Internetzugang.

Kleinere Städte in Ostdeutschland zeigen ein ermutigendes Bild: 30 Prozent der ostdeutschen Städte gelten als „sehr gut“ versorgt, im Westen sind es knapp 20 Prozent. So erreichte Friedrichroda im Landkreis Gotha Platz 10 von insgesamt 10.817 Gemeinden, Bad Tabarz Rang 71, Gotha 125, Eisenach 138 und die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt Rang 146. Das schlechteste Thüringer Ergebnis erzielte Gerstengrund im Wartburgkreis auf Platz 10.810.

Eine ergänzende repräsentative IW-Umfrage deckt politische Unterschiede in der Wahrnehmung auf: Anhänger der AfD sind mit den öffentlichen Dienstleistungen vor Ort besonders unzufrieden. IW-Studienautor Matthias Diermeier sagte: "AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr."

Methodik und politische Folgen

Die Methodik der Studie basiert auf 17 Einzelindikatoren, die aus den fünf Themenfeldern stammen. Erfasst wurden unter anderem Kitas, Schulen, Autobahnanschlüsse, der öffentliche Nahverkehr, Flughäfen, Ärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen, Theater, Museen, Schwimmbäder, Mobilfunk- und Breitbandversorgung.

Das IW hofft, dass die detaillierten Gemeindedaten politische Entscheidungen erleichtern. Diermeier zufolge könnten die Ergebnisse helfen, Ausbaumöglichkeiten bei der Gesundheitsversorgung oder bei anderen Infrastrukturen exakter zu identifizieren.

Zuerst wurde über die Studie im Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet. Die vorgestellten Daten fanden zudem am 25. Mai 2026 Eingang in die Radiosendungen von 1LIVE Infos und MDR Thüringen.