Wiener Hermann-Gmeiner-Park wird nach Missbrauchsvorwürfen umbenannt Wien, 8. April 2026
Der Hermann-Gmeiner-Park im Wiener Bezirk Innere Stadt erhält einen neuen Namen aufgrund von Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner.
Der Park soll künftig Börsepark heißen, wie der Kultur- und Wissenschaftsausschuss des Wiener Gemeinderats einstimmig beschlossen hat. Der neue Name orientiert sich an der Lage des Parks und soll eine klare Zuordnung innerhalb der Wiener Stadtstruktur ermöglichen.
## Entscheidung und Namensgebung Die Umbenennung erfolgte auf Initiative der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die die Entscheidung als notwendige Reaktion auf die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Gmeiner bezeichnete. „Wir haben auf die neuen Erkenntnisse und die damit verbundenen schwerwiegenden Vorwürfe rasch reagiert und zugleich eine Lösung gefunden, die breit getragen wird“, erklärte Kaup-Hasler.
Der Vorschlag für den neuen Namen hatte bereits auf Bezirksebene breite Zustimmung erhalten und wurde ohne Verzögerung auf städtischer Ebene weiterverfolgt. Die Stadträtin betonte, dass bei Fragen der Erinnerungskultur ein verantwortungsvoller und sensibler Umgang erforderlich sei. „Gerade bei Fragen der Erinnerungskultur braucht es einen verantwortungsvollen und sensiblen Zugang. Dazu gehört auch, aktuelle Erkenntnisse ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln und unsere Gesellschaft so zu gestalten, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen konsequent mitgedacht wird“, so Kaup-Hasler.
## Hintergrund der Vorwürfe Die SOS-Kinderdörfer hatten Ende Oktober 2025 erstmals Missbrauchsvorwürfe gegen Hermann Gmeiner öffentlich gemacht. Zwischen 2013 und 2023 wurden bei der Opferschutzkommission rund 200 Berichte über Missbrauch eingereicht, von denen acht Gmeiner betrafen. Einige der Betroffenen erhielten Entschädigungen von bis zu 25.000 Euro sowie Therapiesitzungen von den SOS-Kinderdörfern.
Anfang März dieses Jahres wurden weitere Vorwürfe gegen Gmeiner durch die Wochenzeitung „Falter“ bekannt. Die Enthüllungen lösten eine breite Debatte über den Umgang mit historischen Persönlichkeiten aus, die heute aufgrund neuer Erkenntnisse kritisch betrachtet werden müssen.
Die Umbenennung des Parks markiert einen weiteren Schritt in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und unterstreicht die Notwendigkeit, Opfer sexualisierter Gewalt ernst zu nehmen. Die Stadt Wien setzt damit ein Zeichen für die Aufarbeitung von Missbrauch und die Gestaltung einer Gesellschaft, in der der Schutz von Kindern und Jugendlichen Priorität hat.
