Milliardenauftrag für Offshore-Konverter: 50Hertz vergibt Auftrag an Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders
Berlin, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat den Bau einer Offshore-Konverterplattform im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables vergeben. Die Anlage des neuen 2-Gigawatt-Standards soll überwiegend in Rostock-Warnemünde gefertigt werden und ab Ende 2034 Windstrom aus der Nordsee ins deutsche Netz einspeisen.
Berlin, 17 Juni 2026
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat am Mittwoch in Berlin den Bau einer Offshore-Konverterplattform des neuen 2-Gigawatt-Standards an ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables vergeben.
Auftrag und Auftragnehmer
Der Auftrag ist Teil des Offshore-Netzanbindungsprojekts North Sea Connector 2 und umfasst eine Offshore-Plattform sowie eine Landstation. Die Plattform wird nach Angaben von 50Hertz rund 90 Meter lang, 50 Meter breit und 60 Meter hoch. Damit übertrifft sie die Fläche eines Bundesliga-Fußballfeldes (105 mal 68 Meter) deutlich.
Der Konverter wandelt den von Offshore-Windkraftanlagen erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom um, der mit geringeren Verlusten über lange Strecken an Land transportiert werden kann. Dort wird er an der Landstation wieder in Wechselstrom rückgewandelt und in das Übertragungsnetz eingespeist. Die HGÜ-Technik (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) wird ab Leistungen oberhalb von einem Gigawatt und Entfernungen über 100 Kilometer wirtschaftlich, weil die Wechselstrom-Übertragung dort an technische Grenzen stößt.
Technik und Standort
Auftragnehmer ist ein Konsortium aus den Unternehmen Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables, wie 50Hertz in Berlin mitteilte. Neptun Smulders ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Rostocker Neptun Werft, die zur niedersächsischen Meyer Werft Gruppe gehört, und der belgischen Stahlbaugruppe Smulders. Das Konsortium war 2023 eigens zu diesem Zweck gegründet worden.
Nach Angaben von 50Hertz sollen wesentliche Komponenten auf der Rostocker Neptun-Werft gefertigt werden. Die Stahlunterkonstruktion wird vom belgischen Partner Smulders in den Niederlanden hergestellt. Siemens Energy verantwortet die Hochspannungstechnik und rüstet die Plattform mit Stromübertragungstechnologien aus, die nach Unternehmensangaben ebenfalls überwiegend in deutschen Werken gefertigt werden.
Bedeutung für den Industriestandort
Zum ersten Mal sollten Offshore-Konverterplattformen des neuen 2-Gigawatt-Standards "überwiegend in Deutschland gebaut werden", erklärte 50Hertz. Das gilt als wichtiger Baustein für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland. Nach früheren Angaben der Bundesregierung werden für den deutschen Markt allein zwischen 2026 und 2045 rund 33 Plattformen mit einem Auftragsvolumen von jeweils 1,5 bis 2 Milliarden Euro benötigt.
Die Offshore-Konverter sollen rund 200 Kilometer westlich der Insel Sylt in der Nordsee installiert werden und Windstrom aus der Nordsee nach Deutschland transportieren. An Land ist die Station bei Mühlenbeck nahe Schwerin geplant. Die Konverteranlagen des NordOstLink sollen 2034 in Betrieb gehen.
Kommt dieser Auftrag zustande, würden sich die beiden Projekte zusammen auf ein Volumen für Neptun Smulders von rund 2,5 Milliarden Euro überwiegend für Produktion und Dienstleistungen in MV summieren. Für eine weitere Konverter-Plattform in gleicher Dimension sind laut 50Hertz Verhandlungen mit Neptun Smulders Offshore Renewables aufgenommen worden. Auch dafür sollten wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde gefertigt werden.
Stimmen aus Politik und Wirtschaft
Bei Neptun und Smulders sollen laut Schwesig zusammen etwa 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kämen bis zu weitere 500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern während der Bauphase. Bis zu 500 neue tarifgebundene Arbeitsplätze auf der Werft und weitere 500 Stellen bei Zulieferern könnten im Umfeld der Werft entstehen. Auch Siemens Energy erhielt einen Servicevertrag mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren, der geplante und ungeplante Wartung, IT-Dienste und Bereitschaftsdienste umfasst.
Nach Worten von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigt der Auftrag, welches Potenzial in der deutschen Wirtschaft steckt. Sie sprach von guten Nachrichten in Zeiten, die arm an guten Nachrichten seien - die deutsche Wirtschaft steckt seit Jahren in einer Schwächephase. Dieser Auftrag ist ein wirklich ermutigendes Signal, sagte die Ministerin. Weltweit gebe es nur wenige Unternehmen, die solche Anlagen überhaupt bauen könnten. Das wären dann ungefähr 100 von diesen Schätzchen, erklärte Reiche mit Blick auf die geplanten 300 Gigawatt Offshore-Leistung bis 2050.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach von einer hervorragenden Nachricht für ihr Land. Wir können das in Rostock, sagte sie mit Blick auf die Leistungsfähigkeit der Werft. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte die Verbindung von maritimem Know-how und Energiewende-Infrastruktur, die neue Perspektiven für die Küstenregion eröffne. Beide sprachen von einem großen Tag und einem wichtigen industriepolitischen Signal.
Der IG-Metall-Küste-Bezirksleiter Daniel Friedrich bezeichnete die Entscheidung als wichtigen Durchbruch für den Industriestandort und die Beschäftigten in der Region. Die Fertigung von Konverterplattformen darf nicht das Ende der Entwicklung sein, sondern muss der Anfang einer langfristigen industriellen Perspektive für die Küstenregion werden, warnte er. Jetzt kommt es darauf an, dass diesem Auftrag weitere folgen.
Ausblick: Weitere Aufträge und Zeitplan
Die Auftragsvergabe markiere die Rückkehr des Offshore-Konverterbaus nach Deutschland, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, Karina Würtz. Den letzten entsprechenden Anlagen bis zur 900-Megawatt-Klasse wurden den Angaben zufolge 2018 auf deutschen Werften gefertigt, danach verlagerte sich die Produktion demnach ins Ausland - Aufträge gingen unter anderem nach Spanien, Singapur, Indonesien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.
Es beweist, dass heimische Werften beim Bau von Offshore-Plattformen mittlerweile wettbewerbsfähige Angebote abgeben können, sagte 50Hertz-CEO Stefan Kapferer. Die Neptun-Werft-Geschäftsführung bezeichnete den Auftrag als bedeutenden Meilenstein für die Neptun Werft und damit auch für die gesamte Meyer Werft Gruppe. Wir reden von Zeiträumen bis 2035, hieß es mit Blick auf die Reichweite der Planungen.
Die eigentliche Produktion soll 2028 beginnen. Die für den Bau benötigten Flächen am Marinearsenal in Warnemünde stehen zunächst bis 2041 zur Verfügung. Danach müssen Bund, Marine und Unternehmen entscheiden, ob und wie die Zusammenarbeit an dem Standort fortgesetzt werden kann.
Kontext: Offshore-Ausbau in Europa
Gleichstrom hat bei langen Transportwegen deutlich geringere Verlustwerte als Wechselstrom. Einer der größten Industrieaufträge für Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren geht nach Rostock. Damit rückt die Energiewende-Infrastruktur stärker in den Fokus der deutschen Industriepolitik.
Die Anrainerstaaten der Nordsee planen den massiven Ausbau der Offshore-Windenergie: Bis 2050 sollen dort Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 300 Gigawatt entstehen. Die nun vergebene Plattform gilt als ein Signal dafür, dass Deutschland bei dieser Aufbauwelle wieder eine industrielle Rolle spielen will.
Fragen & Antworten
Wer hat den Auftrag für die Offshore-Konverterplattform erhalten?
Den Auftrag hat ein Konsortium aus Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables erhalten, wie der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz am 17. Juni 2026 in Berlin mitteilte. Neptun Smulders ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Rostocker Neptun Werft und der belgischen Smulders-Gruppe.
Welche Kapazität hat die bestellte Konverterplattform und wann soll sie in Betrieb gehen?
Die Plattform entspricht dem neuen 2-Gigawatt-Standard und soll im Rahmen des Projekts North Sea Connector 2 rund 200 Kilometer westlich von Sylt in der Nordsee installiert werden. Die Konverteranlagen sollen Ende 2034 in Betrieb gehen, die eigentliche Produktion ist ab 2028 geplant.
Wie viele Arbeitsplätze sollen durch den Auftrag in Rostock entstehen?
Nach Angaben von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sollen bei Neptun und Smulders zusammen etwa 500 neue Arbeitsplätze entstehen, hinzu kommen bis zu weitere 500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern während der Bauphase. Das Gesamtvolumen für Neptun Smulders könnte sich bei einem zweiten Auftrag auf rund 2,5 Milliarden Euro summieren.
Milliardenauftrag Offshore-Konverter: Rostock baut für | nachrichten360