Malta Wahl 2026: Labour siegt, Robert Abela vor vierter | nachrichten360
Maltas Labour-Partei gewinnt vorgezogene Parlamentswahl und steht vor vierter Amtszeit in Folge
Valletta, 31. Mai 2026
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Kurzfassung
Die sozialdemokratische Labour-Partei unter Premierminister Robert Abela hat die vorgezogene Parlamentswahl in Malta gewonnen. Damit steht die Partei vor ihrer historischen vierten Amtszeit in Folge, obwohl das endgültige Ergebnis noch aussteht.
Die regierende Labour-Partei unter Premierminister Robert Abela hat die vorgezogene Parlamentswahl am Samstag in Malta gewonnen und strebt eine historische vierte Amtszeit in Folge an.
Bereits am Sonntagmorgen erklärte sich der 48-jährige Abela zum Sieger, nachdem erste Hochrechnungen einen klaren Vorsprung seiner Partei zeigten. Im Auszählungszentrum in Naxxar brachen unter den in Rot gekleideten Anhängern Jubel und Feuerwerke aus.
Jubel in Naxxar und eine historische Ankündigung
„Wir haben Geschichte geschrieben, indem wir zum vierten Mal in Folge gewonnen haben“, sagte Abela in einer Fernsehansprache. Er sprach von einem „starken Mandat“ und rief dazu auf, den Geist der nationalen Einheit zu bewahren.
Der Vorsitzende der oppositionellen Nationalistischen Partei, Alex Borg, räumte die Niederlage ein. In einer Videobotschaft sagte der 30-jährige Rechtsanwalt: „Das Volk hat gesprochen, und wir müssen seinen Willen respektieren.“ Er habe Abela angerufen, um ihm zu gratulieren.
Charles Bonello, Generalsekretär der Nationalistischen Partei, erklärte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVM, seine Partei habe es geschafft, den Vorsprung der Labour-Partei deutlich zu verringern. Das endgültige amtliche Endergebnis stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.
Vorgezogene Wahl als Stabilitätssignal
Die Wahlbeteiligung lag bei über 87 Prozent und damit leicht höher als bei der vorherigen Parlamentswahl vor vier Jahren. Mehr als 300.000 Menschen waren in dem kleinsten und am dichtesten besiedelten EU-Mitgliedstaat wahlberechtigt.
Abela hatte die Wahl Ende April überraschend um ein Jahr vorgezogen. Er begründete diesen Schritt mit der Notwendigkeit eines neuen Mandats, um den von Importen abhängigen Inselstaat durch geopolitische Krisen und eine drohende Energiekrise zu führen.
Malta ist fast vollständig von Energieimporten abhängig. Die Folgen des Iran-Krieges hatten zuletzt Sorgen vor steigenden Kerosinpreisen und einer Belastung des für Malta wichtigen Tourismussektors sowie vor einer allgemeinen Inflation geschürt.
Die Labour-Partei führte ihren Wahlkampf mit Verweis auf das starke Wirtschaftswachstum, das seit ihrer Regierungsübernahme 2013 erzielt wurde. Im vergangenen Jahr wuchs die maltesische Wirtschaft um rund vier Prozent, und das Land verzeichnet eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in der Europäischen Union.
Wirtschaftsboom und seine Schattenseiten
Strom- und Treibstoffpreise sind in Malta seit fast zehn Jahren eingefroren und gehören zu den niedrigsten in der EU. Die Partei betonte zudem ihre Regierungserfahrung und Glaubwürdigkeit als Garant für Stabilität in unsicheren Zeiten.
Die oppositionelle Nationalistische Partei unter Alex Borg hatte im Wahlkampf kritisiert, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht in einer besseren Lebensqualität für die Bürger niederschlage. Sie verwies auf exzessive Bautätigkeit, tägliche Verkehrsstaus und mangelnde Transparenz bei den Staatsfinanzen.
Tatsächlich ist die Bevölkerung Maltas innerhalb eines Jahrzehnts um fast 30 Prozent gewachsen, vor allem durch Zuwanderung. Dies hat einen Bauboom ausgelöst, den Verkehr massiv verschärft und wichtige öffentliche Dienstleistungen unter Druck gesetzt. Umwelt- und Kulturerbeorganisationen warnen vor Schäden an der Landschaft und den UNESCO-Welterbestätten.
Auch das Thema Korruption, das in der Vergangenheit für politische Krisen gesorgt hatte, spielte im Wahlkampf eine untergeordnete Rolle. Einem Bericht des Europarats von 2025 zufolge hinkt Malta bei der Korruptionsbekämpfung weiterhin deutlich hinterher.
Das Erbe der Korruptionskrise
Abeas Vorgänger Joseph Muscat war nach einer politischen Krise zurückgetreten, die durch den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia ausgelöst worden war. Sie hatte Korruption auf höchster Ebene aufgedeckt.
Malta hat ein striktes Zweiparteiensystem, das aus der britischen Kolonialzeit stammt. Seit 1966 ziehen nur die Labour-Partei und die Nationalistische Partei ins Parlament ein; kleinere Gruppen scheitern stets an der Fünfprozenthürde. Kritiker bezeichnen dieses System als Machtkartell, das Vetternwirtschaft und Nepotismus begünstige.
Zweiparteiensystem unter Kritik
Die Wähler bestätigten dieses System auch bei dieser Wahl. Sechs Parteien standen zur Wahl, doch nur die beiden großen werden voraussichtlich im Parlament vertreten sein. Die Labour-Partei regiert Malta damit seit 13 Jahren ununterbrochen.
Robert Abela soll am Montagmorgen vereidigt werden. Sein Vater George Abela war von 1982 bis 1992 und erneut von 2009 bis 2014 Präsident Maltas. Die neue Regierung steht vor der Aufgabe, die Themen Zuwanderung, Rechtsstaatlichkeit und die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte anzugehen.
Ausblick: Vereidigung und Herausforderungen
Die maltesische Wirtschaft ist stark auf Tourismus, Online-Glücksspiel und Finanzdienstleistungen ausgerichtet. Schätzungen zufolge stammt etwa jeder zehnte in Malta verdiente Euro aus dem Online-Glücksspiel, für das das Land Lizenzen vergibt.
Trotz des erneuten Wahlsiegs deuten die vorläufigen Ergebnisse auf einen geringeren Vorsprung hin als bei der Wahl 2022, als Labour 55 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die endgültige Sitzverteilung im Parlament wird erst nach Abschluss der vollständigen Auszählung feststehen.
Fragen & Antworten
Wer ist Robert Abela?
Robert Abela ist der 48-jährige Premierminister von Malta und Vorsitzender der sozialdemokratischen Labour-Partei. Er führt die Regierung seit 2020 an und hat die Parlamentswahl 2026 gewonnen.
Warum hat Robert Abela die Wahl vorgezogen?
Abela begründete die vorgezogene Wahl mit der Notwendigkeit eines neuen Mandats, um Malta angesichts geopolitischer Krisen und einer drohenden Energiekrise sicher zu führen. Ursprünglich war die Wahl erst für das kommende Jahr vorgesehen.
Welche Rolle spielte Alex Borg bei der Wahl?
Alex Borg ist der 30-jährige Vorsitzende der oppositionellen Nationalistischen Partei und von Beruf Rechtsanwalt. Er räumte die Niederlage seiner Partei ein und gratulierte Robert Abela zum Wahlsieg.