Malta Wahl 2026: Labour gewinnt vierte Amtszeit in Folge | nachrichten360
Maltas Labour-Partei gewinnt vorgezogene Parlamentswahl und steht vor historischer vierter Amtszeit
Valletta, 31. Mai 2026
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Kurzfassung
Die sozialdemokratische Labour-Partei unter Premierminister Robert Abela hat die vorgezogene Parlamentswahl in Malta gewonnen. Damit steht das kleinste EU-Land vor einer historischen vierten Amtszeit in Folge, während Oppositionsführer Alex Borg seine Niederlage einräumte.
Die regierende Labour-Partei unter Premierminister Robert Abela hat die vorgezogene Parlamentswahl auf Malta am Samstag gewonnen und kann eine historische vierte Amtszeit in Folge antreten.
Nach Auszählung der Stimmen am Sonntag im zentralen Wahlzentrum in Naxxar erklärte sich Abela zum Sieger. „Wir haben Geschichte geschrieben, indem wir zum vierten Mal in Folge gewonnen haben“, sagte der 48-Jährige vor jubelnden Anhängern. Die Labour-Partei regiert den Mittelmeerstaat bereits seit 2013 ununterbrochen.
Die Wahl war ursprünglich erst für das kommende Jahr vorgesehen. Abela hatte sie jedoch Ende April 2026 überraschend um ein Jahr vorgezogen. Als Begründung nannte er die Notwendigkeit eines neuen Mandats, um das importabhängige Land durch geopolitische Krisen zu führen.
Vorgezogene Wahl und Begründung
Der konservative Herausforderer Alex Borg, Vorsitzender der Nationalistischen Partei, räumte die Niederlage noch am Sonntag ein. In einer Videobotschaft sagte er: „Das Volk hat gesprochen, und wir müssen seinen Willen respektieren.“ Borg, ein Rechtsanwalt und ehemaliger Gewinner des Schönheitswettbewerbs „Mr. World Malta“, hatte im Wahlkampf für einen politischen Wechsel geworben.
Charles Bonello, Generalsekretär der Nationalistischen Partei, gestand die Niederlage im öffentlich-rechtlichen Sender TVM ein. Er betonte jedoch, seine Partei habe die Mehrheit der Labour-Partei deutlich verringern können. Genaue amtliche Endergebnisse lagen am Sonntagmorgen noch nicht vor.
Wahlbeteiligung und Stimmung im Land
Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Angaben bei 87,4 Prozent und damit leicht über dem Wert der vorangegangenen Parlamentswahl vor vier Jahren. Mehr als 300.000 Menschen waren wahlberechtigt. Die Wahllokale hatten am Samstag um 22:00 Uhr geschlossen, die Stimmzettel wurden über Nacht nach Naxxar transportiert.
In mehreren Orten des Inselstaats wurden Feuerwerke gezündet. Anhänger der Labour-Partei in roter Parteifarbe skandierten am Wahlzentrum „Vier Mal!“. Die 73-jährige Margaret Camilleri sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Ich wähle Labour, seit ich ein kleines Mädchen war. Ich bin begeistert, dass sie Geschichte geschrieben haben.“
Malta ist der kleinste und am dichtesten besiedelte Mitgliedstaat der Europäischen Union. Das Land mit rund 550.000 Einwohnern trat der EU 2004 bei. Seine Wirtschaft stützt sich stark auf Tourismus, Online-Glücksspiel und Finanzdienstleistungen. Allein das Online-Glücksspiel macht etwa jeden zehnten auf Malta verdienten Euro aus.
Wirtschaftliche Lage und Schattenseiten
Die Wirtschaft des Landes wuchs im vergangenen Jahr um rund vier Prozent. Malta verzeichnet zudem eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in der Europäischen Union. Strom- und Treibstoffpreise sind seit fast einem Jahrzehnt eingefroren und die niedrigsten in der EU. Allerdings ist Malta bei der Energieversorgung fast vollständig auf Importe angewiesen.
Trotz der positiven Wirtschaftsdaten gibt es im Land wachsende Sorgen. Die Bevölkerung ist innerhalb eines Jahrzehnts um fast 30 Prozent gewachsen, vor allem durch Zuwanderung. Dies hat einen Bauboom ausgelöst, den Verkehr erhöht und wichtige öffentliche Dienstleistungen belastet. Umwelt- und Kulturerbeorganisationen warnen vor Schäden an Maltas Landschaft und UNESCO-Welterbestätten.
Steigende Wohnungspreise und Mieten belasten große Teile der Bevölkerung. Oppositionsführer Borg hatte im Wahlkampf kritisiert, dass sich das Wirtschaftswachstum nicht in einer besseren Lebensqualität niederschlage. Zudem wachsen die Befürchtungen, dass der Iran-Konflikt durch steigende Kerosinpreise den Tourismus und die Inflation belasten könnte.
Korruption und politische Vorgeschichte
Das Thema Korruption spielte im Wahlkampf hingegen keine große Rolle. Dabei hinkt Malta laut einem Bericht des Europarats von 2025 im Kampf gegen Korruption weiterhin deutlich hinterher. Abelas Vorgänger Joseph Muscat war nach einer politischen Krise zurückgetreten, die durch den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia ausgelöst worden war. Sie hatte Korruption auf höchster Ebene aufgedeckt.
Abela, dessen Vater George Abela von 2009 bis 2014 maltesischer Präsident war, hatte im Wahlkampf die wirtschaftliche Bilanz seiner Partei seit 2013 hervorgehoben und Stabilität in unsicheren Zeiten versprochen. In einer Fernsehansprache sagte er laut Times of Malta: „We've written history. This is a victory for all of Malta.“
Das maltesische Zweiparteiensystem
Malta hat ein strenges Zweiparteiensystem, das aus der britischen Kolonialzeit stammt. Seit 1966 ziehen nur Labour und die Nationalistische Partei ins Parlament ein. Kleinere Parteien erhalten regelmäßig weniger als fünf Prozent der Stimmen. Kritiker bezeichnen das System als Machtkartell, das Vetternwirtschaft und Nepotismus begünstige.
Die konservative Opposition hatte versucht, mit der Angst vor ausländischer Unterwanderung und Identitätsverlust zu punkten, scheiterte damit aber. Die Wähler bestätigten das Zweiparteiensystem. Abela erklärte, er wolle Premierminister für alle Bürger Maltas sein, und rief dazu auf, den positiven nationalen Geist zu bewahren: „Let's keep the positive national spirit.“
Fragen & Antworten
Wer ist Robert Abela?
Robert Abela ist der 48-jährige Premierminister Maltas und Vorsitzender der sozialdemokratischen Labour-Partei. Er führt die Regierung seit 2020 und hat die Parlamentswahl 2026 vorgezogen, um ein neues Mandat zu erhalten.
Warum hat Robert Abela die Wahl um ein Jahr vorgezogen?
Abela begründete die vorgezogene Wahl mit geopolitischen Krisen und der Notwendigkeit eines neuen Mandats, um das importabhängige Malta durch unsichere Zeiten zu führen.
Welche Probleme beschäftigen die Menschen in Malta derzeit?
Neben steigenden Wohnkosten und einer hohen Bevölkerungszunahme durch Zuwanderung sorgen sich viele Malteser um die Folgen des Iran-Konflikts für den Tourismus und die Inflation sowie um Umwelt- und Infrastrukturprobleme.