Madonna „Confessions II“ Review: Dancefloor-Comeback 2026 | nachrichten360
Madonna veröffentlicht „Confessions II“: Eine nostalgische Tanzparty als Rückkehr zum Dancefloor
Wien, 3. Juli 2026
chrisweger / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Madonna hat mit „Confessions II“ 21 Jahre nach „Confessions on a Dance Floor“ ein neues Album veröffentlicht, das als 64-minütiges DJ-Set konzipiert ist. Die Rezension hebt den eingängigen Dancefloor-Sound, prominente Gäste wie Sabrina Carpenter und Stromae sowie persönliche Einblicke der 67-Jährigen hervor.
Die Popikone Madonna hat am 3. Juli 2026 ihr neues Album „Confessions II“ veröffentlicht, das als direkte Fortsetzung ihres Erfolgswerks „Confessions on a Dance Floor“ aus dem Jahr 2005 konzipiert ist und mit 16 ineinander übergehenden Songs eine komplette Clubnacht simuliert.
Madonna hat es ja nicht leicht. Die Erwartungen an ein neues Album waren groß, als sie im April nach sieben Jahren Pause eine Platte ankündigte. Die letzten Veröffentlichungen zündeten nicht, vermehrt landete die Künstlerin mit Äußerlichkeiten als mit Musik in den Schlagzeilen. Nun liegt „Confessions II“ vor – und das Album ist erstaunlich eingängig geworden.
Was 2005 funktionierte, soll auch 2026 wieder helfen: Madonna will an den Erfolg von „Confessions on a Dance Floor“ anknüpfen, das nach dem kommerziellen Tiefpunkt „American Life“ (2003) ihrer Karriere neuen Schwung gab. Wieder mit an Bord ist Stuart Price als Produzent, der bereits den ersten Teil verantwortete. Auch dieses Mal ist das Album dramaturgisch wie eine Clubnacht angelegt.
Dramaturgie einer Clubnacht
Mit moderatem Beat geht es zum Aufwärmen los, das Tempo steigert sich zu einer schwitzigen Angelegenheit mit beschleunigten Takten, bevor eine Ruhephase mit leiseren Tönen die 64 Minuten – beziehungsweise 63 Minuten, wie andere Quellen angeben – abrundet. Alle Songs gehen ineinander über wie bei einem DJ-Set, was den durchgehenden Dancefloor-Charakter des Werks unterstreicht.
Auf 16 Titeln zeigt sich Madonna von ihrer tanzbaren Seite. Mit „Everything“ startet die Schwitzphase dieses Turbo-Tanztees, wo man förmlich die Lasershow im schnellen Takt flackern sieht. „Bizarre“ verwendet einen Klangteppich, auf dem sich auch Lady Gaga beglückt wälzen würde; den Track produzierte der niederländische EDM-DJ Martin Garrix, der Madonnas Gesang mit Eurythmics' „Sweet Dreams“ mischt.
„Love Sensation“ bringt einen „Good Vibration“-Chor mit, der nicht erst nach der Einnahme von entsprechenden Substanzen ein bisschen nach den Minions klingt. „Love without Words“ schubbert metallisch zu einer Liebeserklärung an Trance, House und Techno, ohne wirklich nach Techno zu klingen.
Den Höhepunkt der Hochgeschwindigkeitsdisco markiert laut Rezensentin Helene Slancar „School“: Der Song klinge, als hätte jemand alle Knöpfe am Mischpult gleichzeitig ausprobiert. Auch wenn der ganz große Hit fehle, der noch Jahrzehnte später ins Ohr geht wie einst „Hung Up“ – seinerzeit das wohl beste ABBA-Sampling – bleibt das Album nach Ansicht der Kritik in der Breite überzeugend.
Höhepunkte und Gäste
Die Chill-Phase startet mit „Fragile“, einem Song über Madonnas kürzlich verstorbenen Bruder Christopher Ciccone. Danach folgt mit „Betrayal“ ein Titel, in dem sich Madonnas Stimme um Eric Saties „Gnossienne No. 1“ schmiegt und ihre Geschichte des Überlebens betont – allerdings fällt der Song gegen das darauffolgende Stück ab.
„The Test“ wiederum wird als Album-Highlight gehandelt: Es ist ein überraschend subtiles Zwiegespräch mit Madonnas Tochter Lourdes Leon, angesprochen als „Little Star“, wie bereits auf „Ray of Light“ (1998). Der Titel kreist um mütterliche Gewissensbisse und den Preis eines Lebens im Rampenlicht.
Eine zweite prominente Zusammenarbeit findet sich auf „Bring Your Love“ mit Sabrina Carpenter, die ihre „beste verführerische Hauchstimme anschlägt“. Madonna antwortet darauf abgeklärt, „wie die zwei Generationen ältere Wahltante, die schon ein paar Mal zu oft im Swingerclub war“. Für „My Sins Are My Saviour“ leiht der belgische Musiker Stromae seine „buttrige, französische Sprechstimme“; der religiöse Duktus des Songs könnte sich auf das kontroverse Album „Erotica“ (1992) beziehen.
Blicke zurück auf New York
Neben diesen Kooperationen finden sich Verweise auf die eigene Vergangenheit: „Danceteria“ erinnert an den New Yorker Club, in dem Madonna ihre ersten Schritte Richtung Popstar machen konnte. Das Stück ist eine flotte Hommage mit Namedropping – Keith Haring, Lou Reed und Ex-Freund Jean-Michel Basquiat werden erwähnt – und einer Konglomeration an Zitaten früherer Hits wie „Everybody“ oder der berühmten „Vogue“-Aufzählung. „Girl“ wiederum greift die Erinnerung an Madonnas junge Jahre in der Lower East Side auf und knüpft damit auch an „Confessions I“ an.
In „I feel free“ wird das Klangbild um anzügliches Stöhnen ergänzt, in „Good for the Soul“ bekommt Madonna einen Hall auf die Stimme, „dass jeder leere Raum neidisch wird“. In „One Step Away“ blubbert es entrückt summend über einem „balearisch anmutenden Housebeat aus den Neunzigern“; die Eröffnungszeilen lauten: „It's a threshold, a ritualistic space where movement replaces language“.
Es liegt in der Natur des Beicht-Charakters, dass „Confessions II“ mitunter ein recht geschwätziges Album ist. Vielen Songs stellt Madonna banale Weisheiten à la „Alles beginnt mit Bewusstsein“ voran. An anderer Stelle heißt es: „I can be whoever I want to be“. Das erste richtige Instrument auf dem Album ist in „Read my Lips“ zu hören – eine Gitarre; später folgt in „My Sins are my Savior“ mit Stromae ein Klavier.
Begleitfilm und mediale Auftritte
Begleitet wird „Confessions II“ von einem Kurzfilm, in dem sich die Musikerin gemeinsam mit Produzentin Arca, dem Schauspieler Benedict Cumberbatch oder dem Model Kate Moss durchs Nachtleben räkelt. Als Vorgeschmack veröffentlichte Madonna zuvor ein 13-minütiges Sex-Filmchen; ein Video, in dem laszive Frauen mit Fetischmasken Laserstrahlen aus ihrem Schritt schossen, sorgte online für Heiterkeit. Ihren jüngsten Auftritt am Times Square streamte sie exklusiv auf Grindr.
Nackt sein möchte Madonna nicht mehr unbedingt, wie sie erst kürzlich in einem Interview erzählte. Das sei heute „viel zu gewöhnlich geworden“. Als 67-jährige Musikerin, die gerne über Lust und Körper spricht, liefert sie dennoch öffentlichkeitswirksame Tabubrüche. Auch weil sie mit Martin Garrix, Stromae und Sabrina Carpenter namhafte Gaststars dabei hat, gelingt ihr laut Kritik ein bemerkenswertes Comeback.
Kritiken und Ausblick
Die Reaktionen fallen überwiegend wohlwollend aus: „Die Welt“ jubelt von einem „erstaunlichen Comeback“, weitere Blätter wie „FAZ“, „People“, „Rolling Stone“ und „Variety“ schließen sich an, und die BBC erkennt gar eine „hypnotische Dancefloor Odyssee“. „Hung Up“ (2005), das seinerzeit mit dem ABBA-Sample Kultstatus erreichte – „Das Go gab's erst nach Zögern von Benny und Björn“, wie die Rezensentin anmerkt – bleibt aber für viele der Maßstab.
Was noch folgt, ist die Verfilmung ihres Lebens: Madonna arbeitet an einem Biopic mit Universal, das allerdings „erst kürzlich in den Sand gesetzt wurde und nun eine Serie für Netflix werden soll“. Mit „Confessions II“ liefert die Künstlerin vorerst die musikalische Zugabe zu diesem Projekt – auf 64 Minuten, mit viel technischem Aufwand produziert und einigen sehr persönlichen Einblicken ins Leben der amtierenden „Queen of Pop“.
Fragen & Antworten
Was ist „Confessions II“ und wie hängt es mit früheren Madonna-Alben zusammen?
„Confessions II“ ist das neue Album von Madonna, seit dem 3. Juli 2026 erhältlich und als Fortsetzung von „Confessions on a Dance Floor“ (2005) angelegt; erneut produziert von Stuart Price.
Wer singt neben Madonna auf „Confessions II“?
Zu den Gaststars gehören Sabrina Carpenter auf „Bring Your Love“, Stromae mit einer französischen Sprechstimme auf „My Sins Are My Saviour“ und ihrer Tochter Lourdes Leon auf „The Test“; außerdem wirkte der EDM-DJ Martin Garrix an „Bizarre“ mit.
Wie haben Kritikerinnen und Kritiker auf das Album reagiert?
„Die Welt“ sprach von einem „erstaunlichen Comeback“, „FAZ“, „People“, „Rolling Stone“ und „Variety“ zeigten sich ebenfalls angetan, und die BBC befand das Werk gar zu einer „hypnotischen Dancefloor Odyssee“; ein wirklich dauerhafter Hit à la „Hung Up“ wird dem Album bislang aber nicht zugeschrieben.