Leo XIV. besucht das Grab Gaudís in der Sagrada Família zum 100. Todestag des Architekten
Barcelona, 09 Juni 2026
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Kurzfassung
Leo XIV. wird am Mittwoch in die Krypta der Sagrada Família hinabsteigen, um das Grab von Antoni Gaudí anlässlich dessen 100. Todestages zu besuchen. Zudem will er den neu vollendeten Jesus-Turm der Basilika symbolisch einweihen und segnen.
Barcelona, 09 Juni 2026
Leo XIV. wird am Mittwoch in Barcelona in die Krypta der Sagrada Família hinabsteigen, um das Grab des Architekten Antoni Gaudí anlässlich dessen 100. Todestages zu besuchen und den neuen Jesus-Turm der Basilika symbolisch einzuweihen.
Meistbesuchtes Bauwerk Spaniens
Die Basilika Sagrada Família ist das meistbesuchte Bauwerk Spaniens und das Herzstück eines Stadtviertels, das vom Massentourismus geprägt ist. Im Jahr 2025 strichenen fast 4,9 Millionen Besucher die Kirche, die Einnahmen von 134,5 Millionen Euro generierten. Der Bau werde ausschließlich durch Spenden und Eintrittsgelder finanziert, teilten die Verantwortlichen mit; Karten beginnen bei 26 Euro und müssten rund zwei Wochen im Voraus gebucht werden.
Der Grundstein der Sagrada Família wurde 1882 gelegt, doch erst der 1926 verstorbene Antoni Gaudí prägte das Projekt mit seiner unverwechselbaren Formsprache. „Mein Kunde hat keine Eile“, soll Gaudí auf Fragen zur Bauzeit geantwortet haben – und behielt Recht: Zu seinem Tod am 10. Juni 1926 war die Kirche erst zu etwa 15 Prozent fertiggestellt. Er starb drei Tage nach einem Zusammenstoß mit einer Straßenbahn in einem Armenkrankenhaus; zunächst hatte niemand dem Schwerverletzten geholfen, weil seine ärmliche Kleidung ihn als Bettler erscheinen ließ.
Vom Armenkrankenhaus in den Himmel
Im Spanischen Bürgerkrieg ab 1936 wurde zudem sein Atelier zerstört, die Baupläne, Gipsmodelle und Zeichnungen gingen größtenteils verloren. Architekten, die mit Gaudí gearbeitet hatten, rekonstruierten die Entwürfe aus Fragmenten der Modelle und Fotografien, unterstützt von Gaudís mathematisch bestimmten Plänen. Heute, ein Jahrhundert nach seinem Tod, nähert sich das Monument seinem Abschluss: Die Fertigstellung wird in den 2030er Jahren erwartet.
Wie Robert Prevost war auch Antoni Gaudí von Demut und tiefem Glauben geprägt. Gaudí hatte die Kirche ursprünglich als „Bibel aus Stein“ konzipiert, um Arbeiter und ihre Familien, die unter den Bedingungen der Industrialisierung litten und oft nicht lesen konnten, zu trösten. Auch das Erscheinungsbild folgt seinem Credo, dass die gerade Linie, denn die „gehört zum Menschen, die krumme Linie gehört zu Gott“ – weshalb er im Bauwerk bewusst auf gerade Linien verzichtete.
Steinerner Wald und mystisches Licht
Das Innere der Basilika gleicht einem steinernen Wald: Säulen verzweigen sich zur Decke hin wie Bäume, während bunte Glasfenster das Licht von Grün (Geburt) zu Rot (Leiden und Tod) wandeln. Gaudí sprach von "mystischem Licht".
Höchste Kirche der Welt
Im Februar 2026 erreichte der zentrale Jesus-Turm mit der Installation eines begehbaren Doppelkreuzes seine endgültige Höhe von 172,50 Metern. Damit ist die Sagrada Família die höchste Kirche der Welt, ein Titel, der zuvor dem Ulmer Münster zukam. Das weithin sichtbare Doppelkreuz aus Stahl und Glas wurde in Deutschland gefertigt. Das rund 100 Tonnen schwere Kreuz soll ab 2027 öffentlich zugänglich sein.
Den Turm darf der Papst, der ihn nach der Messe symbolisch einweihen und segnen wird, noch nicht hinauf. Bei seinem Besuch steht jedoch vor allem das Gedenken an Gaudí im Mittelpunkt, getreu dem Motto des Papstbesuches in Spanien ("Erhebt den Blick"). Leo XIV., das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken, hatte erst im April während einer Afrikareise an die Würde aller Menschen erinnert und gefordert, dass Migranten nicht schlechter als Haustiere behandelt werden dürften.
Touristenboom und Verdrängung
Der Besuch fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Tourismus und Anwohnerschaft. Eine 55-jährige Katalanin namens Nuria, die in der Nähe der Sagrada Família lebt, sagte: "Als Kind war ich mit meinen Eltern oft in der Sagrada Família, aber heute ist das wegen der vielen Touristen viel zu schwierig". Eine Ladenbesitzerin namens Carmen klagte: "Ich brauche eine halbe Stunde, um die paar Blocks zu einem Supermarkt zu kommen, so viele Touristen sind ständig unterwegs". Souvenirhändler hingegen profitieren: Ein nepalesischer Verkäufer namens Alex berichtete: "Gerade jetzt kaufen die Leute mehr als sonst".
Weniger profitieren Menschen wie George aus Rumänien, der auf Pappe in einem Park schläft und durch Betteln etwa sieben Euro pro Tag einnimmt. "Wenn ich Glück habe, komme ich auf sieben Euro am Tag", sagte er. Auch Gläubige, die an den kostenlosen Messen teilnehmen wollen, müssen sich auf stundenlanges Anstehen einstellen. Besucher wie Lace, der mit Frau und Tochter aus Vietnam anreiste, kommen vor allem wegen der Architektur und aus religiösen Gründen: "Wir sind katholisch und vor allem wegen der grandiosen Architektur hier, aber auch aus religiösen Gründen".
Der Ansturm verändert das Viertel: Mieten steigen, Bewohner werden verdrängt, Wohnungen in Ferienunterkünfte umgewandelt, kleine Läden durch Souvenirgeschäfte ersetzt. So steht der Papstbesuch an einem Ort, der für Millionen Menschen ein Sehnsuchtsziel ist – für die Nachbarschaft aber zunehmend zur Belastung wird.
Barcelona begeht in diesem Sommer den 100. Todestag Gaudís. Mit dem Jesus-Turm hat die Sagrada Família nach 144 Jahren Bauzeit einen entscheidenden Meilenstein erreicht, auch wenn die Vollendung weiter auf sich warten lässt – ganz im Sinne des Architekten, der einmal sagte: „Mein Kunde hat keine Eile“.
Fragen & Antworten
Warum besucht Leo XIV. die Sagrada Família?
Er gedenkt des 100. Todestages von Antoni Gaudí, besucht dessen Grab in der Krypta und weiht symbolisch den neu vollendeten Jesus-Turm der Basilika ein.
Wie hoch ist der neue Jesus-Turm der Sagrada Família?
Der zentrale Jesus-Turm erreichte im Februar 2026 mit dem begehbaren Doppelkreuz seine endgültige Höhe von 172,50 Metern und macht die Sagrada Família damit zur höchsten Kirche der Welt.
Wann wird die Sagrada Família voraussichtlich fertiggestellt?
Die Fertigstellung der Basilika wird laut den Verantwortlichen in den 2030er Jahren erwartet; der Grundstein wurde bereits 1882 gelegt.
Leo XIV. in Barcelona: Gaudí-Gedenken an der Sagrada Família | nachrichten360