Koalition der Willigen: Paris-Beratung über Ukraine-Hilfen am 13. Juli 2026
Paris, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Die Koalition der Willigen aus mehr als 35 westlichen Unterstützerländern der Ukraine kommt am Montagabend in Paris zu Beratungen über weitere Hilfen zusammen. Themen sind nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron unter anderem Raketenabwehr, mögliche gemeinsame Militärmanöver sowie Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
Die Koalition der Willigen aus mehr als 35 westlichen Unterstützerländern der Ukraine berät am Montagabend in Paris über weitere militärische und politische Hilfen für die Ukraine, die sich seit Februar 2022 einer russischen Invasion erwehrt.
Beratungen in Paris
Die sogenannte Koalition der Willigen aus westlichen Unterstützerländern der Ukraine kommt am Montag zu Beratungen in Paris zusammen. Das Treffen findet nur wenige Tage nach dem Nato-Gipfel der vergangenen Woche statt, bei dem es neue Unterstützungszusagen für die Ukraine gegeben hatte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist nach Angaben der Bundesregierung ebenfalls zu den Gesprächen.
Bei den Gesprächen des von Frankreich und Großbritannien angeführten Bündnisses soll es nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron unter anderem um das Thema Raketenabwehr und mögliche gemeinsame Militärmanöver gehen. Auch Sicherheitsgarantien für die Ukraine und die weitere Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes stehen auf der Tagesordnung.
Pariser Erklärung und Pläne für eine multinationale Truppe
Anfang des Jahres verständigte sich das Bündnis in einer Pariser Erklärung darauf, der Ukraine rechtlich verbindlich zuzusichern, sie im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. Außerdem steckte die Koalition den Rahmen einer multinationalen Truppe ab, die als Abschreckung dienen und in Friedenszeiten die ukrainischen Streitkräfte unterstützen soll, etwa bei der Ausbildung junger Soldaten oder der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete.
In der Koalition der Willigen haben sich mehr als 35 Länder zusammengeschlossen. In Paris kommen am frühen Abend Staats- und Regierungschefs aus 25 westlichen Unterstützerländern der Ukraine zu Beratungen zusammen. Unklar war, ob auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei den Beratungen in Paris dabei sein wird.
Patriot-Munition als Kernforderung
Selenskyj hatte zuletzt seine Forderung nach neuer Munition für die Patriot-Flugabwehr erneuert. Die Patriot-Flugabwehr ist bisher die wirksamste Waffe gegen Russlands ballistische Raketen. Munition dafür wurde zuletzt aber immer knapper, vor allem weil die USA und Israel viele Patriot-Raketen im Irankrieg eingesetzt hatten. PAC-3 sind knapp, die Produktion in den USA läuft langsam.
US-Präsident Donald Trump hatte der Ukraine beim Nato-Gipfel in Ankara eine Lizenz zum Bau von Munition für das Flugabwehrsystem Patriot in Aussicht gestellt. Selenskyj bemüht sich nach Kräften darum, neue Munition für die Patriot-Flugabwehrsysteme seines Landes von den Partnern zu bekommen.
EU-Sanktionen und US-Gesetzgebung
Parallel zu den Pariser Beratungen erörtern die EU-Außenminister in Brüssel mögliche neue Sanktionen gegen Russland. Es wäre das 21. Sanktionspaket mit Handelsbeschränkungen und anderen Maßnahmen. Unklar ist, ob auch schon ein umfassendes neues Paket mit Handelsbeschränkungen und anderen Maßnahmen in Kraft treten kann. Geplant ist, weitere Sanktionen gegen Personen, Einrichtungen und Organisationen aus Russland zu verhängen.
Aus Deutschland wird Außenminister Johann Wadephul (CDU) zu den Gesprächen in Brüssel erwartet. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha ist zu einem informellen Gedankenaustausch nach Brüssel eingeladen. Die Verhandlungen darüber dauern nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas noch an, es gebe noch offene Fragen.
Sie hoffe jedoch, dass die Mitgliedstaaten sich bei den anstehenden Beratungen darauf verständigen könnten, 250 weitere russische Personen und Einrichtungen auf die Sanktionsliste zu setzen. In den USA kündigten unterdessen einflussreiche Senatoren beider Parteien vergangene Woche an, sich mit der US-Regierung auf neue Sanktionen gegen Russland verständigt zu haben. Das Gesetz sieht unter anderem eine Bestrafung von Staaten vor, die russisches Gas und Öl abnehmen. Eine Erklärung des Weißen Hauses steht allerdings noch aus.
Kriegsverlauf: Kämpfe im Osten und Drohnenangriffe
Unter den Unterzeichnern der Erklärung ist auch der Republikaner Lindsey Graham, der am Wochenende kurz nach der Rückkehr von einem Besuch in der Ukraine überraschend verstarb und als wichtiger Unterstützer Kiews galt. Sein Tod könnte die Dynamik der parlamentarischen Bemühungen um neue Russland-Sanktionen in Washington beeinflussen.
In der Ukraine gehen die Kampfhandlungen unterdessen unvermindert weiter. Die russischen Truppen seien bei ihren Angriffen von der Luftwaffe unterstützt worden, die über 150 Gleitbomben gegen ukrainische Stellungen eingesetzt habe. Schwerpunkte seien zuletzt die Umgebung von Kostjantyniwka, Kramatorsk sowie Slowjansk gewesen, erklärte der Generalstab in Kiew in seinem Lagebericht am Sonntagabend.
In der Nacht auf Sonntag seien eine Ölraffinerie in der russischen Region Samara und 14 russische Schiffe angegriffen worden, teilte die Ukraine mit. Neben der Raffinerie haben die ukrainischen Drohnen nach Angaben aus Kiew auch zehn Öltanker und vier Fähren im Asowschen Meer getroffen. Das russische Militär hat eigenen Angaben nach in der Nacht 349 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Das russische Vorgehen wurde international scharf verurteilt. Moskau verlangt ein Mitspracherecht und lehnt eine Stationierung ausländischer Truppen in der Ukraine vehement ab, hat den von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg aber selbst ausgelöst. Bei ukrainischen Drohnenangriffen in Russland wurden nach russischen Behördenangaben vier Menschen getötet.
Allein in Istra westlich von Moskau seien drei Personen infolge einer herabstürzenden Drohne getötet worden, wie der örtliche Gouverneur Andrej Worobjow via Telegram mitteilte. Eine weitere Tote infolge ukrainischer Drohnenangriffe wurde aus der westrussischen Region Belgorod gemeldet. In der Region Stawropol teilte Gouverneur Wladimir Wladimirow auf Telegram mit, dass infolge der Angriffe ein Feuer in einem Industriegebiet ausgebrochen sei. Opfer wurden zunächst nicht gemeldet.
Innenpolitische Umbrüche in Kiew und Ausblick
Innenpolitisch kündigte Selenskyj unterdessen eine Kabinettsumbildung an. Unter anderem will er Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko austauschen. Er begründete dies unter anderem mit einem außenpolitischen Strategiewechsel. Unabhängig davon haben die russischen Behörden laut FSB zwei geplante ukrainische Drohnenangriffe auf Luftwaffenstützpunkte tief im Landesinneren vereitelt, darunter Schagol im Ural und Ukrainka im Fernen Osten. Vor einem Jahr hatte die Ukraine russische Luftwaffenstützpunkte tief im Landesinneren angegriffen und dabei nach US-Angaben rund zehn russische Militärflugzeuge zerstört.
Nach den Beratungen am Montag nehmen an der Koalition der Willigen beteiligte Länder am Dienstag mit Soldaten an der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag teil. Mit dabei ist heuer auch eine Abordnung des Bundesheeres, bestehend aus 23 Gardesoldaten. Die Beratungen sollen zudem einen möglichen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine absichern.
Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden. Eine unabhängige Prüfung der Angaben war nicht möglich.
Bei der Bewertung von Informationen sind verschiedene Quellen und eine kritische Haltung unerlässlich. Quellen für diesen Bericht sind Nachrichtenagenturen und SRF.
Fragen & Antworten
Wer nimmt an den Beratungen der Koalition der Willigen in Paris teil?
An den Beratungen in Paris nehmen Staats- und Regierungschefs aus 25 westlichen Unterstützerländern der Ukraine teil; insgesamt zählt das Bündnis mehr als 35 Mitglieder. Aus Deutschland reist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an, unklar war zunächst die Teilnahme des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Welche Themen stehen bei dem Treffen in Paris im Mittelpunkt?
Nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron geht es unter anderem um Raketenabwehr, mögliche gemeinsame Militärmanöver, Sicherheitsgarantien für die Ukraine sowie die weitere Unterstützung des Landes. Zudem soll die in diesem Jahr vereinbarte Pariser Erklärung zur Beistandspflicht mit Leben gefüllt werden.
Warum ist Patriot-Munition so umstritten?
Die Patriot-Flugabwehr gilt als die bisher wirksamste Waffe gegen Russlands ballistische Raketen, doch die Vorräte sind knapp, weil die USA und Israel viele Patriot-Raketen im Irankrieg eingesetzt haben. US-Präsident Donald Trump hatte der Ukraine beim Nato-Gipfel in Ankara eine Lizenz zum Bau von Patriot-Munition in Aussicht gestellt, PAC-3 bleiben jedoch Mangelware.
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