Der US-Rapper Kanye West, der mittlerweile unter dem Namen Ye auftritt, hat seinen geplanten Auftritt in Marseille auf unbestimmte Zeit verschoben. Dies gab der Musiker selbst auf Twitter bekannt, nachdem der Bürgermeister der Stadt ihn wegen früherer umstrittener Äußerungen als unerwünscht bezeichnet hatte.

## Absage nach politischem Druck "Nach reiflicher Überlegung und Abwägung habe ich aus eigener Entscheidung beschlossen, meine Show in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit zu verschieben", schrieb Ye auf der Plattform Twitter. Die Entscheidung folgte auf massive Kritik aus der Politik. Bereits im März hatte Marseilles Bürgermeister Benoît Payan deutlich gemacht, dass der Rapper in der Stadt nicht willkommen sei.

"Ich weigere mich, dass Marseille eine Bühne für diejenigen wird, die Hass und enthemmten Nationalsozialismus verbreiten. Kanye West ist nicht willkommen im Velodrome, unserem Tempel des Miteinanders", erklärte Payan damals. Das Velodrom von Marseille gilt als wichtiger Ort des Sports und der Gemeinschaft in der Stadt.

## Kontroverse um frühere Äußerungen Die Absage des Konzerts steht im Zusammenhang mit den wiederholten Kontroversen um Wests öffentliche Äußerungen. Anfang 2026 hatte der Musiker eine ganzseitige Entschuldigung im "Wall Street Journal" veröffentlicht, in der er sich von antisemitischen und nationalsozialistischen Vorwürfen distanzierte.

In einem weiteren Tweet nach der Absage betonte Ye erneut seine Reue: "Ich weiß, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten." Zudem verwies er auf seine bipolare Störung als Grund für frühere Aussagen: "Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit", schrieb der Ex-Ehemann von Kim Kardashian.

Die geplante Show in Marseille wäre einer der wenigen europäischen Auftritte des Rappers in diesem Jahr gewesen. Nachdem bereits die britische Regierung ihn kritisiert hatte, scheint Ye nun auch in Frankreich auf Widerstand zu stoßen. Ob das Konzert zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird, bleibt unklar.

## Reaktionen und Folgen Die Absage dürfte die Diskussionen über die Grenzen künstlerischer Freiheit und politische Verantwortung von Stars weiter anheizen. Während einige Fans die Entscheidung bedauern, begrüßen andere die klare Haltung der Stadt Marseille.

Ye selbst hatte in den vergangenen Monaten versucht, sich von seinen umstrittenen Äußerungen zu distanzieren. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass die Wogen noch nicht geglättet sind. Ob der Musiker seine geplanten Auftritte in anderen europäischen Städten wie Barcelona oder Madrid wie geplant wahrnehmen kann, bleibt abzuwarten.

Für Marseille bedeutet die Absage auch wirtschaftliche Einbußen, da große Konzerte regelmäßig Touristen und Einnahmen in die Stadt bringen. Bürgermeister Payan scheint dies jedoch in Kauf zu nehmen: Seine klare Haltung gegen Hassrede hat in Frankreich breite Unterstützung gefunden.