Der Österreichische Kabarettpreis 2026 geht an Severin Groebner für sein Programm „Ich bin das Volk“. David Scheid erhält den Programmpreis, Chrissi Buchmasser den Förderpreis und das Duo Robert Steiner und Stefan Gaugusch den Sonderpreis. Die Gala findet am 13. Oktober im Globe Wien statt, ORF 1 überträgt am 18. Dezember.
Der gebürtige Wiener Severin Groebner (56) erhält den Österreichischen Kabarettpreis 2026 für sein zwölftes Solo-Programm „Ich bin das Volk!“, wie die Jury am Freitag in einer Aussendung mitteilte.
Groebner steht seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Kleinkunstbühne. Mit seinem aktuellen Programm sieht die Jury den Höhepunkt seines Schaffens erreicht: In den vergangenen Jahren sei er „zur Meisterschaft aufgelaufen, komplexe zeitgeschichtliche und gesellschaftliche Ärgernisse ebenso böse wie witzig auf den Punkt zu bringen“, heißt es in der Begründung.
Die Jury sieht in „Ich bin das Volk!“, das laut Programmankündigung am 8. Juli Premiere haben wird, eine „famose moderne Variante des ‚Herrn Karl'“. In der Aussendung wird Groebners Programm als „Der Rundumschlag eines gescheiterten Möchtegern-Autokraten“ beschrieben, der „einem – unter schmerzhaftem Lachen – die Mechanismen und Facetten des erstarkenden Alltagsfaschismus verständlich“ mache.
Programmpreis für David Scheid
Es ist nicht der erste Hauptpreis für den Wiener: Bereits 2013 wurde Groebner mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Die Jury verweist zudem auf die besondere Bühnenfigur, die Groebner in seinem neuen Programm verkörpere – ein „Regierungsprogramm seiner Severinität in Groebner Verfassung“ sei dort zu erleben.
Den Programmpreis erhält David Scheid für sein viertes Solo-Programm „The Kabarettist“. Scheid, der auch mit seiner Kunstfigur „Dave“ im ORF und als Kinoschauspieler in „Des Teufels Bad“ reüssieren konnte, verbinde laut Jury „politisches Kabarett, Stand-up, Rap, DJing, Polit-Satire und parodistisches Schauspiel“ und besteche durch „smarte 360 Grad-Unterhaltung mit deepem Kern“.
Mit dem Förderpreis wird die Steirerin Chrissi Buchmasser, Jahrgang 1989, für ihr Programm „Zugzwang“ ausgezeichnet. Die Jury beschreibt sie als „Komikerin, die über ihre Mimik die Welt erklären kann“ und lobt ihre musikalischen Parodien auf der E-Gitarre, die sie „mit der Grandezza in die Welt hinausposaune, als würde sie die Stadien des Landes füllen“ – was sie „bald auch tun werde“, so die Prognose des Gremiums.
Förderpreis für Chrissi Buchmasser
Einen Sonderpreis erhalten Robert Steiner und Stefan Gaugusch, die als „Ratte Rolf Rüdiger“ bekannt sind. Ausgezeichnet werden sie für „ihr kontinuierliches und nachhaltiges Wirken im Bereich der humoristisch-frechen Früherziehung“. Die Jury hebt hervor, die beiden würden „in bester Nestroy'scher Tradition […] die beiden Großkopferte gehörig goschert auf die Schaufel [nehmen] und Minderprivilegierte (Kinder) ernst und in Schutz: empathisch und solidarisch. So geht Satire“.
Steiner und Gaugusch gestalten seit zwei Jahrzehnten Call-in- und Spielshows bei Radio Wien und sind dem Wiener Publikum auch durch ihre gemeinsamen Bühnenprogramme ein Begriff. Mit dem Sonderpreis würdigt die Jury eine langjährige Zusammenarbeit, die sich konsequent der politischen und gesellschaftlichen Satire verschrieben hat.
Sonderpreis für Steiner und Gaugusch
Die Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises findet am 13. Oktober im Globe Wien statt. Durch den Abend führt Clemens Maria Schreiner. ORF 1 überträgt die Gala am 18. Dezember. Mit dem Hauptpreis, dem Programmpreis, dem Förderpreis und dem Sonderpreis sind die zentralen Kategorien der Bühnen-Auszeichnung vergeben.
Die Preisträger treten im Kulturherbst auch in Oberösterreich auf. So ist die Lachtnacht im Stadttheater Wels Teil des Programms; die prämierten Künstler werden dort am 10. Oktober zu sehen sein. Zudem sind weitere Termine der Ausgezeichneten im Rahmen des oberösterreichischen Kulturherbstes geplant.
Gala im Globe Wien und ORF-Übertragung
Für die Kategorien Fernseh- und Online-Preis läuft indes noch das Prozedere: Einreichungen sind bis 27. Juli möglich, das Publikumsvoting findet von 3. bis 31. August statt. Die Gewinnerinnen und Gewinner dieser Kategorien waren zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Bühnenpreise noch nicht festgelegt.
Der Österreichische Kabarettpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen der deutschsprachigen Kabarettszene. Er wird seit 1991 vergeben und prämiert sowohl etablierte Künstler als auch Newcomer. Die diesjährige Jury begründet ihre Entscheidungen ausführlich und stellt bei jeder Preiskategorie den gesellschaftspolitischen Anspruch der Programme heraus.
Fernseh- und Online-Preis: Voting läuft
Groebners neuer Preis reiht sich in eine lange Liste österreichischer Satiriker ein, die mit dem Hauptpreis bedacht wurden. Die Parallele zum „Herrn Karl“, jenem berühmten Nestroy-Monolog, den Helmut Qualtinger in den 1960er Jahren zur bitteren Satire auf Mitläufertum formte, unterstreicht den politischen Anspruch, den die Jury in Groebners aktuellem Programm erkennt.
Mit Buchmasser und Scheid werden zugleich zwei Künstler gewürdigt, die unterschiedliche Formate des modernen Kabaretts repräsentieren: die eine als mimisch-musikalische Erzählerin, der andere als multimedialer Hybridkünstler zwischen Bühne, Fernsehen und Kino. Beide gelten als feste Größen der heimischen Kleinkunstszene.
Die Bekanntgabe der Preisträger am Freitag wurde von der Branche mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Die Mischung aus politischer Schärfe, künstlerischer Vielfalt und der Würdigung einer langjährigen Radio-Duokonstanz spiegele den Zustand der österreichischen Kabarettlandschaft im Jahr 2026, heißt es in Reaktionen aus der Szene.
Insgesamt zeichnet die Jury 2026 ein breites Bild: einen Altmeister der Kleinkunst, einen aufstrebenden Hybridkünstler, eine mimische Ausnahmeerscheinung und ein Radiosatire-Duo, das seit 20 Jahren Maßstäbe setzt. Die Gala im Oktober wird zeigen, wie sich die Preisträger auf der großen Bühne des Globe Wien präsentieren.
Fragen & Antworten
Wer ist Severin Groebner?
Severin Groebner ist ein 56-jähriger gebürtiger Wiener, der seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Kleinkunstbühne steht und bereits 2013 den Österreichischen Kabarettpreis erhalten hat.
Welche Preise werden beim Österreichischen Kabarettpreis 2026 vergeben?
Die Jury vergibt den Hauptpreis an Severin Groebner, den Programmpreis an David Scheid, den Förderpreis an Chrissi Buchmasser und einen Sonderpreis an das Duo Robert Steiner und Stefan Gaugusch.
Wann und wo findet die Gala zum Österreichischen Kabarettpreis 2026 statt?
Die Gala wird am 13. Oktober im Globe Wien veranstaltet und am 18. Dezember von ORF 1 übertragen; durch den Abend führt Clemens Maria Schreiner.