Der US-Politiker JD Vance hat während eines Besuchs in Budapest unmittelbar vor der ungarischen Parlamentswahl die Regierung von Viktor Orbán öffentlich unterstützt und sie als Vorbild für Europa bezeichnet.
## Unterstützung für Orbáns Kurs JD Vance, der enge Verbindungen zu Donald Trump pflegt, reiste nach Budapest, um sich mit Vertretern der ungarischen Regierung auszutauschen. Dabei äußerte er offen Bewunderung für Orbáns Politik. „Ungarn zeigt unter Orbán, wie eine starke, souveräne Nation ihre Interessen verteidigen kann“, sagte Vance. Die Regierung Orbáns sei ein „Modell für Europa“, fügte er hinzu.
Diese Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, in dem die Europäische Union versucht, ihre Abhängigkeit von Russland zu verringern – ein Ziel, das Ungarn unter Orbán konsequent unterläuft. Seit der Invasion der Ukraine vor über vier Jahren hat sich die Abhängigkeit Ungarns von russischem Rohöl sogar deutlich erhöht.
## Wirtschaftliche und politische Folgen Ungarn bezieht mittlerweile 93 Prozent seines Öls aus Russland – ein dramatischer Anstieg gegenüber 61 Prozent im Jahr 2021. Diese Entwicklung steht im direkten Widerspruch zu den Bemühungen der EU, sich von russischen Energieimporten unabhängig zu machen. Orbáns Regierung hat wiederholt Sonderregelungen für Ungarn durchgesetzt, um Sanktionen gegen Russland zu umgehen.
Gleichzeitig hat die Wirtschaftspolitik Orbáns das Land innerhalb der EU weiter an den Rand gedrängt. Ungarn gehört mittlerweile zu den ärmsten Staaten der Union. Hinzu kommt ein massives Korruptionsproblem: Transparency International führt Ungarn mit nur 40 Punkten auf dem letzten Platz des EU-Korruptionsindexes.
Die Unterstützung Vances für Orbáns Kurs stößt daher in weiten Teilen Europas auf Kritik. Während Vance die ungarische Regierung als „Erfolgsmodell“ preist, sehen viele Beobachter in Orbáns Politik eine Bedrohung für demokratische Standards in der EU. Die enge Zusammenarbeit mit Russland und die systematische Aushöhlung von Rechtsstaatlichkeit machen Ungarn zu einem Sorgenkind der europäischen Politik.
## Reaktionen und Ausblick Die Äußerungen Vances dürften die Debatte über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen weiter anheizen. Während Teile der US-Politik Orbán als Verbündeten betrachten, warnen europäische Partner vor den langfristigen Folgen dieser Allianz. Die zunehmende Spaltung innerhalb der EU – zwischen Staaten wie Ungarn und denen, die eine klare Abgrenzung zu Russland fordern – könnte sich durch solche Besuche weiter vertiefen.
Orbán selbst nutzt die internationale Aufmerksamkeit, um seine Position im Inland zu stärken. Die ungarische Parlamentswahl, die kurz nach Vances Besuch stattfand, gilt als weiterer Test für die Stabilität von Orbáns autoritärem Kurs. Die offene Unterstützung aus den USA könnte ihm dabei zusätzlichen Rückenwind geben.
Für die EU bleibt die Frage, wie sie mit Mitgliedstaaten umgeht, die sich immer weiter von gemeinsamen Werten entfernen. Die wirtschaftliche und politische Isolation Ungarns scheint sich zu verstärken – doch ob dies zu einem Kurswechsel führt, bleibt ungewiss.
