Der Schweizer Hürdenläufer Jason Joseph hat an den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham den Titel über 110 m Hürden gewonnen und damit seinen bisher grössten internationalen Einzel-Erfolg gefeiert.
Der Weg zum Titel
Im Final der Königsdisziplin Sprint-Hürden lief Joseph am Dienstagabend in Birmingham die schnellste Zeit und sicherte sich die Goldmedaille. Der Basler, der für Swiss Athletics startet, setzte sich im hochkarätig besetzten Feld durch und holte den ersten grossen Freiluft-Titel für die Schweiz an diesen Titelkämpfen.
Der Endlauf war zugleich der Höhepunkt eines langen EM-Abends im Olympiastadion von Birmingham. Bereits zuvor standen das Halbfinal über 110 m Hürden mit Joseph sowie das Hammerwurf-Final der Frauen und Halbfinals über 200 m der Frauen mit den Schweizerinnen Iris Caligiuri, Fabienne Hoenke, Mujinga Kambundji und Léonie Pointet auf dem Programm. Später folgten das Dreisprung-Qualifikationswettkampf der Männer, das 400-m-Final der Männer, das 400-m-Hürden-Final der Frauen sowie die zweite Zehnkampf-Disziplin (400 m) mit Andrin Huber, Leon Krummenacher und Nino Portmann.
Joseph lässt Tokio hinter sich
Joseph hatte vor dem Wettkampf betont, dass er den Rückschlag von Tokio abgehakt habe. Der Vorfall ist eigentlich nicht mehr im Kopf, ausser, man spricht mich darauf an, sagte der Sprinter mit Blick auf seinen missglückten Auftritt an den Olympischen Spielen. In Birmingham liess er dieser Aussage Taten folgen und blieb in allen Rennen bis zum Final ohne Stolpern über die zehn Hürden.
Für die Schweizer Leichtathletik ist der EM-Titel ein weiterer Meilenstein in einer erfolgreichen Saison. Joseph gehört seit Jahren zur erweiterten Weltspitze über 110 m Hürden und hatte bereits an Weltmeisterschaften und internationalen Meetings Medaillen gewonnen; ein kontinentaler Freiluft-Titel fehlte jedoch bislang in seiner Palmarès.
Schweizer Team mit breiter Aufstellung
Im Vorfeld der Titelkämpfe hatte das Schweizer Team mit mehreren Athletinnen und Athleten für Aufsehen gesorgt. Neben den Hürdensprintern galten besonders Kambundji und das Sprint-Quartett über 200 m als Medaillenkandidatinnen. Auch die Schweizer Mehrkämpfer Huber, Krummenacher und Portmann absolvierten mit dem Hochsprung und dem 400-m-Lauf zwei weitere Zehnkampf-Disziplinen am Abend.
Der EM-Titel dürfte Joseph zusätzliches Selbstvertrauen für die kommenden internationalen Aufgaben geben. Nach den Erfahrungen von Tokio, wo er schon an der ersten Hürde scheiterte, hatte er seinen Laufstil und seine Trainingssteuerung überarbeitet und präsentierte sich in Birmingham in bestechender Form.
Blick auf die kommenden Aufgaben
Mit dem Gewinn der Goldmedaille positioniert sich Joseph zudem im Hinblick auf die nächsten internationalen Grossanlässe als einer der Medaillenanwärter im Hürdensprint. Sein Trainer-Team und Swiss Athletics hatten in den vergangenen Monaten gezielt auf die Saisonhöhepunkte hingearbeitet; der Titel in Birmingham ist der verdiente Lohn für diese Vorbereitung.
Der Abend in Birmingham war auch aus Schweizer Sicht ein vielseitiger: Während Joseph im Hürdensprint triumphierte, kämpften Kambundji und Co. um den Einzug in den 200-m-Final, und die Zehnkämpfer sammelten in ihren Disziplinen weitere Punkte für die Gesamtwertung.
Schliesslich standen am späten Abend noch das 400-m-Hürden-Final der Frauen und das 400-m-Final der Männer auf dem Programm, bei denen zwar keine Schweizer Athletinnen und Athleten mehr im Einsatz standen, die aber den Rahmen für einen EM-Abend mit zahlreichen Entscheidungen bildeten.
