Isar Aerospace verschiebt zweiten Testflug der Spectrum-Rakete zum vierten Mal
Andøya, 16. Juni 2026
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Kurzfassung
Das bayerische Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat den geplanten zweiten Testflug seiner Trägerrakete Spectrum zum vierten Mal verschoben. Grund war nach Angaben des Unternehmens ein technisches Problem an den Fluidsystemen, die flüssigen Treibstoff zu den Triebwerken transportieren.
Andøya, 16. Juni 2026
Das bayerische Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat den für Mitte Juni geplanten zweiten Testflug seiner Trägerrakete Spectrum vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya zum vierten Mal verschoben, weil ein technisches Problem an den Fluidsystemen auftrat.
Wie Isar Aerospace auf seiner Webseite mitteilte, wurde der Start wegen einer Störung an den Fluidsystemen der Rakete abgesagt. Fluidsysteme in einer Rakete steuern die Lagerung und den Transport des flüssigen Treibstoffs zu den Triebwerken. „Grund war ein technisches Problem am Treibstoffsystem, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. Weitere Details wurden nicht genannt.
Hintergrund: Vier Anläufe für den zweiten Testflug
Bereits die Startvorbereitungen für den zweiten Testflug waren zuvor dreimal abgebrochen worden, nämlich im Januar, im März und im April. Auch bei den Versuchen drei und vier traten demnach technische Probleme auf. Der erste Startversuch des zweiten Testflugs war ebenfalls durch ein technisches Problem gestoppt worden. Ursprünglich war der zweite Testflug für Anfang dieses Jahres geplant.
Im Fall des zweiten Anlaufs kam es nach Unternehmensangaben allerdings auch zu einer ungewöhnlichen Verzögerung: Ein norwegischer Fischer habe die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen, hieß es. Auch dadurch sei der Start nicht wie geplant erfolgt.
Die Rakete mit dem Namen Spectrum soll nach Angaben von Isar Aerospace, sobald die Serienreife erreicht ist, zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen in wenigen hundert Kilometern Höhe transportieren. „Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten von dem US-Raumfahrtunternehmen Space X ins All befördert.
Markt und Auftragslage
„Grund des großen Interesses ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Vor diesem Hintergrund hat das Start-up nach eigenen Angaben bereits Aufträge für Satellitentransporte bis zum Jahr 2028 erhalten.
Das 2018 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Ottobrunn bei München. „Ziel des in Ottobrunn bei München ansässigen Unternehmens ist die Produktion von 40 Raketen pro Jahr. Nach Darstellung der Firma liegen damit Aufträge im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar bis 2028 vor, obwohl die Rakete die Serienreife noch nicht erreicht hat.
Politische Aufmerksamkeit in Andøya
Politische Aufmerksamkeit erhielt der Standort bereits am 13. März durch einen Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre die Anlage in Andøya besichtigte. Der Besuch unterstrich die strategische Bedeutung des Projekts für die europäische Raumfahrt.
Die Verschiebung reiht sich in eine Serie von Rückschlägen für das Unternehmen ein. Erst im vergangenen Jahr hatte Isar Aerospace einen Testflug durchgeführt, bei dem die Rakete zwar abhob, aber wenig später kontrolliert zum Absturz gebracht wurde. Das Manöver wurde vom Unternehmen selbst als geplanter Stresstest für die Bergung und die Startinfrastruktur beschrieben.
Rückschläge und Erwartungen
Beobachter sehen in den wiederholten Verschiebungen vor allem ein Zeichen für die grundsätzlichen Schwierigkeiten europäischer Newcomer, im Wettbewerb mit etablierten Anbietern wie SpaceX technisch Schritt zu halten. Gleichzeitig gilt Spectrum als eines der ambitioniertesten privaten Raketenprojekte in Europa.
Isar Aerospace verwies in der Mitteilung zur erneuten Verschiebung darauf, dass Sicherheit und Zuverlässigkeit der Rakete oberste Priorität hätten. Man werde den Start erst dann erneut versuchen, wenn die technischen Voraussetzungen dafür erfüllt seien.
Ausblick auf einen neuen Starttermin
Ein neuer Termin für den zweiten Testflug wurde zunächst nicht genannt. Sollte der Start in den kommenden Wochen gelingen, wäre es nach Unternehmensangaben der erste kommerzielle Testflug einer in Deutschland entwickelten Trägerrakete von einem europäischen Weltraumbahnhof.
Die Nachricht über die neuerliche Verschiebung wurde am 16.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Berichtet wurde unter anderem von der dpa-AFX mit den Kürzeln cho/DP/men.
Aus der europäischen Raumfahrtbranche hieß es, man beobachte die Entwicklung bei Isar Aerospace genau. Ein erfolgreicher Testflug könnte dem Unternehmen den Weg zu weiteren staatlichen und kommerziellen Auftraggebern ebnen.
Branchenkenner betonen zugleich, dass auch staatliche europäische Programme zur Trägerraketenentwicklung, etwa die französische Ariane-Gruppe, unter Druck stehen. Mehrere europäische Regierungen hatten zuletzt deutlich gemacht, dass sie eine unabhängige europäische Startkapazität anstreben.
Für Isar Aerospace geht es daher nicht nur um den nächsten Testflug, sondern um den Nachweis, dass ein privatwirtschaftlich organisiertes europäisches Raketenprogramm technisch und wirtschaftlich tragfähig ist. Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob die Spectrum-Rakete diese Hürde nehmen kann.
Fragen & Antworten
Wer ist Isar Aerospace?
Isar Aerospace ist ein 2018 gegründetes Raumfahrt-Start-up mit Sitz in Ottobrunn bei München, das die Trägerrakete Spectrum entwickelt und eigene Aufträge für Satellitentransporte bis 2028 erhalten hat.
Warum wurde der Start der Spectrum-Rakete erneut verschoben?
Isar Aerospace erklärte, ein technisches Problem an den Fluidsystemen habe den Start verhindert; weitere Details wurden nicht genannt.
Von wo soll die Rakete starten und was ist ihr Ziel?
Der Start erfolgt vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen; die Rakete soll nach Erreichen der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen bringen.
Isar Aerospace: Vierter Startabbruch der Spectrum-Rakete in | nachrichten360