Intel übertrifft mit Quartalszahlen alle Erwartungen – Aktie springt im nachbörslichen Handel an
Santa Clara, 24 Juli 2026
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Kurzfassung
Der Chipkonzern Intel hat im zweiten Quartal 2026 mit einem Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 42 US-Cent die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Die Aktie legte im nachbörslichen US-Handel zeitweise um rund zwölf Prozent zu, während der Konzern zugleich einen GAAP-Verlust von elf Milliarden Dollar auswies.
Santa Clara, 24 Juli 2026
Der Chipkonzern Intel hat am Donnerstag nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vorgelegt, die sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn deutlich über den Erwartungen des Marktes lagen und die Aktie im nachbörslichen Handel zeitweise um rund zwölf Prozent steigen ließen.
Im vergangenen Quartal sprang der Umsatz des Chip-Pioniers im Jahresvergleich um ein Viertel auf 16,1 Milliarden Dollar (14,15 Mrd Euro) hoch. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von 14,4 Milliarden Dollar gerechnet. Es war das schnellste Umsatzwachstum seit Jahren, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte.
Unterm Strich stand derweil ein Verlust von elf Milliarden Dollar in der Bilanz, der allerdings auf eine buchhalterische Wertberichtigung auf treuhänderisch gehaltene Aktien zurückgeht, die im Austausch für Milliardensubventionen an die US-Regierung übergeben werden sollen. Auf bereinigter Basis, also ohne diese Sondereffekte, erzielte Intel einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 42 US-Cent – doppelt so hoch wie von Analysten im Schnitt erwartet.
Umsatz und Gewinn übertreffen die Erwartungen deutlich
Das Geschäft des Chipkonzerns Intel profitiert nach einer langen Durststrecke von der boomenden Halbleiter-Nachfrage beim Ausbau von KI-Rechenzentren. Auch Intels Ausblick auf das laufende Quartal lag deutlich über den Markterwartungen. Für das dritte Quartal prognostiziert Intel einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar sowie eine Bruttomarge von rund 41 Prozent im Mittelpunkt.
Die Aktie stieg im nachbörslichen US-Handel zeitweise um rund zwölf Prozent. Am Freitag im vorbörslichen US-Handel legte sie nochmals um rund 6 Prozent auf 106,30 Dollar zu. Seit dem Frühjahr 2025 ist ihr Wert zudem auf mehr als das Vierfache gestiegen. Per Donnerstagsschluss 2026 lagen die Intel-Aktien immer noch rund 170 Prozent im Plus. Das Jahreshoch von gut 142 Dollar aus dem Juni liegt damit aber noch ein gutes Stück entfernt.
Aktie springt nachbörslich um zwölf Prozent
Intel versucht unter dem seit Anfang 2025 amtierenden Chef Lip-Bu Tan unter anderem durch Kostensenkungen aus der Krise zu kommen. Tan will Intel zudem als Auftragsfertiger für andere Chipentwickler etablieren. Im ersten Quartal 2026 hatte Intel noch mehr als vier Milliarden Dollar für Abfindungen im Zuge von Massenentlassungen ausgegeben; diese Belastung ist inzwischen weitgehend aus den Büchern, was die operative Profitabilität stützt.
Im vergangenen August bekam der US-Staat nach Druck von Präsident Donald Trump einen Anteil von rund zehn Prozent an Intel als Gegenleistung für ursprünglich unentgeltlich zugesagte Milliarden-Subventionen. Die treuhänderisch gehaltenen Aktien werden Zug um Zug an die US-Regierung übergeben, sobald bestimmte Förder-Meilensteine erreicht sind. Da die Papiere in einem Treuhandkonto liegen, muss Intel Kurssteigerungen buchhalterisch als Verluste verbuchen – was den ausgewiesenen GAAP-Verlust von elf Milliarden Dollar im zweiten Quartal erklärt.
Trump-Druck und Treuhandaktien erklären den Buchverlust
Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren mit massiven Problemen zu kämpfen. Vor allem im Geschäft mit Chips für Künstliche Intelligenz eroberte der Grafikkarten-Spezialist NVIDIA eine Spitzenposition und verdrängte Intel aus seiner historischen Vormachtstellung. Inzwischen füllen jedoch Intel und der Konkurrent AMD verstärkt Nischen in der Infrastruktur rund um Nvidia-Chipsysteme aus. Der KI-Boom treibt Intel über die Wall-Street-Erwartungen, schlägt die rasende Chip-Nachfrage im KI-Boom auch auf das Geschäft des Branchenpioniers durch.
Im Segment Client Computing Group wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf knapp 8,9 Milliarden Dollar, der operative Gewinn lag bei rund 2,3 Milliarden Dollar. Das Data-Center-und-AI-Segment (DCAI) steigerte seinen Umsatz im Jahresvergleich sogar um 59 Prozent auf knapp 6,3 Milliarden Dollar, getragen vor allem vom Xeon-Serverprozessor. Der operative Gewinn in diesem Segment erreichte knapp 2,5 Milliarden Dollar und übertraf damit knapp das operative Ergebnis des Client-Computing-Bereichs.
KI-Boom treibt das Servergeschäft
Der Bereich Intel Foundry, in dem Intel als Auftragsfertiger für externe Chipentwickler auftreten soll, legte beim Umsatz um 31 Prozent auf knapp 5,8 Milliarden Dollar zu. Rund 95 Prozent der Erlöse in diesem Segment stammen allerdings aus Intels eigenen Prozessor-Sparten; der Rest entfällt vermutlich auf fortschrittliche Packaging-Dienstleistungen für externe Kunden. Branchenexperte Harlan Sur von der Bank JPMorgan sprach von überraschend starken Resultaten und einem unerwartet guten Geschäftsausblick für das dritte Quartal. Die Nachfrage sei stark und die Verkaufspreise hoch. Gleichwohl fehle dem Auftragsfertigungsgeschäft noch ein Ankerkunde, monierte er. Daher hob er seine Gewinnerwartungen zwar deutlich an und in der Folge auch das Kursziel von 45 auf 85 Dollar, blieb aber beim "Underweight"-Votum.
Die Bruttomarge des Konzerns stieg auf 40,4 Prozent, nach 27,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Diese deutliche Verbesserung ist auch das Ergebnis einer bewussten Verschiebung der Produktionskapazitäten: Intel hat Fertigungskapazitäten von Notebook- und Desktop-Prozessoren hin zu Xeon-Serverprozessoren verlagert. Diese Verschiebung erzeugt nach Darstellung des Unternehmens Preisdruck bei Endkundengeräten, was Intels Marge zugutekommt.
JPMorgan lobt Zahlen, bleibt aber skeptisch
Im zweiten Quartal lag der operative Gewinn vor Steuern bei 1,8 Milliarden Dollar. Der Konzern ist operativ wieder profitabel, auch weil die Massenentlassungen abgeschlossen sind und keine milliardenschweren Abfindungskosten mehr anfallen. Der Papierverlust im zweiten Quartal belief sich auf minus 13,6 Milliarden Dollar – ein rein buchhalterischer Effekt, der aus der Wertberichtigung auf die treuhänderisch gehaltenen Aktien resultiert.
Im Zuge seiner Kostensenkungen hatte Intel auch die Pläne zum Bau eines Werks in Magdeburg aufgegeben. Diese Entscheidung war Teil eines umfassenden Sparkurses, mit dem der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen will. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Santa Clara, Kalifornien.
Ausblick: Kann Intel das Tempo halten?
Der Aufschwung bei Intel ist eng an den Boom sogenannter KI-Agenten gekoppelt, der Server-CPUs wieder stärker in den Fokus rückt. Während Nvidia mit seinen Grafikprozessoren das Training großer KI-Modelle dominiert, profitieren Intel und AMD davon, dass für den Betrieb und die Inferenz von KI-Anwendungen leistungsfähige Standardprozessoren benötigt werden. Diese Arbeitsteilung im KI-Ökosystem stützt Intels Servergeschäft.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Intel das hohe Tempo halten kann. Mit dem überraschend starken Ausblick auf das dritte Quartal und der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Chips hat der Konzern die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Erholung geschaffen – auch wenn JPMorgan mit seinem "Underweight"-Votum weiterhin zur Vorsicht mahnt.
Die Intel-Aktie hatte sich im zweiten Quartal von rund 44 Dollar auf etwa 130 Dollar nahezu verdreifacht. Mit dem Sprung im nachbörslichen Handel nach den Quartalszahlen setzte sie ihren Aufwärtstrend fort. Sollte das Unternehmen die eigenen Prognosen erreichen, könnte das Jahreshoch aus dem Juni wieder in Reichweite rücken.
Fragen & Antworten
Wer ist Lip-Bu Tan und welche Rolle spielt er bei Intel?
Lip-Bu Tan ist seit Anfang 2025 Chef des Chipkonzerns Intel. Er versucht, das Unternehmen unter anderem durch Kostensenkungen aus der Krise zu führen und Intel als Auftragsfertiger für andere Chipentwickler zu etablieren.
Warum weist Intel trotz des starken Quartals einen Verlust von elf Milliarden Dollar aus?
Der Verlust von elf Milliarden Dollar ist rein buchhalterisch und geht auf eine Wertberichtigung auf treuhänderisch gehaltene Aktien zurück, die im Austausch für Milliardensubventionen an die US-Regierung übergeben werden sollen.
Wie hat sich die Intel-Aktie nach den Quartalszahlen entwickelt?
Die Intel-Aktie stieg im nachbörslichen US-Handel zeitweise um rund zwölf Prozent und legte am Freitag im vorbörslichen Handel nochmals um rund sechs Prozent auf 106,30 Dollar zu; seit dem Frühjahr 2025 hat sich der Wert damit mehr als vervierfacht.
Intel Quartalszahlen Q2 2026: Umsatzsprung und Aktienrally | nachrichten360