Der Harvard-Historiker Sven Beckert sieht die enge Verbindung von Kapitalismus und liberaler Demokratie als gefährliches Missverständnis an, während sich das neoliberale Wirtschaftssystem globalen Grenzen gegenübersieht.
Kapitalismus im Wandel
Der Kapitalismus hat laut Beckert, der als Experte für die Geschichte des Wirtschaftssystems gilt, bereits zahlreiche Krisen, Kriege und Konflikte überstanden. Doch die seit etwa 50 Jahren dominierende neoliberale Variante stößt nun an ihre Grenzen. "Die Vorstellung, dass Kapitalismus und liberale Demokratie eng miteinander verbunden sind, ist ein fatales Missverständnis", sagte Beckert. Der Historiker lehrt an der renommierten Harvard University und erforscht seit Jahren die Entwicklung kapitalistischer Strukturen.
Die aktuelle Phase des Kapitalismus, die durch Deregulierung und Privatisierung geprägt ist, sieht Beckert an einem Wendepunkt. Ein neuer institutioneller Rahmen für den globalen Kapitalismus zeichne sich ab, allerdings ohne dass dies automatisch mit demokratischen Werten einhergehe. Die Geschichte zeige, dass kapitalistische Systeme auch unter autoritären Regimen funktionierten.
Globale Perspektiven
Die Diskussion um die Zukunft des Kapitalismus gewinnt vor dem Hintergrund politischer Umbrüche in den USA und anderen Ländern an Bedeutung. Figuren wie Donald Trump stehen für eine neue, oft als illiberal bezeichnete Wirtschaftspolitik, die traditionelle demokratische Normen infrage stellt. Beckerts Analyse deutet darauf hin, dass solche Entwicklungen nicht zwangsläufig dem Kapitalismus widersprechen.
