Handball-Bundesliga: Leipzig bezwingt Minden und stürzt den Aufsteiger in den Abstieg
Wetzlar, 07. Juni 2026
Max Petershans / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Der SC DHfK Leipzig hat GWD Minden im letzten Heimspiel mit 26:25 (18:14) besiegt und den Ostwestfalen damit den Gang in die 2. Bundesliga besiegelt. Zeitgleich sicherte sich die HSG Wetzlar durch den 30:31-Sieg des SC Magdeburg beim heimischen Rivalen den Klassenerhalt.
Der SC DHfK Leipzig hat GWD Minden am letzten Spieltag der Handball-Bundesliga mit 26:25 (18:14) besiegt und den Aufsteiger aus Ostwestfalen damit in die 2. Bundesliga geschickt.
Vor 6.000 Zuschauern in der ausverkauften Heimhalle in der sächsischen Messestadt lieferten sich die bereits abgestiegenen Grün-Weißen und Minden ein intensives Duell um den Ligaverbleib. Die Partie begann turbulent: Leipzig führte in der dritten Minute mit 3:0, ehe Minden mit einem 4:0-Lauf in der siebten Minute konterte. Anschließend übernahm Leipzig ab der 12. Minute durch einen Treffer von Franz Semper zum 8:7 wieder die Führung und gab sie bis zum Ende nicht mehr ab.
Bis zur 26. Minute baute das Team von Trainer Frank Carstens den Vorsprung auf 18:12 aus. Eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Adam Lönn brachte Minden durch einen verwandelten Siebenmeter von Florian Kranzmann jedoch zurück ins Spiel. In den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte erzielte Leipzig nur noch fünf Tore, sodass die Gäste aus Ostwestfalen zwischenzeitlich auf 22:22 (45.) und 23:23 (52.) herankamen.
Zehn Sekunden, nachdem Staffan Peter in der 59. Minute das 26:24 für Leipzig erzielt hatte, traf der ehemalige Leipziger Niclas Heitkamp für Minden zum erneuten Anschluss. In den Schlusssekunden lief der letzte Angriff der Gäste auf das Tor von Domenico Ebner, der mit elf Paraden noch einmal entscheidend eingriff. Der letzte Wurf von GWD-Rechtsaußen Jakub Sterba, der Tscheche, traf jedoch nur den Innenpfosten. Damit war die Partie entschieden und der zweite Abstiegsplatz besiegelt.
Dramatik in den Schlusssekunden
Franz Semper war mit fünf Treffern aus zehn Versuchen Leipzigs bester Werfer. Für Domenico Ebner war es zugleich das letzte Spiel im Trikot des SC DHfK Leipzig. Mit dem Heimsieg feierten die Sachsen ihren insgesamt vierten Saisonsieg – und entschieden das Schicksal von GWD Minden, das nach nur einem Jahr in der Erstklassigkeit wieder in die 2. Bundesliga muss. Es ist der insgesamt sechste Abstieg in der Vereinsgeschichte des zweimaligen deutschen Meisters.
Parallel zum Leipziger Spiel hatte der frischgebackene Deutsche Meister SC Magdeburg sein Auswärtsspiel bei der HSG Wetzlar mit 30:31 (17:17) verloren. Damit war klar, dass den Mittelhessen ein Unentschieden von Minden zum Ligaverbleib gereicht hätte – und tatsächlich kam es für die Wetzlarer noch besser.
Wetzlar: Anspannung vor dem entscheidenden Spiel
Wetzlars sportlicher Geschäftsführer Michael Allendorf hatte im Vorfeld betont: "Wir wollen jetzt den letzten Schritt machen." Allendorf, der die Mannschaft in den vergangenen Wochen erlebt hatte, ergänzte: "So, wie ich die Mannschaft derzeit erlebe, weiß ich, dass niemand den Fuß vom Gas nimmt." Trainer Sigtryggsson hatte angekündigt, sich ausschließlich auf die eigene Partie zu konzentrieren, und gesagt: "Wir versuchen, uns ausschließlich auf unsere Partie zu konzentrieren." Ergänzend stellte er klar: "Wir haben noch nichts erreicht."
Dass GWD Minden den großen THW Kiel mit 34:30 besiegte, hatte den Mittelhessen den Abend allerdings gehörig verdorben. Vor 4.421 Zuschauern in der ausverkauften Buderus Arena lieferten die Wetzlarer gegen den designierten Meister eine engagierte Leistung ab. Dominik Mappes war mit neun Treffern bester Werfer der Partie, Schlussmann Andreas Palicka, der ehemalige schwedische Weltklasse-Torwart, erwies sich als defensive Stütze.
Wetzlar kassierte im Spiel fünf Zeitstrafen. In der Crunchtime zeigte auch Torhüter Anadin Suljakovic wichtige Paraden. Etwa zwei Minuten vor dem Ende stand der Leipziger Auswärtssieg fest – und die Wetzlarer Heimkulisse explodierte. Mappes schilderte seine Gefühle: "Ich hatte sofort Gänsehaut. Es ist alles abgefallen. Das war ein schönes Gefühl." Der Rechtsaußen sprach zudem die mentale Belastung der vergangenen Wochen offen an: "Es war so viel Druck, es war Kopfkino. Wir haben das ausgeschaltet und eine unserer besten Saisonleistungen gezeigt."
Stimmung in der Buderus Arena
Bereits am Donnerstagabend steht für die HSG Wetzlar das Auswärtsspiel beim HSV Hamburg (19 Uhr) an. Bei einer Niederlage in Hamburg befände sich das Team aus Wetzlar allerdings wieder in großer Abstiegsgefahr. Allendorf hatte das Ergebnis der Abstiegs-Konkurrenten am Mittwochabend betont, als er auf den kommenden Endspurt hinwies. Sollte Wetzlar in Hamburg gewinnen, hätten die Mittelhessen vor dem letzten Spieltag am Sonntag zwei Punkte Vorsprung vor Minden.
GWD-Trainerchef Rúnar Sigtryggsson hatte die Ausgangslage vor dem Spieltag analysiert: "Da Wetzlar das deutlich bessere Torverhältnis hat, sollte das langen." Diese Rechnung ging am Ende auf – allerdings nur, weil Leipzig als Tabellenletzter nicht mehr zu retten ist und den Ostwestfalen einen ganz schwierigen Abend bereitete. Die letzten beiden Mannschaften steigen aus der Handball-Bundesliga ab, und diese Regel traf am Ende Minden nach einer dramatischen Schlussphase.
Ausblick auf den letzten Spieltag
Am letzten Spieltag empfängt Wetzlar den SC Magdeburg, den frischgebackenen Deutschen Meister, während Minden ausgerechnet bei den bereits abgestiegenen Leipzigern die vermeintlich leichtere Aufgabe vor sich gehabt hätte. Wetzlar beendete die Saison auf Platz 16, spielt im kommenden Jahr zum 29. Mal in der ersten Liga des deutschen Handballs. GWD Minden dagegen tritt den Gang in die Zweitklassigkeit an.
Kaderumbruch bei der HSG
Trotz des Klassenerhalts steht Wetzlar vor einem großen personellen Umbruch. Die Abgänge von Filip Vistorup, Justin Müller und Andreas Palicka stehen fest, zudem könnte Philipp Ahouansou zum TVB Stuttgart wechseln. Neuzugänge sind Petter Överby vom THW Kiel sowie Marti Soler und Laszlo Bartucz von MT Melsungen. Auch Doruk Pehlivan (HC Elbflorenz) und Paul Komenhans (TV Hüttenberg) stoßen dazu. Insgesamt haben liga-unabhängige Verträge für neun Neuzugänge unterzeichnet.
MT Melsungen, der Sieger der European League, beendete die Saison mit einem 32:32 (15:16) bei der TSV Hannover-Burgdorf auf dem siebten Tabellenplatz. In der 2. Bundesliga sicherte sich Balingen am Samstag mit einem 36:22 (17:19) gegen Bietigheim den Titel. Balingen-Weilstetten und die SG BBM Bietigheim steigen in die Handball-Bundesliga auf und werden in der kommenden Saison die Plätze von Leipzig und Minden einnehmen.
Stimmen nach dem Spieltag
HSG-Geschäftsführer Björn Seipp zeigte sich im Sender Dyn tief bewegt: "Der Sieg von Leipzig bedeutet für uns die Welt." Seipp räumte zugleich Fehler in der abgelaufenen Spielzeit ein: "Wir wissen, dass es eine sehr schwere Saison für uns war, in der wir auch Fehler gemacht haben. Dennoch werden wir jetzt feiern und die Hütte abreißen." Die Erleichterung in Mittelhessen war nach dem dramatischen Saisonfinale spürbar, auch wenn die kommende Spielzeit bereits im Schatten eines tiefgreifenden Kaderumbaus steht.
Wetzlar hatte am Ende mit 17:51 Punkten exakt die gleiche Bilanz wie Minden, geriet jedoch aufgrund des deutlich besseren Torverhältnisses nicht auf einen Abstiegsplatz. Über 90 Minuten am Mittwochabend entschieden sich die Geschicke zweier Vereine in der Handball-Bundesliga: Leipzig verabschiedete sich mit einem emotionalen Heimsieg, und Wetzlar durfte gemeinsam mit den Fans den Ligaverbleib bejubeln – während in Minden die Enttäuschung überwog.
Fragen & Antworten
Warum ist GWD Minden trotz des Sieges gegen den THW Kiel abgestiegen?
Minden hätte für den Ligaverbleib bereits ein Unentschieden gegen den SC DHfK Leipzig gereicht, da HSG Wetzlar parallel gegen den SC Magdeburg verlor. Stattdessen unterlag Minden in Leipzig mit 25:26, sodass der letzte Wurf von Jakub Sterba nur den Pfosten traf und der Aufsteiger nach nur einem Jahr in die 2. Bundesliga muss.
Wie hat die HSG Wetzlar den Klassenerhalt rechnerisch geschafft?
Wetzlar profitierte davon, dass die direkten Konkurrenten patzten: Magdeburg verlor in Wetzlar mit 30:31, und gleichzeitig unterlag Minden beim bereits abgestiegenen SC DHfK Leipzig. Damit reichte Wetzlar das deutlich bessere Torverhältnis im Vergleich zu Minden für den Verbleib in der Liga.
Welche Neuzugänge hat die HSG Wetzlar für die kommende Saison verpflichtet?
Wetzlar hat liga-unabhängige Verträge mit neun Neuzugängen unterzeichnet. Fest stehen bislang Petter Överby (THW Kiel), Marti Soler und Laszlo Bartucz (MT Melsungen), Doruk Pehlivan (HC Elbflorenz) und Paul Komenhans (TV Hüttenberg).
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