Bogotá, 31. Mai 2026

Überschattet von einer der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre haben die Kolumbianer am Sonntag in der ersten Runde der Präsidentenwahl einen Nachfolger für den scheidenden Staatschef Gustavo Petro gesucht.

Nach Schließung der Wahllokale und Auszählung erster Stimmen zeichnet sich eine Stichwahl zwischen dem rechtsgerichteten Anwalt Abelardo de la Espriella und dem linken Senator Iván Cepeda ab. Laut Teilresultaten entfielen auf de la Espriella rund 44 Prozent der Stimmen. Keiner der insgesamt 14 Kandidaten erreichte die absolute Mehrheit.

Die Wahl fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Wahlkampf war von einer Serie von Angriffen überschattet worden, bei denen mehrere Zivilisten, Soldaten und Polizisten getötet oder verletzt wurden. Im Juni des vergangenen Jahres wurde der konservative Senator Miguel Uribe Turbay bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bogotá angeschossen und erlag später seinen Verletzungen.

Eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre

Kristin Wesemann, Leiterin des Kolumbien-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), bezeichnete die Lage als „eine der schwersten Gewaltwellen der letzten Jahre“. Sie erklärte, dass „67 Prozent aller Gemeinden […] den illegalen Netzwerken und Gruppen ausgesetzt“ seien und „die staatlichen Sicherheitsstrukturen extrem geschwächt“ seien.

Einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zufolge erlebte Kolumbien im Vorjahr die schwersten humanitären Folgen bewaffneter Konflikte seit einem Jahrzehnt. Mehr als 235.000 Menschen wurden demnach durch die Kämpfe vertrieben.

Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Auseinandersetzungen, an denen die Armee, linke Guerillagruppen, rechte Paramilitärs und Drogenkartelle beteiligt sind. Petro war 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte des Landes mit dem Versprechen eines „totalen Friedens“ angetreten und hatte Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen aufgenommen. Ein entscheidender Durchbruch blieb jedoch aus, und die Sicherheitslage verschlechterte sich während seiner Amtszeit deutlich.