Gericht in Oslo ordnet Freilassung von Marius Borg Høiby an – Staatsanwaltschaft legt sofort Berufung ein
Oslo, 08. Juni 2026
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Kurzfassung
Ein Gericht in Oslo hat die Freilassung von Marius Borg Høiby aus der Untersuchungshaft angeordnet, damit er bei seiner schwer erkrankten Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, sein kann. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch sofort Berufung mit aufschiebender Wirkung ein, sodass Høiby vorerst in Haft bleibt.
Ein Gericht in Oslo hat am Montagabend angeordnet, den 29-jährigen Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, aus der Untersuchungshaft zu entlassen, damit er bei seiner schwer kranken Mutter sein kann; die Staatsanwaltschaft legte umgehend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein.
Begründung des Gerichts
Die Entscheidung traf das Osloer Gericht am späten Montagabend. Begründet wurde die Anordnung mit dem drastisch verschlechterten Gesundheitszustand der 52-jährigen Kronprinzessin Mette-Marit. Wie die norwegische Zeitung Verdens Gang berichtete, erklärte das Gericht, die Fortsetzung der Inhaftierung wäre nicht nur für Høiby, sondern auch für seine Mutter in der ohnehin schwierigen Lage, in der sie sich befinden, sehr belastend.
Høiby befindet sich seit Anfang Februar in Untersuchungshaft. Ihm werden insgesamt 40 Straftaten zur Last gelegt, darunter vier Vergewaltigungen sowie Missbrauchsvorwürfe. Die Staatsanwaltschaft hat eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten gefordert; die Höchststrafe für die angeklagten Taten liegt bei 16 Jahren. Das Urteil in dem Verfahren wird am 15. Juni erwartet, nachdem der Prozess vom 3. Februar bis zum 19. März gelaufen war.
Hintergrund des Verfahrens
Die Verteidigung hatte den neuen Antrag auf Haftentlassung mit dem veränderten Gesundheitszustand der Kronprinzessin begründet. Bereits im Mai hatte Høiby eine Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt, die jedoch abgelehnt wurde – der Fall ging damals bis vor den Obersten Gerichtshof Norwegens. Auch die Polizei hatte sich zuvor gegen eine Freilassung ausgesprochen.
Høiby selbst schilderte vor Gericht die Belastung durch die Haft. Er sagte: "Da drinnen zu sitzen, während Mama so krank ist, ist nicht auszuhalten". Zudem erklärte er, er würde niemals etwas tun, dass die Situation verschlimmert. Das ist undenkbar für mich. Høiby bestritt zudem, dass von ihm eine Wiederholungsgefahr ausgehe.
Aussagen von Høiby vor Gericht
Vor dem Gericht berichtete Høiby auch von einem Besuch bei seiner Mutter, der ihn tief bewegt habe. "Mama zu Hause zu sehen war ein ganz anderes Erlebnis, als sie im Gefängnis in Oslo zu sehen. Das war eine ganz andere Mama, das war unglaublich gut zu sehen", sagte er. Mit Blick auf die ungewisse gesundheitliche Entwicklung fügte er hinzu: "Jeder Sonntag, an dem wir uns sehen, kann das letzte Mal sein, dass wir uns sehen".
Bereits am Sonntag hatten Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon ihren ältesten Sohn in der Haftanstalt besucht. Høiby war nach Angaben von Medienberichten am Montag für mehrere Stunden aus dem Gefängnis entlassen worden, um an einem Informationsgespräch über den Gesundheitszustand seiner Mutter teilzunehmen. Dieses Treffen fand auf Skaugum statt, dem Wohnsitz der Familie des Kronprinzen.
Gesundheitszustand der Kronprinzessin
Am Freitag hatte der norwegische Königshof bekanntgegeben, dass die Kronprinzessin eine neue Lunge benötigt. Sie leidet an einer unheilbaren chronischen Lungenerkrankung, einer Lungenfibrose, und ist auf eine Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt worden. Im Alltag ist sie auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Schon im Dezember war öffentlich gemacht worden, dass die Kronprinzessin eine neue Lunge brauche.
Mette Yvonne Larsen, die Anwältin von Høibys Ex-Freundin, sagte der Zeitung Aftenposten, ihre Mandantin wolle das bestehende Kontaktverbot aufrechterhalten. "Sie hat gesagt, dass sie das Kontaktverbot aufrechterhalten möchte", erklärte Larsen. Høiby hatte dieses Kontaktverbot gegen seine Ex-Freundin, die im Prozess auch als vermeintliches Opfer aussagte, nach Angaben des Gerichts wiederholt verletzt.
Kontaktverbot und Vorwürfe
Larsen berichtete zudem, dass mehrere Personen aus Høibys Umfeld in letzter Zeit versucht hätten, ihre Mandantin dazu zu bewegen, das Kontaktverbot aufzuheben. Die Verteidigung von Høiby hat bei den schwersten Anklagepunkten, darunter die vier Vergewaltigungsvorwürfe, auf Freispruch plädiert.
Trotz der gerichtlichen Anordnung bleibt Høiby vorerst in Untersuchungshaft. Da die Staatsanwaltschaft Berufung mit aufschiebender Wirkung eingelegt hat, muss ein höheres Gericht den Fall überprüfen, bevor Høiby tatsächlich entlassen werden kann. Damit wird sich die Haftzeit von Høiby über die Urteilsverkündung am 15. Juni hinaus voraussichtlich fortsetzen.
Berufung der Staatsanwaltschaft
Die Anordnung des Osloer Gerichts macht die schwierige Abwägung deutlich, die in solchen Fällen getroffen werden muss: einerseits die Unschuldsvermutung und das Recht auf familiären Kontakt, andererseits die Schwere der Vorwürfe und die Sicherheitsinteressen. Indem das Gericht die Haftfortsetzung als "sehr belastend" für Mutter und Sohn bezeichnete, stellte es das persönliche Leid der Familie über die Bedenken der Polizei und der Staatsanwaltschaft.
Die Berufung der Staatsanwaltschaft verdeutlicht zugleich, dass die Ermittlungsbehörden weiterhin ein erhebliches Sicherheitsrisiko sehen. Sie hatten bereits im Mai gegen eine Freilassung mit Fußfessel votiert. Die Polizei hatte sich zuvor ebenfalls gegen eine Entlassung Høibys ausgesprochen, die endgültige Entscheidung lag beim Gericht.
Der Fall hat in Norwegen eine breite öffentliche Debatte ausgelöst, auch über den Umgang mit häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen. Die Anklagepunkte umfassen neben den vier Vergewaltigungen auch Vorwürfe des Missbrauchs. Høiby bestreitet eine Wiederholungsgefahr und hat die Freilassung mit dem Wunsch begründet, seine Mutter in einer existenziellen Lebensphase unterstützen zu können.
Mit Blick auf die kommende Woche richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf das Urteil am 15. Juni. Bis dahin bleibt offen, ob Høiby das Verfahren in Freiheit oder weiterhin in Haft erwarten wird. Die gesundheitliche Situation der Kronprinzessin gilt als akut lebensbedrohlich, weshalb die Zeit für die Familie besonders knapp bemessen ist.
Fragen & Antworten
Wer ist Marius Borg Høiby?
Marius Borg Høiby ist der 29-jährige Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen und befindet sich seit Anfang Februar in Untersuchungshaft; ihm werden 40 Straftaten, darunter vier Vergewaltigungen und Missbrauch, zur Last gelegt.
Warum hat das Osloer Gericht die Freilassung angeordnet?
Das Gericht begründete die Anordnung mit dem drastisch verschlechterten Gesundheitszustand der Kronprinzessin Mette-Marit; eine Fortsetzung der Haft wäre für Mutter und Sohn sehr belastend.
Wann wird das Urteil im Verfahren gegen Høiby verkündet?
Das Urteil wird am 15. Juni verkündet, nachdem der Prozess vom 3. Februar bis zum 19. März gelaufen war und die Staatsanwaltschaft sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert hat.
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