Gericht in Oslo bewilligt Haftentlassung von Marius Borg Høiby – Staatsanwaltschaft legt sofort Berufung ein
Oslo, 08. Juni 2026
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Kurzfassung
Ein Gericht in Oslo hat am Montagabend dem Antrag von Marius Borg Høiby stattgegeben, die Untersuchungshaft zu verlassen, um bei seiner schwer erkrankten Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, sein zu können. Die norwegische Staatsanwaltschaft legte jedoch umgehend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein, sodass Høiby bis zur Überprüfung durch ein höheres Gericht in Haft bleibt.
Ein Gericht in Oslo hat am Montagabend dem Antrag von Marius Borg Høiby stattgegeben, die Untersuchungshaft vorübergehend zu verlassen, um bei seiner schwer erkrankten Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, zu sein; die Staatsanwaltschaft legte jedoch sofort Berufung mit aufschiebender Wirkung ein.
Die Entscheidung des Gerichts in Oslo fiel am Montagabend und kam für viele Beobachter überraschend. Marius Borg Høiby, der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, befindet sich seit Anfang Februar in Untersuchungshaft. Sein Antrag, die Haft zu verlassen, um Zeit mit seiner Mutter zu verbringen, wurde nun unter der Bedingung genehmigt, dass er das Gefängnis für einige Stunden verlassen durfte, um an einem Informationsgespräch über den Gesundheitszustand der Kronprinzessin auf dem Anwesen Skaugum teilzunehmen.
Høiby hatte vor Gericht erklärt, er würde "niemals etwas tun würde, dass die Situation verschlimmert. Das ist undenkbar für mich" und bestritt zugleich, dass von ihm eine Rückfallgefahr ausgehe. Sein Verteidiger hatte den neuen Entlassungsantrag mit der veränderten Gesundheitslage der Kronprinzessin begründet.
Das Gericht begründete seine Entscheidung laut der Zeitung Verdens Gang damit, dass "Die Fortsetzung der Inhaftierung wäre nicht nur für Høiby, sondern auch für seine Mutter in der ohnehin schwierigen Lage, in der sie sich befinden, sehr belastend" sei. Es handele sich um eine Einzelfallentscheidung, die die Schwere der gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht in Frage stelle.
Begründung des Gerichts
Die norwegische Staatsanwaltschaft zeigte sich mit dem Beschluss jedoch nicht einverstanden und legte noch am Abend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein. Damit bleibt der 29-jährige Høiby vorerst in Untersuchungshaft, bis ein höheres Gericht den Fall überprüft hat. Die Polizei hatte sich zuvor gegen eine Entlassung aus der Haft ausgesprochen.
Hintergrund ist die dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustands von Kronprinzessin Mette-Marit. Wie der norwegische Königshof am Freitag mitgeteilt hatte, hat sich ihr Zustand drastisch verschlechtert. Die Kronprinzessin leidet an der unheilbaren Lungenkrankheit Lungenfibrose und benötigt im Alltag ein Sauerstoffgerät.
Verschlechterter Gesundheitszustand der Kronprinzessin
Bereits im Dezember hatte das norwegische Königshaus bekannt gegeben, dass Mette-Marit eine neue Lunge benötigt. Am Freitag wurde zudem bekannt, dass sie aufgrund ihrer "lebensbedrohlichen chronischen Lungenerkrankung" auf die Warteliste für eine Transplantation gesetzt wurde. Høiby hatte vor Gericht betont, dass "Jeder Sonntag, an dem wir uns sehen, kann das letzte Mal sein, dass wir uns sehen".
Høiby schilderte vor Gericht zudem die emotionale Belastung der Haftzeit: "Da drinnen zu sitzen, während Mama so krank ist, ist nicht auszuhalten". Er habe seine Mutter am Sonntag gemeinsam mit seinem Stiefvater Kronprinz Haakon im Gefängnis besucht. Der Besuch zu Hause sei "ein ganz anderes Erlebnis" gewesen als im Gefängnis: "Mama zu Hause zu sehen war ein ganz anderes Erlebnis, als sie im Gefängnis in Oslo zu sehen. Das war eine ganz andere Mama, das war unglaublich gut zu sehen".
Schwere Vorwürfe und laufender Prozess
Parallel zur Haftentscheidung läuft der Prozess gegen Høiby wegen schwerer Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert. Die Verteidigung hatte unter anderem einen Freispruch bei den schwersten Anklagepunkten, darunter vier Vergewaltigungen, beantragt. Das Urteil in dem Vergewaltigungsprozess gegen Høiby wird in einer Woche verkündet.
Høiby hatte nach Angaben der Ermittler wiederholt ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verletzt, die in dem Prozess auch als mutmaßliches Opfer aussagte. Mette Yvonne Larsen, die Anwältin der Ex-Freundin, erklärte gegenüber der Zeitung Aftenposten, ihre Mandantin wolle das Kontaktverbot aufrechterhalten. "Sie hat gesagt, dass sie das Kontaktverbot aufrechterhalten möchte", so Larsen. Mehrere Personen aus Høibys Umfeld hätten zuletzt versucht, die Ex-Freundin zur Aufhebung des Kontaktverbots zu bewegen.
Frühere Anträge auf Haftentlassung gescheitert
Høiby hatte bereits im Mai einen Antrag auf Haftentlassung mit elektronischer Fußfessel gestellt, der jedoch abgelehnt wurde. Dieser Antrag war bis vor das Oberste Gericht Norwegens gegangen, das die Entscheidung ebenfalls bestätigte.
Die kurzzeitige Haftentlassung am Montag gilt ausschließlich für den Besuch des Informationsgesprächs auf Skaugum, dem Wohnsitz der Kronprinzenfamilie. Eine dauerhafte Freilassung ist mit dem Gerichtsbeschluss nicht verbunden.
Berufung der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Berufung nach Angaben norwegischer Medien unter anderem mit der anhaltenden Rückfallgefahr und den laufenden Ermittlungen. Bis zur Entscheidung des Berufungsgerichts muss Høiby in der Osloer Haftanstalt bleiben.
Der Fall sorgt in Norwegen seit Monaten für großes Medieninteresse, da er das norwegische Königshaus unmittelbar betrifft. Kronprinzessin Mette-Marit ist die Ehefrau von Kronprinz Haakon, dem Thronfolger Norwegens. Marius Borg Høiby ist aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin hervorgegangen und hat keinen offiziellen Titel im Königshaus.
Auswirkungen auf das Königshaus
Beobachter rechnen damit, dass das Berufungsverfahren innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein könnte. Bis dahin bleibt Høiby in Haft, während gleichzeitig der Gesundheitszustand seiner Mutter eine ungewisse Entwicklung nimmt.
Die Verkündung des Urteils im Hauptverfahren gegen Høiby ist für die kommende Woche angesetzt. Sollte das Berufungsgericht die Haftentlassung bestätigen, könnte Høiby unter Auflagen vorübergehend freikommen, bis das Urteil verkündet wird. Andernfalls bleibt er bis zum Abschluss des Verfahrens in Untersuchungshaft.
Fragen & Antworten
Wer ist Marius Borg Høiby?
Marius Borg Høiby ist der 29-jährige Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung und besitzt keinen offiziellen Titel im Königshaus.
Warum hat das Gericht in Oslo die Haftentlassung bewilligt?
Das Gericht entschied, dass die Fortsetzung der Inhaftierung nicht nur für Høiby, sondern auch für seine schwer erkrankte Mutter in deren ohnehin schwieriger Lage sehr belastend wäre.
Was passiert nun mit Høiby nach der Berufung der Staatsanwaltschaft?
Høiby muss nach der Berufung mit aufschiebender Wirkung in Untersuchungshaft bleiben, bis ein höheres Gericht den Fall überprüft hat; parallel wird in einer Woche das Urteil im Hauptverfahren erwartet.