Berlin, 09 Juni 2026

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron haben sich darauf verständigt, das gemeinsame Kampfflugzeug-Projekt Future Combat Air System (FCAS) nach neun Jahren und erbitterten Industriestreitigkeiten zu beenden.

Projektstart und Symbolkraft

Update vom 9. Juni 2026: Aus Berliner Regierungskreisen wurde am Montag bekannt, dass die deutsche und die französische Seite das gemeinsame Kampfjet-Projekt FCAS beenden. Am Abend bestätigte die Bundesregierung das Aus, der Élysée-Palast in Paris äußerte sich erst Stunden später offiziell. Damit ist das größte und mit über 100 Milliarden Euro veranschlagte europäische Rüstungsprojekt vorerst gescheitert.

Industriestreit als Kern des Scheiterns

Was ist neu seit dem 8. Juni 2026: Gegenüber dem Vortag hat sich vor allem der Tonfall der politischen Reaktionen verändert. Während am Wochenende noch Vermittlungsversuche zwischen den Konzernen im Raum standen, gilt das Projekt nun als beendet. Neu ist zudem, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius den Ausstieg ausdrücklich als Lehre bezeichnete und die deutsch-französische Zusammenarbeit dennoch als intakt darstellte. Ebenfalls neu: Die Bundeswehr will kurzfristig zusätzliche F-35-Jets aus den USA beschaffen, um die Lücke bis zu einem Nachfolgeprojekt zu überbrücken.

Das Projekt FCAS, im Juli 2017 vom damaligen französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Pariser Luftfahrtmesse Le Bourget aus der Taufe gehoben, war als gemeinsames "System of Systems" konzipiert: ein bemannter Kampfjet der sechsten Generation, dazu bewaffnete und unbewaffnete Drohnen, Sensoren, Munition sowie eine digitale "Combat Cloud", die alle Komponenten miteinander vernetzt. Die Gesamtkosten wurden auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt, wovon Berlin laut NZZ bereits fast 500 Millionen Euro investiert hat und im Haushaltsentwurf 2026 weitere 1,214 Milliarden Euro eingeplant sind. Spanien war 2019 dem Vorhaben beigetreten.

Unterschiedliche militärische Anforderungen

Den Ausschlag gaben wirtschaftliche Streitigkeiten zwischen den Industriepartnern. Der französische Konzern Dassault, Hersteller von Mirage, Rafale und Falcon, beanspruchte für sich die Führungsrolle im Programm. Im Jahr 2025 verschärfte Dassault-Chef Éric Trappier die Lage, indem er plötzlich 80 Prozent Führungsanteil forderte. Airbus, dessen Rüstungssparte zwar in München sitzt, an der die Franzosen aber einen Aktienanteil von 10,8 Prozent halten, wies dies als Verletzung bestehender Vereinbarungen zurück, weil es Dassault die Kontrolle über industrielle Lizenzen und geistiges Eigentum verschafft hätte. Berlin verwies auf bestehende Vereinbarungen, die eine gleichberechtigte Beteiligung der Unternehmen vorsehen.

Hinzu kamen technische Differenzen zwischen den Luftwaffen. Die französischen Streitkräfte verlangten ein Flugzeug, das auf Flugzeugträgern operieren und atomwaffenfähig sein kann. Deutschland benötigt beides nicht und legte stattdessen besonderen Wert auf hohe Geschwindigkeit und eine leistungsfähige Plattform für die Luftraumverteidigung von Landbasen aus. Bereits Ende Februar hatte Merz öffentlich erklärt, dass die Anforderungen beider Länder grundlegend auseinanderliefen. Auch beim Drohnen-Konzept gingen die Vorstellungen auseinander: Der französische Generalstab wollte keine 13-Tonner, sondern kleinere und zahlreichere Drohnen.