EU-Zulassung für Wegovy-Tablette: Novo Nordisk beginnt schrittweisen Rollout in den Mitgliedstaaten
Brüssel, 22. Juli 2026
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Kurzfassung
Die EU-Kommission hat eine orale Variante des Wirkstoffs Semaglutid zur Gewichtskontrolle zugelassen. Der Hersteller Novo Nordisk beginnt nun mit dem schrittweisen Rollout in den EU-Staaten, wobei ein konkreter Termin für Österreich noch offen ist.
Die EU-Kommission hat Mitte Juli eine Tablette mit dem Wirkstoff Semaglutid (Handelsname Wegovy) zur Gewichtskontrolle bei Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und gewichtsbedingten Begleiterkrankungen zugelassen, und der Hersteller Novo Nordisk beginnt nun mit dem schrittweisen EU-weiten Vertrieb.
Zulassungsumfang und Zielgruppen
Mit der EU-weiten Zulassung steht Menschen mit Adipositas oder Übergewicht und gewichtsbedingten Begleiterkrankungen nun zum ersten Mal ein GLP-1-basiertes Medikament in Tablettenform zur Verfügung, hieß es weiter. Bisher war Semaglutid ausschließlich als sogenannte Abnehmspritze erhältlich; nun kommt der Wirkstoff erstmals in einer oralen Darreichungsform auf den europäischen Markt. Die Zulassung durch die Europäische Kommission gilt unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten, sodass keine zusätzlichen nationalen Genehmigungsverfahren erforderlich sind. Auch Österreich ist von dieser Regelung umfasst.
Indikation und Anwendungsgebiet entsprechen im Wesentlichen der bisherigen Wegovy-Spritze mit demselben Wirkstoff. Die Behandlung kommt in der Regel infrage für Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30 (Adipositas) oder bereits ab einem BMI von 27 (Übergewicht), wenn zusätzlich eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt (u. a. Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe, Fettleber). Die Tablette ist verschreibungspflichtig, und dringend empfohlen wird die Behandlung unter ärztlicher Begleitung und ergänzend zu einer Ernährungsumstellung sowie ausreichend Bewegung.
Hintergrund – Wirkmechanismus
Hintergrund – Wirkmechanismus
Semaglutid imitiert die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 und reguliert auf diese Weise den Blutzucker. Die Regulation des Blutzuckers durch Semaglutid führt dazu, dass man schneller satt ist und weniger Hunger hat. Die Tablette ist zum Schutz vor Magensäure verkapselt; im Magen gibt sie den Wirkstoff in die Gefäße der Magenschleimhaut ab. Trinkt man zu viel, rutscht sie in den Dünndarm und wirkt nicht.
Studienlage und Gewichtsreduktion
Studienlage und Gewichtsreduktion
Einnahme und Alltagshinweise
Studien zur neu zugelassenen Pille zeigen laut Hersteller eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 17 Prozent. Eine APA-Anfrage beim Hersteller bestätigte diese Zahl. In der OASIS-4-Studie verloren die Teilnehmer durchschnittlich 16,6 Prozent ihres Körpergewichts. Die Tabletten müssen, anders als die Spritze, nicht gekühlt werden.
Einnahme und Alltagshinweise
Dosisunterschied zwischen Tablette und Spritze
Im Gegensatz zur Abnehmspritze, die man sich wöchentlich verabreicht, muss die Tablette täglich genommen werden. Sie muss nüchtern geschluckt werden, mit nur wenig Wasser. Diabetologe Stephan Martin, Direktor des Westdeutschen Diabeteszentrums in Düsseldorf, präzisierte: Mit maximal 100 Millilitern, gerade so viel, dass sie in den Magen gelangt und dort liegen bleibt. Danach muss man eine halbe Stunde auf Essen oder Trinken verzichten. Anders als bei der Spritze entfällt die Kühlung.
Wirksamkeit, Grenzen und Wechseloptionen
Dosisunterschied zwischen Tablette und Spritze
Nebenwirkungen und Abbruchraten
Zum Einstieg sind es bei der Tablette rund zehn Milligramm pro Woche, bei der Spritze 0,25 mg. Andreas Pfeiffer, Endokrinologe und Ernährungsmediziner an der Berliner Charité, erklärte: Ein Riesenunterschied, weil durch den Magen so wenig vom Hormon ankommt. Pfeiffer sagte weiter: Man kann ohne Weiteres auf die Pille umsteigen. Zum konkreten Wechsel von der Wegovy-Spritze auf die neue Darreichungsform gibt es allerdings noch keine Studien.
Wirksamkeit, Grenzen und Wechseloptionen
Marktrolle von Novo Nordisk und globale Verbreitung
Stephan Martin sagte: die gleiche Indikation, die gleiche Nebenwirkungsrate und eine ähnliche Wirksamkeit wie die Spritze. Es ist der gleiche Inhaltsstoff, Semaglutid, nur höher dosiert. Abnehmerfolge von um die 20 Prozent zum Ausgangsgewicht seien laut Martin ohnehin nur mit einer Diätberatung und ausreichend Bewegung zu erreichen. Diese Tabletten sind insbesondere geeignet für Menschen mit panischer Angst vor Spritzen.
Rollout in Österreich und Deutschland
Nebenwirkungen und Abbruchraten
Kosten und Selbstzahlung
Pfeiffer wies auf Grenzen hin: Bei manchen wirke Semaglutid hingegen fast gar nicht. Patienten mit Diabetes nehmen meistens weniger ab. Bis zu einem Drittel der Patienten erbrechen häufig durch die Einnahme. Zehn bis 20 Prozent müssten die Behandlung nach Nebenwirkungen abbrechen. Stephan Martin ergänzte: Die Magenentleerung wird verzögert. Man hat dadurch ein Völle- oder auch ein Übelkeitsgefühl.
Wechselwirkungen und Jo-Jo-Effekt
Die Pille ist den Angaben zufolge eine Therapieoption, die keine Wechselwirkungen mit häufig verwendeten Medikamenten wie Blutdrucksenkern, Antibiotika oder oralen Verhütungsmitteln hat. Wer die Pille wieder absetzt, muss wie bei der Spritze mit einem Jo-Jo-Effekt rechnen.
Marktrolle von Novo Nordisk und globale Verbreitung
Der Hersteller der Pille ist Novo Nordisk. Nach der EU-weiten Zulassung beginnt das Pharmaunternehmen nun mit dem schrittweisen Rollout in den EU-Ländern. Bei der EU-weiten Zulassung handelt es sich um die fünfte Genehmigung weltweit nach den USA, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.
Rollout in Österreich und Deutschland
Novo Nordisk teilte mit: Wir arbeiten daran, neben dem bereits erhältlichen Wegovy-Pen auch die Wegovy-Pille in Österreich auf den Markt zu bringen, können zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch kein genaues Datum nennen. Es werde daran gearbeitet, die Pille auch in Österreich auf den Markt zu bringen, hieß es vom Hersteller. Ein genauer Zeitpunkt konnte jedoch noch nicht genannt werden. In Deutschland könnte die rezeptpflichtige Abnehmtablette bereits im Spätsommer oder Herbst verfügbar sein.
Kosten und Selbstzahlung
Auch die Wegovy-Tablette ist selbst zu zahlen. Preise sollen erst noch festgelegt werden und dürften je nach Land variieren. Durch weitere Hersteller dürften die Preise noch sinken. In den USA kostet eine Monatsration der Einstiegsdosis derzeit rund 149 US-Dollar (etwa 129 Euro).
Mit der Tablette wird die medikamentöse Adipositas-Therapie nun auch für Menschen verfügbar, für die eine Injektionstherapie nicht möglich oder nicht erwünscht ist. Die EU-Zulassung gilt als fünfte Genehmigung weltweit nach den USA, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Novo Nordisk arbeitet daran, die Wegovy-Pille auch in Österreich auf den Markt zu bringen, ohne dass bereits ein konkretes Datum genannt werden konnte.
Fachleute betonen, dass die Therapie nur ein Baustein innerhalb eines umfassenden Konzepts sein kann. Die Verschreibungspflicht und die ärztliche Begleitung bleiben verpflichtend; Diätberatung und Bewegung gelten als unverzichtbare Ergänzung. Ob sich die Preise in Europa an den US-Werten orientieren werden, ist derzeit offen, da die Herstellerabgaben je nach Land variieren dürften und weitere Anbieter künftig für Preisdruck sorgen könnten.
Insgesamt markiert die EU-Zulassung der Wegovy-Tablette einen weiteren Schritt im Ausbau oraler Therapieoptionen gegen Adipositas. Der konkrete Nutzen für Patientinnen und Patienten in Österreich hängt nun vom Tempo des Markteintritts ab, das Novo Nordisk derzeit nicht beziffern kann.
Fragen & Antworten
Für wen ist die Wegovy-Tablette zugelassen?
Die Tablette ist für Erwachsene mit einem BMI ab 30 (Adipositas) oder ab einem BMI von 27 (Übergewicht) zugelassen, sofern zusätzlich eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder Fettleber vorliegt.
Wann kommt die Wegovy-Pille nach Österreich?
Novo Nordisk arbeitet laut eigenen Angaben daran, die Wegovy-Pille auch in Österreich auf den Markt zu bringen, kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch kein genaues Datum nennen; in Deutschland könnte die Tablette bereits im Spätsommer oder Herbst verfügbar sein.
Welche Nebenwirkungen sind unter Semaglutid in Tablettenform zu erwarten?
Als häufige Nebenwirkungen nennt Stephan Martin ein Völlegefühl und Übelkeit durch verzögerte Magenentleerung; bis zu einem Drittel der Patientinnen und Patienten erbricht laut Andreas Pfeiffer häufig, und zehn bis 20 Prozent müssen die Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrechen.