England nach 2:1 gegen Norwegen im WM-Halbfinale gegen Argentinien
Miami, 12. Juli 2026
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Kurzfassung
England hat das WM-Viertelfinale gegen Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen und trifft am Mittwoch in Atlanta im Halbfinale auf Argentinien. Jude Bellingham erzielte beide Tore für die Three Lions, darunter den Siegtreffer in der 93. Minute nach einem Fehler von Torhüter Örjan Nyland.
Jude Bellingham hat England mit zwei Toren in das WM-Halbfinale gegen Argentinien geschossen, nachdem die Three Lions das Viertelfinale gegen Norwegen am Samstagabend in Miami mit 2:1 nach Verlängerung gewonnen hatten.
Spielverlauf und Entscheidung
Die Partie im Hard Rock Stadium, die bei über 30 Grad Celsius und 75 Prozent Luftfeuchtigkeit stattfand, dauerte mehr als 120 Minuten und war geprägt von intensiven Zweikämpfen, technischen Fehlern auf beiden Seiten und einer umstrittenen Szene in der ersten Halbzeit. Norwegen ging durch Andreas Schjelderup in Führung, doch Bellingham glich kurz vor dem Ende der ersten Hälfte zum 1:1 aus. In der Verlängerung fiel die Entscheidung erst in der dritten Minute der zweiten Hälfte der Verlängerung, als Bellingham einen eigentlich harmlosen Fernschuss nutzte, den Norwegens Torhüter Örjan Nyland unglücklich direkt in seinen Lauf ablenkte.
Damit avancierte der 23-jährige Mittelfeldspieler von Real Madrid zum Matchwinner. Bellingham ist mit sechs Turniertoren gemeinsam mit Harry Kane bester englischer Torschütze bei dieser Weltmeisterschaft. Zusammen haben die beiden Angreifer 12 der 13 englischen Treffer erzielt. Kein englischer Spieler hatte zuvor bei einer einzelnen Weltmeisterschaft mehr als fünf Tore erzielt.
Tuchels Kritik und Bellinghams Reaktion
Trainer Thomas Tuchel zeigte sich nach dem Spiel zwiegespalten. In einem TV-Interview kritisierte der 52-jährige Deutsche die Leistung seiner Mannschaft deutlich: "Ich bin nicht zufrieden mit der Leistung. Wir haben es uns durch unsere Spielweise sehr, sehr schwer gemacht. Schlampig, viele technische Fehler, nicht schnell genug, nicht konsequent genug. Wir hatten heute Glück." Gleichzeitig lobte er die Mentalität seiner Spieler: "Das ist pure Mentalität. Die kann man in Flaschen abfüllen und verkaufen." Und über Bellingham sagte er: "Das war eine Weltklasseleistung von einem Weltklassespieler."
Bellingham reagierte auf die Kritik seines Trainers zunächst gereizt. Auf die Frage, was er von Tuchels Bewertung halte, antwortete er: "Was auch immer" – und fügte hinzu: "Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter solchen Bedingungen gegen Erling Haaland, Nusa und Sørloth zu spielen. Das ist keine schlechte Mannschaft." Später relativierte er seinen Ton und sagte: "Wir haben versucht, ein positives Umfeld zu entwickeln und jetzt, wo wir unter den letzten vier Teams sind, sollten wir das genauso fortführen."
Tuchel wies Spekulationen über einen Bruch zwischen ihm und dem Team zurück. "Es gibt keine Kluft zwischen mir und dem Team", sagte der Coach. "Ich liebe mein Team und meine Spieler von ganzem Herzen." Auf die Frage, ob er mit der Leistung zufrieden sei, antwortete er: "In welcher Hinsicht? In jeder Hinsicht" – und bezog sich damit auf die positiven Aspekte des Spiels.
Die umstrittene Kabel-Szene
Kapitän Harry Kane bestätigte, dass Tuchel die Mannschaft in der Kabine sowohl beglückwünscht als auch auf Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen habe. "Es ist positiv, im Halbfinale zu stehen und noch besser spielen zu können", sagte Kane. Tuchel ergänzte: "Ich lasse Harry und Jude zusammen spielen, und sie erledigen den Rest." Declan Rice wurde in der Halbzeitpause verletzungsbedingt ausgewechselt.
Besonders umstritten war eine Szene kurz vor Bellinghams Ausgleichstor. Nach einem Abschlag von Nyland schien der Ball in der Luft von einer Spidercam-Kabel oberhalb des Spielfelds gestoppt worden zu sein, bevor er bei Anthony Gordon landete, der schließlich Bellingham bediente. Norwegische Spieler beschwerten sich beim französischen Schiedsrichter Clément Turpin, dass der Ball das Kabel berührt habe. Die FIFA erklärte jedoch, dass der im Ball eingebaute Sensor "keinen Ausschlag" gezeigt habe und es "keinen Beleg" für eine Berührung mit dem Kabel gebe. Hätte es eine solche Berührung gegeben, wäre ein Drop-Ball angesagt worden.
Gary Neville, ehemaliger englischer Nationalspieler, sagte dazu: "Also ich würde eher den Norwegern glauben als der FIFA." Norwegens Trainer Stale Solbakken nannte die Entscheidung "unglücklich" für sein Team. Auch ein norwegisches Tor wurde nach Videobeweis zurückgenommen, nachdem Erling Haaland im Vorfeld einer Ecke ein Foul an Elliot Anderson begangen haben soll. Das Tor hatte Verteidiger Torbjörn Heggem per Abpraller von der Latte erzielt.
Norwegens bitterer Abend
Norwegens Ersatzspieler Antonio Nusa und Oscar Bobb bereiteten der englischen Abwehr erhebliche Probleme. Dennoch war am Ende die individuelle Klasse Bellinghams entscheidend. Nach dem Schlusspfiff weinte Nyland auf dem Platz und wurde von seiner Frau und seinen drei Söhnen getröstet. Bellingham kollidierte bei der Jubeltraube mit Torhüter Jordan Pickford, blieb aber unverletzt.
Bellingham, der bereits vor dem Viertelfinale eine Gelbe Karte erhalten hatte und bei einer weiteren Sperre riskiert hätte, sagte über den Sieg: "Das übertrifft meine kühnsten Träume." Seine Mutter habe ihm vor dem Spiel geraten: "Pass auf, was du sagst. Pass bei den Grätschen auf. Achte auf deine Emotionen." Über seine Mitspieler sagte er: "Sie sind Krieger." Das Team feierte im Camp in Kansas City mit Eisbädern und Erholungsgetränken.
Halbfinale gegen Argentinien
England trifft am Mittwoch um 21:00 Uhr MESZ in Atlanta im Halbfinale auf Argentinien. Die Argentinier setzten sich im Viertelfinale gegen die Schweiz mit 3:1 nach Verlängerung durch. Julián Álvarez, "die Spinne", erzielte in der 112. Minute den entscheidenden Treffer zum 2:1, Lautaro Martínez traf ebenfalls in der Verlängerung. Breel Embolo sah für die Schweiz die Rote Karte. Lionel Messi blieb im Viertelfinale ohne Tor.
England, das seinen ersten und bisher einzigen Weltmeistertitel 1966 im eigenen Land gewann, jagt nun den zweiten Stern. Bei dieser WM, die erstmals mit 48 Teams in 12 Vorrundengruppen ausgetragen wird, schlugen die Three Lions im Auftaktspiel Kroatien 4:2, in der Runde der letzten 16 Mexiko 3:2 und nun Norwegen 2:1 nach Verlängerung.
Internationale Pressereaktionen
Die internationale Presse würdigte den englischen Kampfgeist. L'Équipe schrieb: "Bellingham rettet das Königreich." Die spanische Marca titelte: "Der mächtigste Wikinger ist Jude. Die britische Royal Navy versenkt das Schiff Viking." The Guardian schrieb: "England musste hart kämpfen, hatte zeitweise Glück, gab aber einfach nicht auf, und letztendlich machte sich ihre Kaderbreite bemerkbar. Es wird gefeiert, aber nicht überschwänglich: Alle sind völlig erschöpft."
Wayne Rooney, 120-facher englischer Nationalspieler, sagte: "Ich fand das Interview von Tuchel großartig." Der ehemalige Verteidiger Matthew Upson erklärte gegenüber der BBC: "Ich verstehe Tuchels Einschätzung. Wir alle sehen, dass England das viel besser kann." Auch der ehemalige Stürmer Alan Shearer unterstützte Tuchel und lobte ihn dafür, dass er Schwachstellen benenne.
Bellingham betonte, dass "schmutzige" Siege manchmal notwendig seien: "Man gewinnt nicht jedes Spiel, in dem man tausend Pässe spielt. Manchmal muss man auch schmutzig gewinnen." Tuchel kündigte für die kommenden Tage Verbesserungen an: "Wir können viel schneller spielen, präziser, mit weniger unerzwungenen Fehlern." Und: "Jeder hier ist bereit für die nächsten acht Tage. Dieser Sieg hilft uns wahnsinnig."
Iminoffiziellen Golden-Boot-Ranking liegen Lionel Messi und Kylian Mbappé mit zwei Toren Vorsprung vor Kane und Bellingham. Alle Gelben Karten wurden nach dem Viertelfinale gestrichen, sodass England im Halbfinale ohne Gelbsorgen antreten kann. Die deutsche Nationalmannschaft war bereits in der Runde der letzten 16 gegen Paraguay ausgeschieden.
Fragen & Antworten
Wer hat die Tore für England im Viertelfinale gegen Norwegen geschossen?
Jude Bellingham erzielte beide Tore für England – den Ausgleich kurz vor Ende der ersten Halbzeit und den Siegtreffer in der 93. Minute nach einem Fehler von Norwegens Torhüter Örjan Nyland.
Was hat FIFA zur umstrittenen Spidercam-Szene vor Bellinghams Ausgleichstor gesagt?
Die FIFA erklärte, dass der im Ball eingebaute Sensor keinen Ausschlag gezeigt habe und es keinen Beleg für eine Berührung des Balls mit dem Kabel gebe. Gary Neville sagte dagegen, er würde eher den Norwegern als der FIFA glauben.
Gegen wen spielt England im WM-Halbfinale und wann findet das Spiel statt?
England trifft am Mittwoch um 21:00 Uhr MESZ in Atlanta im Halbfinale auf Argentinien, das sich im Viertelfinale gegen die Schweiz mit 3:1 nach Verlängerung durchsetzte.
England im WM-Halbfinale: Bellingham schießt Three Lions | nachrichten360