E-Scooter-Verfolgungsjagd: Zwölfjähriger flüchtet mit 80 km/h
St. Andrä-Wördern, 10 Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
In Michelhausen im Bezirk Tulln hat sich ein zwölfjähriger E-Scooter-Fahrer mit über 80 km/h eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Die Erziehungsberechtigten der beiden Buben wurden der Bezirksverwaltungsbehörde angezeigt.
St. Andrä-Wördern, 10 Juli 2026
Ein zwölfjähriger E-Scooter-Fahrer ist am Dienstag kurz vor 11 Uhr in Michelhausen im Bezirk Tulln in Niederösterreich mit über 80 km/h vor der Polizei geflüchtet, nachdem er gemeinsam mit einem gleichaltrigen Begleiter eine Fahrzeugkontrolle bemerkt hatte.
Ausgangslage: Technische Kontrolle in Michelhausen
Die beiden zwölfjährigen Burschen aus dem Bezirk Tulln waren am Dienstag kurz vor 11 Uhr gemeinsam mit ihren E-Scootern unterwegs, als sie die technische Fahrzeugkontrolle bemerkten. Wie die Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern am Freitag in einer Aussendung mitteilte, wendeten die beiden daraufhin ihre Roller und fuhren in die entgegengesetzte Richtung davon. Die Kontrolle war von Bediensteten der Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern gemeinsam mit Sachverständigen der NÖ Landesregierung durchgeführt worden.
Als die Polizisten Blaulicht und Folgetonhorn einschalteten, beschleunigten beide E-Scooter-Lenker und setzten ihre Fahrt mit einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h im Ortsgebiet fort. Wenig später blieb einer der beiden Zwölfjährigen stehen, während sein Begleiter unvermindert weiterbrauste. Der zweite Lenker setzte seine Fahrt fort und fuhr im Ortsgebiet, darunter auch in einer 30-km/h-Zone, mit teilweise über 80 Stundenkilometern.
Der Flüchtende missachtete mehrfach die Straßenverkehrsordnung (Vorrangmissachtung) und geriet in mehreren Kurven auf die Gegenfahrbahn. Nach rund zwei Kilometern bog er in eine Straße ein, die durch einen Straßenpoller für den Fahrzeugverkehr gesperrt war. Die Polizisten nahmen den Burschen daraufhin zu Fuß verfolgt und konnten ihn kurze Zeit später anhalten.
Höchstgeschwindigkeit um ein Vielfaches überschritten
Die beiden Zwölfjährigen aus dem Bezirk Tulln gaben später zu Protokoll, dass ihre jeweiligen E-Scooter voll aufgeladen ein Tempo von bis zu 57 km/h bzw. von bis zu 90 km/h erreichen würden. Die in Österreich erlaubte Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter liegt bei 25 km/h. Damit überschritten die beiden die zulässige Geschwindigkeit um ein Vielfaches.
Die Polizei zeigte die Erziehungsberechtigten der beiden der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde an. Wie die Behörde weiter mitteilte, hatte sich einer Anhaltung zunächst auch ein zweiter Zwölfjähriger auf einem Roller widersetzt, der aber wenig später aufgab. Die Burschen blieben bei dem Vorfall nach Angaben der Polizei unverletzt.
Anzeige gegen die Erziehungsberechtigten
Die Verfolgungsjagd hatte sich am vergangenen Dienstag gegen 10.50 Uhr ereignet. Die Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern veröffentlichte den Vorfall am Freitag in einer Aussendung. Die APA berichtete am 10. Juli 2026 über den Fall. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken, die von getunten oder besonders leistungsstarken E-Scootern ausgehen können, die für den Straßenverkehr in Österreich zugelassen sind.
In Niederösterreich waren in den vergangenen Monaten wiederholt Vorfälle mit überhöhter Geschwindigkeit auf E-Scootern bekannt geworden. Die zuständigen Behörden hatten daraufhin verstärkte technische Kontrollen angekündigt. Die Kontrolle in Michelhausen war Teil dieser Schwerpunktaktion, an der neben der Polizei auch Sachverständige der NÖ Landesregierung beteiligt waren.
Die Polizei betonte, dass die technische Überprüfung der E-Scooter auf mögliche Manipulationen abgezielt habe. In vielen Fällen seien die Roller so verändert worden, dass sie die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h deutlich überschreiten. Auch bei den beiden Zwölfjährigen bestehe der Verdacht, dass die Geräte nicht den Vorschriften entsprechen.
Risiken für andere Verkehrsteilnehmer
Für die Erziehungsberechtigten der beiden Burschen kann die Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde nun ein Verwaltungsverfahren nach sich ziehen. Welche Konsequenzen genau drohen, hängt vom Ausgang der Ermittlungen ab. Die Polizei verwies in ihrer Aussendung zudem auf die besondere Gefährdung, die von überhöhter Geschwindigkeit im Ortsgebiet ausgeht.
Die Beamten stellten im Zuge der Verfolgung fest, dass die Burschen innerhalb geschlossener Ortschaften, darunter auch in einer 30-km/h-Zone, mit Geschwindigkeiten von teilweise über 80 km/h unterwegs waren. Damit gefährdeten sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer erheblich. Die Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern sprach von einem besonders rücksichtslosen Verhalten.
Nach Angaben der Polizei verlief die Anhaltung des zweiten Burschen ohne weitere Zwischenfälle. Die Beamten nahmen den Zwölfjährigen in Gewahrsam und übergaben ihn im Anschluss an seine Erziehungsberechtigten. Die E-Scooter wurden sichergestellt und sollen nun technisch untersucht werden.
Weitere Kontrollen angekündigt
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Vorfällen ein, bei denen Jugendliche in Niederösterreich mit getunten E-Scootern auffällig geworden waren. Erst im Frühjahr hatte die Landespolizeidirektion Niederösterreich eine verstärkte Kontrollwelle angekündigt. Die Schwerpunktaktion in Michelhausen war Teil dieser Bemühungen.
Die Polizei wies in ihrer Aussendung darauf hin, dass Verstöße gegen die StVO auch dann geahndet werden, wenn die Lenker noch nicht volljährig sind. In solchen Fällen würden die Erziehungsberechtigten zur Verantwortung gezogen. Die Beamten appellierten an Eltern, die Nutzung der E-Scooter ihrer Kinder regelmäßig zu überprüfen.
Für die kommenden Wochen kündigte die Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern weitere technische Kontrollen im Bezirk Tulln an. Dabei solle insbesondere auf nicht zulassungskonforme Manipulationen an den Elektrogeräten geachtet werden. Auch Sachverständige der NÖ Landesregierung sollen weiterhin zum Einsatz kommen.
Die Erhebungen der Bezirksverwaltungsbehörde Tulln dauern an. Über mögliche weitere Schritte werde nach Abschluss der Ermittlungen entschieden, hieß es aus der Behörde. Der Fall hat in Niederösterreich eine Debatte über den Umgang mit getunten E-Scootern neu entfacht.
Fragen & Antworten
Was genau ist in Michelhausen passiert?
Zwei zwölfjährige Burschen aus dem Bezirk Tulln flohen am Dienstag kurz vor 11 Uhr mit ihren E-Scootern vor einer technischen Fahrzeugkontrolle der Polizeiinspektion St. Andrä-Wördern. Einer der beiden erreichte dabei im Ortsgebiet, auch in einer 30-km/h-Zone, Geschwindigkeiten von teilweise über 80 km/h.
Welche Konsequenzen drohen den Erziehungsberechtigten?
Die Polizei zeigte die Erziehungsberechtigten der beiden Zwölfjährigen bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde an. Welche Verwaltungsstrafen konkret verhängt werden, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab.
Wie schnell dürfen E-Scooter in Österreich maximal fahren?
Die in Österreich erlaubte Höchstgeschwindigkeit für E-Scooter beträgt 25 km/h. Die beiden Zwölfjährigen gaben laut Polizei an, dass ihre Geräte voll aufgeladen bis zu 57 km/h beziehungsweise bis zu 90 km/h erreichen können.
E-Scooter-Verfolgungsjagd: Zwölfjähriger flüchtet mit 80 | nachrichten360