Dua Lipa Hochzeit Palermo: Feier, Proteste, Mafia-Debatte
Palermo, 07 Juni 2026
Harald Krichel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Popstar Dua Lipa und Schauspieler Callum Turner haben am Wochenende ihre Hochzeit mit mehr als 200 Gästen in Palermo gefeiert. Während Stars wie Elton John, Donatella Versace und Charli XCX auftraten, sorgten Absperrungen, eine Kontroverse um britische Mafia-Stereotype und kleinere Proteste in der sizilianischen Hafenstadt für Aufsehen.
Palermo, 07 Juni 2026
Popstar Dua Lipa und der britische Schauspieler Callum Turner haben am Wochenende in Palermo mit mehr als 200 Gästen eine mehrtägige Hochzeitsfeier begangen, die in Sizilien zugleich Begeisterung, Proteste und eine mediale Debatte über Mafia-Klischees auslöste.
Die britisch-kosovarische Sängerin Dua Lipa („Don't Start Now", „Houdini") und der sechs Jahre ältere britische Schauspieler Callum Turner („Die Jungs im Boot", „Phantastische Tierwesen") sind nach Angaben von Medienberichten bereits vor wenigen Tagen im kleinen Kreis im Londoner Stadtteil Marylebone standesamtlich getraut worden. Das Paar ist seit Januar 2024 liiert und hatte im Sommer 2025 seine Verlobung bekanntgegeben. Die mehrtägigen Feierlichkeiten in Sizilien begannen am Freitagabend auf der zentralen Piazza Croce dei Vespri und sollen noch bis Sonntag andauern.
Die Stadt hatte für den Auftakt den Platz aufwendig umgestaltet: Vintage-Autos, ein Obststand und mehrere festlich gedeckte Tische verwandelten die Piazza in eine Art Filmset. Ab etwa 21:00 Uhr spielte eine Brass-Band, das Brautpaar tanzte unter freiem Himmel. Die 30-jährige Sängerin trug ein weißes, schulterfreies Kleid mit tiefem Rückenausschnitt und Fransendetails sowie eine passende Handtasche, Turner erschien in einem beigen Anzug mit weißem Hemd ohne Krawatte.
Unter den mehr als 200 Gästen, die laut Berichten mit rund 60 Minivans anreisten, befanden sich die Modeschöpferin Donatella Versace, die Sängerinnen Charli xcx und Olivia Dean, der Musikproduzent Mark Ronson mit seiner Frau Grace Gummer, Tochter von Meryl Streep, die DJ Peggy Gou sowie Familienangehörige des Paares. Auch Madonna wurde in Medienberichten als Gast genannt. Höhepunkt des Abends war ein Auftritt von Elton John am Klavier, der den Klassiker „Your Song" für das Brautpaar sang. Elton John, der mit Lipa den Welthit „Cold Heart" aufgenommen hatte, war bereits am Samstag zu den Feierlichkeiten erwartet worden.
Feiern auf der Piazza und in der Villa
Am Samstag zog die Party in die barocke Villa Valguarnera im nahegelegenen Städtchen Bagheria weiter, wo das Paar unter strenger Sicherheitsabsperrung im Garten erneut vor den Traualtar trat. Die Villa aus dem 18. Jahrhundert war zuletzt als Drehort der Netflix-Serie „Il Gattopardo" (Der Leopard) genutzt worden. Das Abendprogramm dort gliederte sich in eine Zeremonie, ein Abendessen im Inneren sowie einen DJ-Auftritt im Freien mit vier international bekannten DJs. Die Gäste erhielten Fächer mit der Aufschrift „D&C 6 june 2026" und der Widmung „Stay made with me forever".
Die Stadt Bagheria verhängte rund um die Villa umfangreiche Park- und Zugangsbeschränkungen bis zum 8. Juni, um die Privatsphäre des Paares und der Gäste zu schützen. Auch im Stadtzentrum von Palermo waren am Freitagabend mehrere Plätze weiträumig abgesperrt, Straßen wurden etwa eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung vollständig geräumt. Wartende Fans, Journalistinnen und Journalisten sowie Fotografenteams waren von den Sperrungen betroffen. Anwohnerinnen und Anwohner berichteten zudem, dass Geschäftsleute in der Nähe gebeten worden seien, ihre Läden geschlossen zu halten. Medienberichten zufolge sei eine Entschädigung von 1.000 Euro angeboten worden – eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Das Paar wohnte während der Feierlichkeiten in einem Fünf-Sterne-Hotel in Palermo.
Proteste und Absperrungen
Die Feiern schlugen jedoch nicht nur positive Wellen: In Sizilien formierte sich Protest. Die Bürgerinitiative „Apro Palermo" (Palermo öffnen) demonstrierte gegen das Promi-Event und wandte sich zugleich gegen Massentourismus. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 30 Demonstrantinnen und Demonstranten in der Nähe der Feierlichkeiten, größere Zwischenfälle blieben aus. Auf Plakaten, Aufklebern und einem von einem Balkon hängenden Transparent stand: „Palermo steht nicht zur Miete" und „Unser Platz ist nicht euer Wohnzimmer". „Die Leute kommen nicht vorbei, nicht einmal zu Fuß. Auf globaler Ebene ist das ein schönes Schaufenster und kann Touristen nach Palermo bringen. Im Moment verursacht es jedoch Probleme", sagte der Restaurantbesitzer Francesco Costanzo der Nachrichtenagentur Ansa.
Palermos Bürgermeister Roberto Lagalla zeigte Verständnis für die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, verteidigte die Veranstaltung aber zugleich: Palermo werde „an niemanden übergeben". Er sieht das Fest als hervorragende Imagewerbung für die sizilianische Inselhauptstadt mit ihren rund 630.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore" schätzt die Gesamtkosten der Feier auf etwa vier Millionen Euro. Die Organisatoren setzten vor den Toren der Villa private Sicherheitskräfte und Polizeikräfte ein.
„Mafia-Chic": Die britische Berichterstattung
Zugleich entzündete sich eine Kontroverse über die Berichterstattung britischer Medien. Die Boulevardzeitung „The Sun" sprach von einer Hochzeit im Stil des US-amerikanischen Mafia-Epos „Die Sopranos" und warf den Prominenten „Mafia-Chic" vor. Auf der eigenen Online-Seite schrieb „The Sun", die Cosa Nostra habe Sizilien 150 Jahre lang „mit eiserner Faust" regiert. Die Tageszeitung „Daily Telegraph" hatte einen der Veranstaltungsorte zunächst als „Mafia-Nest" beschrieben und die Formulierung erst nach Protesten aus Sizilien in „ehemaliges Mafia-Nest" geändert. „The Sun" veröffentlichte zudem Fotos, die Szenen der jüngeren Mafia-Geschichte zeigen, darunter das Capaci-Attentat und die Festnahme von Giovanni Brusca.
Die Reaktion aus Italien folgte prompt. Bürgermeister Lagalla kritisierte die britische Berichterstattung als Rückgriff auf ein „ebenso überstrapaziertes wie ungerechtes Klischee", das eine komplexe, moderne und dynamische Region auf eine „simple und beleidigende Darstellung reduziere". Siziliens Gouverneur Renato Schifani sprach von einem „enormen Image-Schaden" für die Sizilianerinnen und Sizilianer und erklärte, die Hochzeit habe „die internationale Aufmerksamkeit auf die Schönheiten und die Exzellenz Siziliens gelenkt", weshalb die Wiederbelebung eines Stereotyps umso schwerer wiege. Die Falcone-Stiftung, benannt nach dem 1992 ermordeten Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone, äußerte „Empörung" und erinnerte an den Besuch von Königin Elisabeth II. an der Gedenkstätte von Capaci im selben Jahr.
Hintergrund: Sizilien und die Cosa Nostra
Hintergrund des Konflikts ist die bis heute nachwirkende Geschichte der Cosa Nostra auf Sizilien. 1992 fielen die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino Anschlägen zum Opfer; Falcone, seine Frau Francesca Morvillo und Angehörige seines Polizeischutzes wurden auf einer Autobahn durch eine Autobombe getötet. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Einfluss der Mafia in der Region durch konsequentere staatliche Maßnahmen deutlich zurückgegangen. Palermo bietet mittlerweile sogenannte „Anti-Mafia-Touren" zu Unternehmen an, die keine Schutzgelder mehr zahlen. Dennoch bleiben Mafia-Souvenirs bei ausländischen Touristinnen und Touristen beliebt.
Italien als Hochzeitsort der Promis
Italien ist seit Jahrzehnten ein beliebter Ort für Promi-Hochzeiten – vor allem Venedig, das in der jüngeren Vergangenheit allerdings auch negative Schlagzeilen produzierte: Im Juni 2025 hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seiner Frau Lauren Sánchez ein mehrtägiges Fest in der Lagunenstadt gefeiert, das wegen der Zurschaustellung von Reichtum und der vollständigen Absperrung aller Veranstaltungsorte international in die Kritik geraten war. In Palermo, das bislang nicht als Hochzeitsort für Prominente bekannt war, verlief die Debatte etwas leiser – aber nicht ohne Echo.
Die britische Boulevardpresse nennt das Spektakel die „Hochzeit des Jahres". Turner wird in britischen Medien seit Längerem als möglicher Nachfolger von Daniel Craig in der Rolle des James Bond gehandelt. Bildrechte an den Hochzeitsfotos liegen unter anderem bei REUTERS/Igor Petyx, Keystone/Evan Agostini/Invision/AP und IMAGO/News Licensing.
Mit der mehrtägigen Feier, prominenten Gästen, einem aufwendigen Filmset auf einer historischen Piazza und einem Exklusiv-Programm in einer barocken Villa reiht sich die Hochzeit in die Riege großer Promi-Feste ein – und wirft zugleich Fragen nach dem Umgang mit öffentlichem Raum, privater Sicherheit und medialer Verantwortung auf.
Reaktionen und offene Fragen
Die Kontroverse um die britische Berichterstattung dürfte den Blick auf die Hochzeit noch eine Weile prägen. Während die Organisatoren und Bürgermeister Lagalla auf die werbliche Strahlkraft der Bilder verweisen, sehen Kritikerinnen und Kritiker in den Schlagzeilen eine Verharmlosung der Opfer der sizilianischen Mafia-Geschichte. Die Debatte zeigt, wie wenig Routine Sizilien im Umgang mit globaler medialer Aufmerksamkeit rund um ein Ereignis dieser Größenordnung bislang hat.
Fragen & Antworten
Wer hat an der Hochzeit von Dua Lipa und Callum Turner in Palermo teilgenommen?
Zu den mehr als 200 Gästen gehörten laut Medienberichten unter anderem die Modeschöpferin Donatella Versace, die Sängerinnen Charli xcx und Olivia Dean, der Musikproduzent Mark Ronson mit seiner Frau Grace Gummer, die DJ Peggy Gou und Popsänger Elton John, der am Klavier „Your Song" für das Paar spielte.
Warum sorgte die britische Berichterstattung für Empörung in Italien?
Die Boulevardzeitung „The Sun" sprach von einer „Mafia-Chic"-Hochzeit, und die „Daily Telegraph" bezeichnete einen Veranstaltungsort zunächst als „Mafia-Nest". Siziliens Bürgermeister Roberto Lagalla und Gouverneur Renato Schifani kritisierten dies als Rückgriff auf ein überstrapaziertes Klischee, das die Opfer der Cosa Nostra verharmlose und der Region immensen Image-Schaden zufüge.
Was kritisieren Anwohnerinnen und Anwohner in Palermo an der Feier?
Die Bürgerinitiative „Apro Palermo" protestierte mit Plakaten wie „Palermo steht nicht zur Miete" gegen das Event und den damit verbundenen Massentourismus. Anwohner beklagten zudem weiträumige Straßensperrungen, die Auflage an Geschäftsleute, ihre Läden zu schließen, und strenge Verschwiegenheitsvereinbarungen.
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